Lambsdorff für mehr Druck auf Firmen bei Entschädigung
Rau ruft Mittelständler zu NS-Zwangsarbeiter-Zahlungen auf

Bundespräsident Johannes Rau hat etwa 1 000 mittelständische Unternehmen eindringlich zur Beteiligung an der Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern aufgerufen. Rau wandte sich in einem Schreiben persönlich an die Firmen und betonte, es gehe "um einen kleinen Beitrag zur Versöhnung mit Menschen, die in ganz besonderer Weise Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft geworden sind".

afp BERLIN. Auch um das Bild Deutschlands und den "guten Namen der deutschen Unternehmen im Ausland" gehe es, schreibt Rau. Die Firmen sollten daher noch einmal genau prüfen, ob sie sich nicht an der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft zur Zwangsarbeiter-Entschädigung beteiligen wollten. Eine Beteiligung sei kein Schuldeingeständnis, betonte der Bundespräsident. Auch die Stiftungsinitiative selbst und der Verhandlungsführer der Bundesregierung Otto Graf Lambsdorff, appellierten erneut an Unternehmen.

Der Bundespräsident rief in seinem Schreiben an die Mittelständler in Erinnerung, dass sich der Bund und die Wirtschaft zu dem Stiftungsfonds verpflichtet hätten. Zwar sei mit den Zahlungen das Geschehene nicht rückgängig zu machen. Es werde aber ein Zeichen gesetzt und "dies Wenige" für die ehemaligen Zwangsarbeiter sollte daher "eine selbstverständliche Geste" sein. Rau betonte mit Blick auf noch immer fehlende Gelder beim Anteil der Wirtschaft: "Darüber sollte nicht länger gefeilscht werden." Er wisse zwar, dass viele Unternehmen bei Zahlungen zögerten, weil sie fürchteten, damit eine Schuld anzuerkennen. Dies habe mit der Beteiligung an der Stiftung aber nichts zu tun. Rau dankte besonders den Unternehmen, die sich beteiligten, obwohl sie keine Zwangsarbeiter beschäftigt hatten. Historische Verantwortung bedeute mehr als persönliche Schuld oder auch "buchhalterisches Kalkül".

Lambsdorff sprach sich derweil für mehr Druck auf zahlungsunwillige Firmen aus. Er schloss im Inforadio Berlin-Brandenburg nicht aus, solche Unternehmen auch öffentlich zu nennen. "In bestimmten, herausragenden Fällen kann man das vielleicht auch öffentlich machen, es gibt ja Unternehmen, die sich öffentlich weigern." Als Beispiel nannte er den Süßwarenhersteller Haribo, der seine Weigerung zur Entschädigung der Zwangsarbeiter öffentlich begründet hatte. Lambsdorff machte aber deutlich, dass er generell nichts von öffentlichen Listen zahlungsunwilliger Firmen hält. Diese erweckten den Eindruck, dass Unternehmen an den Pranger gestellt werden sollten. "Das gab's im Mittelalter, das sollten wir uns in der Neuzeit sparen."

Die Stiftungsinitiative zeigte sich zufrieden mit den bisherigen Ergebnissen ihrer Sammelbemühungen. Sprecher Wolfgang Gibowski sagte dem Radiosender "F.A.Z. 93.6 Berlin", das Erreichte sei "schon sehr, sehr viel". Zu Jahresbeginn sei mit hundert Firmen begonnen worden, zum Ende seien etwa 5.500 der Stiftungsinitiative beigetreten. Zwar seien die zugesagten fünf Milliarden Mark noch nicht beisammen. "Mit über 3,4 Milliarden haben wir aber mehr Geld zusammen, als je auf freiwilliger Basis im Rahmen einer Solidaritätsaktion gesammelt worden wäre.

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