Lagerkoller und Neid
Völlers Mannen nicht alle zufrieden

Die Stimmung in der deutschen Nationalmannschaft ist trotz des hohen Auftaktsiegs nicht ausschließlich gut. "Es ist doch klar, dass ich nicht zufrieden bin, wenn ich nicht spiele", sagte Jens Jeremies dazu.

Lagerkoller und Neid auf Spielzeiten können ein Team schnell auf die Verliererstraße bringen. In der deutschen Mannschaft ist es eine der Aufgabe von Rudi Völler alle Spieler bei Laune zu halten und das Wir-Gefühl zu stärken. Und schon vor dem zweiten WM-Gruppenspiel der DFB-Auswahl am Mittwoch gegen Irland in Ibaraki (13.30 MESZ/live im ZDF) steht die viel beschworene Harmonie im deutschen Lager auf dem Prüfstand - einige Spieler sehen nach dem 8:0 gegen Saudi-Arabien bereits ihre Felle davonschwimmen.

"Es ist doch klar, dass ich nicht zufrieden bin, wenn ich nicht spiele. Das ist das Normalste von der Welt", sagt der Münchner Jens Jeremies, der gegen die Saudis immerhin in der zweiten Halbzeit für den angeschlagenen Carsten Ramelow ran durfte, relativ emotionslos. Jeremies, bei der WM vor 1998 in Frankreich zu Beginn "gesetzt", meint aber auch: "Der Trainer hat keinen Grund eine erfolgreiche Mannschaft zu ändern. Zudem können wir nur Erfolg haben, wenn wir alle an einem Strang ziehen".

Auch Oliver Bierhoff ist mit seiner Joker-Rolle äußerst unzufrieden, Theater machen will aber auch er nicht. "Ich habe in der Vorbereitung gut gearbeitet und gedacht, ich hätte viele Punkte gesammelt. Aber der Trainer hat sich anders entschieden", sagte er Ex-Kapitän nach seinem verlorenen Duell mit Carsten Jancker. Die Situation, gibt er zu, sei aber nicht leicht: "Man leidet natürlich ein bisschen. Nach meiner Einwechslung gegen Saudi-Arabien habe ich dem Teamchef aber gezeigt, dass er mit mir rechnen kann."

Während sich Jeremies, Bierhoff, der in der WM-Qualifikation gesetzte, gegen die Saudis aber ebenfalls nur eingewechselte Oliver Neuville und der zuletzt angeschlagene Marko Rehmer immerhin zum Kreis der "Edeljoker" zählen dürfen, sind bei anderen die Einsatzchancen minimal. "Wenn man bei einer WM dabei ist, will man natürlich auch spielen", sagt der Bremer Frank Baumann, dem in Asien aber das selbe Schicksal droht wie den Dortmundern Lars Ricken und Sebastian Kehl oder den Schalkern Gerald Asamoah und Jörg Böhme.

Für die war es zumindest tröstlich, dass der unumstrittene Dietmar Hamann nach dem Auftaktsieg betont hatte: "Dieser Erfolg war ein Erfolg aller 23 deutschen Spieler." Dieses Wir-Gefühl will DFB-Teamchef Rudi Völler auch bis zum Schluss bewahren, deshalb sucht er bei den Härte- und Grenzfällen immer das Einzelgespräch.

"Die Spieler sind alle sehr einsichtig", hat der 42-Jährige festgestellt. DFB-Trainer Michael Skibbe ergänzt: "Jeder Einzelne weiß, dass er das volle Vertrauen der Trainer genießt. Deshalb wird bei uns keine Unzufriedenheit aufkommen."

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