Land Berlin hat gute Argumente für Schadenersatz
Bank Berlin: Wirtschaftsprüfer BDO in der Krise

Bankspezialisten können kaum glauben, dass es möglich ist, interne und externe Kontrollmechanismen derartig außer Funktion zu setzen wie bei der Bankgesellschaft Berlin (BGB) und deren Tochtergesellschaft IBG.

FRANKFURT/M. Trotz öffentlicher Bankenaufseher, interner Revisoren, mehrerer Wirtschaftsprüfer und Sondergutachter hat das Bankmanagement über seine Immobilientochter so lange Verlustpotenziale aufbauen können, bis der Bankkonzern ohne fremde Hilfe nicht mehr überlebensfähig war.

Die Einsichtnahme in die dem Handelsblatt zur Verfügung stehenden externen und internen Kontrollberichte deckt jetzt Missstände im Risikomanagement auf, die im deutschen Kreditgewerbe bisher für nicht vorstellbar gehalten wurden. Nachdem der Umfang des vom Steuerzahler zu zahlenden Milliardenschadens absehbar wird, lohnt sich die Frage nach dem oder den Hauptschuldigen der Risikoverschleierung und Risikohäufung.

Falsches Testat könnte Existenz kosten

Für die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO Deutsche Warentreuhand AG geht es bei der Beantwortung dieser Schuldfrage jetzt sogar um existenzielle Fragen nach dem Ausmaß möglicher Haftungszuweisungen. Der Beweis von Fahrlässigkeit wäre für das bereits geschädigte Image von BDO fatal, finanziell mit einer nach § 323 Abs. 2 HGB maximalen Zahlung von 4 Mio. Euro aber verkraftbar und durch die Berufshaftpflicht für Wirtschaftsprüfer abgedeckt. Die wider besseren Wissens vorsätzliche Erteilung eines falschen Testates würde die BDO zur Entlastung des Berliner Steuerzahlers in einem bisher in Deutschland einmaligen Umfang in die Haftung hineinziehen. Vor diesem Hintergrund ist es eine unternehmerische Selbstverständlichkeit, dass BDO alles unternimmt, um den Vorwurf einer vorsätzlichen Falschtestierung abzuwehren.

Die Hauptverantwortlichen für die Milliardenlöcher bei der BGB sind nach Prüfung der Aktenlage und des Geschäftsverlaufs der Bankgesellschaft und der IBG schnell identifiziert. Die Bankmanager der IBG und BGB haben die ihnen zugetragenen Warnungen bewusst missachtet. Die von ihnen auch aufgrund ihrer Größenordnung nicht zu übersehenden Risiken wurden kaschiert. Dabei unterliefen ihnen nicht versehentliche Fehler in der Risikosteuerung und im Risikoreporting, denn in der Außendarstellung der BGB wurden erkennbare und im internen Reporting aufgeführte Risiken der IBG systematisch heruntergespielt.

Steuerzahler ist der Dumme

Mit dieser Bankpolitik wurde auf Zeit gespielt, und der geringen Hoffnung Raum gegeben, dass sich durch einen Umschwung auf dem Immobilienmarkt die bankpolitische Fehlsteuerung vielleicht doch noch revidieren ließe. Aus Sicht des nach Offenlegung der wahren Risikolage zwangsweise zur Aufgabe gezwungenen Bankmanagements war diese "Strohhalmpolitik" verständlich. Aus Sicht des Bankaufsichtsrechts, der Gesellschafter der BGB und der Berliner Steuerzahler war diese Risikopolitik unverantwortlich.

Dem Steuerzahler nützt der Fingerzeig auf die Hauptschuldigen heute kaum, denn für die immensen potenziellen Schadensersatzforderungen ist bei den Bankmanagern zu wenig zu holen. Dennoch darf dieses traurige Kapitel unseriösen Bankmanagements nicht eilfertig übersprungen werden. Erstens müssen aus ihm Lehren für die zukünftige Beaufsichtigung von Kreditinstituten gezogen werden. Das traurige Schicksal der Schmidt Bank zeigt, dass auch in anderen Instituten Bankmanager die Grenzen unzulässiger Risikohäufung überschritten haben. Zweitens begünstigte erst die Geschäftsführung und die Erwartungshaltung der Manager der IBG und BGB ein mögliches Fehlverhalten der BDO.

Effektive Mieteinnahmen geringer als fiktive

Die nach außen lange zur Schau getragene Ahnungslosigkeit der Manager der BGB und IBG widerlegen die Berichtsprotokolle Nr. 025/1998 der Konzernrevision. Mit elf namentlich aufgeführten Exemplaren wurden über die Konzernrevisoren Honerlage und Pieta dem Konzernvorstand der BGB, dem Vorstand der Landesbank Berlin, dem Vorstand der Berliner Hyp, dem Vorstand der Berliner Bank, dem Aufsichtsrat der IBG und der Geschäftsführung der IBG eindeutige Warnungen übermittelt, die keiner von ihnen übergehen konnte und durfte. Der Prüfungsleiter Wendt, der zusammen mit seiner Prüferin Weber 30 Prüfertage dem internen Report über das mangelhafte Risikocontrolling und die offensichtlichen Haftungsrisiken der IBG-Gruppe widmete, kommt zu einem jeden Bankmanager wach rüttelnden Urteil.

Zu den Risiken aus Generalmietverträgen und Mietgarantien stellt er einführend fest, dass diese von der IBG eingegangenen Verpflichtungen von der BDO-Prüfungsgesellschaft zum Jahresabschluss 1997 mit "vertriebspolitischer Notwendigkeit" gekennzeichnet wurden. Sie "sind für die hohe Marktakzeptanz der LBB-Fonds von großer Bedeutung". Wendt fährt in seinem Report fort: "Das potenzielle Risiko besteht somit in allen Fällen darin, dass die von der IBG-Gruppe "erzielten" effektiven Mieteinnahmen nicht die Höhe der prospektierten und gegenüber den Fondsgesellschaften garantierten "fiktiven" Mieteinnahmen erreichen".

Diese zwei Sätze des internen Revisors fassen für die Bankmanager die ganze Misere zusammen. Sie haben über die IBG am Markt Geschenke verteilt, um damit Abschlüsse zu generieren, und auch die BDO musste erkennen, dass hier Umsätze mit Kampfkonditionen generiert wurden.

weiter unter: Der nächste Schritt: Die Managementwarnung

Quelle: Handelsblatt

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