Lakaien für den Texaner
Die Siegmaschine

L?Alpe d?Huez 2003: Die Spitzengruppe der Tour de France geht auf der schwersten Etappe der Alpen bei Bourg d?Oisans in den Schlussanstieg des Tages. Wie erwartet, eröffnet die Mannschaft von Lance Armstrong das Finale die 21 Kehren zur Skistation von Huez hinauf. Allen voran Manuel Beltran, den Armstrong in jenem Frühjahr von der Konkursmannschaft Team Coast verpflichtet hat. Nur Meter nachdem die Passstraße sich von der Talebene entfernt, geht Beltran aus dem Sattel, zieht mit aller Kraft am Lenker und schießt dem Gipfel entgegen, als kenne er keine Schwerkraft.
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HB QUIMPER. Das mörderische Tempo am Fuß des Berges kann nur Armstrong selbst halten: Beltran hängt nicht nur den Rest des Feldes ab, sondern auch den Rest seiner eigenen Mannschaft. Wichtige Männer wie Roberto Heras und Cechu Rubiera, die Armstrong im Finale eigentlich gerne um sich hat. Als einige Kilometer weiter oben der Endkampf zwischen den Favoriten beginnt, ist Armstrong isoliert. Und deshalb fängt Beltran sich von seinem Chef einen öffentlichen Rüffel ein: "Es scheint so, als würde Beltran das System unserer Mannschaft noch nicht so richtig begreifen", sagt Armstrong.

Es war einer der wenigen Momente in den vergangenen fünf Jahren, in denen Armstrongs Mannschaft nicht wie eine perfekt abgestimmte Siegmaschine funktionierte. Zusammen mit Johan Bruyneel, dem jungdynamischen Teamchef von Postal, den Armstrong noch als Kollegen und Konkurrenten kennt, hat der US-Amerikaner ein dichtes taktisches System entwickelt. Nicht nur an Armstrong selbst, sondern auch an seiner Mannschaft verzweifeln die Konkurrenten. Keiner im Feld kann auch nur Zucken, ohne dass er von einem Postal-Fahrer beobachtet wird. Gefährliche Attacken werden im Ansatz erstickt oder gnadenlos niedergerungen.

Das oberste Prinzip von Armstrongs und Bruyneels Führungsstil ist die Kompromisslosigkeit und Geradlinigkeit. Es gibt nur ein Ziel in dieser Mannschaft, und das ist der Gesamtsieg. Nicht ein Pedaltritt während der 3500 Kilometer durch Frankreich wird geduldet, der nicht diesem Ziel dient: "Wir verschwenden keine Energien", sagt Floyd Landis, der seit 2002 zur Mannschaft gehört.

Johan Bruyneel und Lance Armstrong operieren im Stil moderner Unternehmensberater, Effizienz und Effektivität sind ihre obersten Handlungsmaximen. Rücksicht auf Empfindsamkeiten gibt es nicht; jede Konvention des Sports wird hinterfragt und wird auf ihre Tauglichkeit für den Radsport des 21. Jahrhunderts abgeklopft.

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