Land hat Grenze der finanziellen Leistungsfähigkeit erreicht
Im Sirtaki-Rhythmus

Griechenland will mit den Olympischen Spielen den Tourismus und die Wirtschaft ankurbeln. Doch die Kosten überfordern den Staat schon jetzt.
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ATHEN. Nach dem Freudentaumel kam der Black-out. Glaubten die Griechen, nach dem Sensationssieg bei der Fußballeuropameisterschaft würden sie auch die Olympiade in Athen locker wuppen, sahen sie am Montagmorgen vergangener Woche auf einmal schwarz. Für sechs Millionen Menschen in der Olympiametropole fiel der Strom aus. Tausende saßen auf dem Weg zur Arbeit stundenlang in Bahnen und Aufzügen fest.

Der Schock, verursacht angeblich durch das gleichzeitige Hochfahren vieler Tausend Klimaanlagen, sitzt tief. Denn ohnehin stehen die Griechen unter dem Generalverdacht, sie bekämen Bau, Organisation und Finanzierung der Spiele ohnehin nicht in den Griff.

Eine riesige Party sollen die Spiele werden, die am Freitag offiziell beginnen. Zwei Millionen Gäste aus aller Welt werden in Athen erwartet. Ihnen wollen die Griechen zeigen, dass sie längst nicht mehr das Armenhaus Europas sind, sondern aufgeschlossen haben zum kleinen Kreis der dynamischeren EU-Länder mit einem kräftigen Wachstum der Wirtschaft (siehe Grafik nächste Seite). Milliardeninvestitionen in 35 Austragungsstätten, in die chronisch überlastete Verkehrsinfrastruktur und in die touristische Erschließung der antiken Sehenswürdigkeiten sollen das Wachstum der griechischen Wirtschaft und den Zustrom ausländischer Touristen auch über die Spiele hinaus ankurbeln.

"Stimmungsmache gegen die Griechen" vermutete denn auch Premierminister und oberster Olympiaorganisator Konstatinos Karamanlis hinter den Unkenrufen, die Spiele müssten wegen zahlreicher Baustellen mit Verspätung beginnen. Tatsächlich geriet bisher noch jede Olympiastadt kurz vor Eröffnung der Spiele in Zeitnot - aber so schlimm wie diesmal war es noch nie. Anfang Jjuli war die Hälfte aller Sportstätten nicht fertig, bei den Infrastrukturprojekten lag Athen um Monate zurück.

Da wurden sogar die an solche Probleme gewöhnten Olympiafunktionäre nervös - eine Verschiebung der Spiele wurde nicht mehr ausgeschlossen. Um sich gegen drohende Regressansprüche zu schützen, schloss das Internationale Olympische Komitee (IOC) vor gut zwei Monaten bei Lloyd?s in London eine Versicherung ab - so etwas hatte es in der mehr als 100-jährigen Geschichte der Olympischen Spiele noch nie gegeben.

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