Land hofft auf Einigung mit IWF
Argentinien lässt die Anleger zappeln

Die Verhandlungen Argentiniens mit dem IWF sind ins Stocken geraten. Noch ist offen, ob das Land in der nächsten Woche seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen wird. Auch die deutschen Besitzer der von einer Umschuldung bedrohten argentinischen Anleihen müssen sich noch in Geduld üben.

ang/rp BUENOS AIRES/DÜSSELDORF. Die Wiedereingliederung Argentiniens in die internationale Gemeinschaft sei "unerlässlich", sagte Argentiniens Präsident Eduardo Duhalde nach einem Telefongespräch mit Horst Köhler, dem Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF). "Doch wenn dies mehr Schwierigkeiten als Vorteile bringt, ist es wohl nicht der richtige Zeitpunkt." Eine gute Woche vor dem 14. November, wenn die letzte Frist für eine 850 Mill. $ Rückzahlung Argentiniens an die Weltbank ausläuft, gibt es noch immer keinen Durchbruch in den Verhandlungen mit dem IWF. Doch ein Zahlungsausfall Argentiniens - auch gegenüber den multilateralen Kreditorganisationen - würde die Isolation des Krisenlandes noch vertiefen.

Argentinien spielt die drohende Zahlungsunfähigkeit als Druckmittel aus. Man werde nicht erneut die Zentralbankreserven anzapfen, um die Fälligkeiten zu begleichen, verkündete Buenos Aires. Allerdings gab die Regierung bekannt, dass sie diese Woche Fälligkeiten von 180 Mill. $ an den IWF und die Interamerikanische Entwicklungsbank (IADB) leisten werde.

In der nächsten Woche verhandelt der IWF in Buenos Aires weiter. "Die Positionen zwischen der Regierung und dem IWF rücken immer näher", sagt José Pampuro, Generalsekretär im Präsidentenamt. Und auch Guillermo E. Nielsen, Staatssekretär für Finanzen des argentinischen Wirtschaftsministeriums, ist zuversichtlich. "Wir haben gute Fortschritte bei den Verhandlungen gemacht", sagte er gestern in Düsseldorf. Die größten Probleme lägen nun außerhalb des Einflussbereichs der Regierung. Ein Beispiel dafür sei eine Steuerreform; diese müsse der Kongress entscheiden. Allerdings räumte Nielsen ein, dass Argentinien sich bei der Dauer der IWF-Gespräche völlig verschätzt habe. "Wir haben niemals erwartet, dass die Verhandlungen so langsam verlaufen", sagte er.

Offen ließ der Staatssekretär, ob Argentinien die Zahlungsverpflichtungen am 14. November erfüllen wird. Er warnte aber davor, dass die Reserven bis März 2003 auf 4,320 Mrd. $ fallen könnten. Auf diesem Niveau sei die Stabilität des Landes aber "nicht mehr gewährleistet."

Die deutschen Anleiheanleger lässt die argentinische Regierung noch auf eine Lösung warten. Sein Besuch sei nur "ein erster Schritt", sagte Nielsen. Ein konkretes Angebot habe er nicht in der Tasche. Dies dürfte auch die rund 600 Anleger enttäuscht haben, die gestern zur ersten Informationsveranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Argentinien-Anleihen der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW-AAA) nach Düsseldorf kamen. Die DSW-AAA vertritt über 5 360 Anleger, die nominal knapp 385 Mill. Euro investiert haben.

Nicht zuletzt um den guten Willen zu bekunden, versucht Buenos Aires nun auch eine neue Offensive im Thema Schuldenrestrukturierung und will einen internationalen Berater suchen. Dieser soll die Restrukturierung der externen Staatsschuld koordinieren. In Frage kämen aber nur Investment-Banken, die nicht an den großen Platzierungen argentinischer Schuldtitel der letzten drei Jahre beteiligt waren. "Argentiniens Entscheidung zu verantwortlichem Handeln ist eine sehr gute Nachricht. Es ist Zeit, Argentinien neu zu bewerten. Das Land hat vor ein paar Monaten den Tiefpunkt erreicht und ist dabei, aus dem Loch zu klettern", lobt Walter Molano von BCP-Securities.

Fernando Losada von ABN-Amro bezweifelt indes, dass die Bemühungen vor einem Abschluss mit dem IWF sinnvoll ist. "Der IWF ist das Qualitätssiegel in den Schuldenverhandlungen. Ohne die Unterstützung des IWF werden sich die Investoren auf keine Operationen einlassen", so Losada. Ähnlich schätzt dies Adam Lerrick, Professor an der Carnegie Mellon Universität, Pittsburgh, und Experte für staatliche Restrukturierungen ein. Werde keine IWF-Vereinbarung erreicht, würde eine "Umschuldung viel schwieriger", sagte Lerrick in Düsseldorf. Die Bewertung neuer Anleihen sei dann für Anleger problematischer. Auch eine "Vorzugsbehandlung" der Privatanleger sieht Lerrick kritisch. Ihr Anteil sei mit rund 50 % bzw. 20 Mrd. $ einfach zu hoch.

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