Land Schleswig-Holstein will Bürgschaft übernehmen
France Télécom stellt Bedingungen

France Télécom fordert einen überzeugenden Sanierungsplan von seiner deutschen Beteiligung, der angeschlagenen Mobilcom AG. Erst dann will der französische Telekomkonzern offenbar der lange ausgehandelten Übernahme der Mobilcom-Schulden zustimmen.

abo/slo PARIS/DÜSSELDORF. "Alles hängt von der deutschen Seite ab", sagte Jean-Louis Vinciguerra, Finanzvorstand des Pariser Konzerns, am Dienstag. Wenn Mobilcom nicht pleite gehen wolle, müsse es eine "glaubwürdige Lösung" für das künftige Überleben vorlegen, sagte Vinciguerra. Die Franzosen wollen vermeiden, einen Großteil der Mobilcom-Schulden zu übernehmen, wenn die Büdelsdorfer Firma anschließend in die Insolvenz schlittert.

Vinciguerra geht davon aus, dass die Partnerschaft mit Mobilcom bis zum Jahresende einvernehmlich beendet werden kann. France Télécom sei weiterhin bereit, die UMTS-Bankschulden von Mobilcom in Höhe von 4,7 Mrd.Euro sowie Kredite der Netzausrüster Nokia und Ericsson von 1,1 Mrd. Euro zu übernehmen. "Es geht um insgesamt 5,9 Mrd. Euro und dazu noch eine Kleinigkeit mehr", sagte Vinciguerra. Die aus Mobilcom-Kreisen genannte Summe von 7,5 Mrd. Euro bezeichnete er als "völlig überzogen".

Am Montag hatte er den nach dem Rücktritt von Bretons Vorgänger Michel Bon weitgehend neu zusammen gesetzten Verwaltungsrat des Unternehmens über den Stand und die Vorgeschichte des Mobilcom-Engagements informiert. Das Gremium traf keinerlei Entscheidungen über Mobilcom, wie Arbeitnehmervertreter berichteten.

Die Arbeitnehmerseite gerät unterdessen in einen für sie unerfreulichen Spagat: Zwar bezeichneten sie es in der Sitzung als "unannehmbar, dass France Télécom sich seiner Verantwortung entzieht". Sie kündigten an, sie würden sich jeder Lösung für Mobilcom widersetzen, "die den Personalstand bei Mobilcom nicht wahrt", wie bei der Gewerkschaft SUD-PTT zu erfahren war. Gleichzeitig beschwerten sich die Arbeitnehmervertreter über Sparmaßnahmen, von denen die eigene Belegschaft bedroht sehen. So seien die Beschäftigung von Zeitarbeitskräften, das Outsourcing und Neueinstellungen selbst mit befristeten Verträgen gestoppt worden.

Mit diesen Mitteln will sich Vorstandschef Breton weiteren finanziellen Spielraum verschaffen, um die Entschuldung und Rekapitalisierung des Konzerns anzugehen. Dieser hat bei rund 8,5 Mrd. Euro Börsenwert bis zu 70 Mrd. Euro Schulden und etwa 4 Mrd. Euro außerbilanzielle Verpflichtungen.

Operativ dagegen ist France Télécom in guter Verfassung: Die Gruppe meldete gestern einen Umsatzzuwachs um 9% auf 34,4 Mrd. Euro in den ersten neun Monaten des Jahres. Das Unternehmen liegt damit genau im vom Pariser Börsendienst Jacques Cahier Fincance ermittelten Analystenkonsens. Vor allem die Mobiltelefonie und der schnelle Internetzugang seien die Wachstumstreiber, berichtete Vinciguerra. Allerdings reduzierte er das Wachstumsziel für das Gesamtjahr auf 8% bis 9%, nachdem zuvor stets von einem zweistelligen Zuwachs die Rede gewesen war.

Die Ertragsentwicklung beeinträchigt dies offenbar nicht. Vinciguerra setzt auf ein im Vorjahresvergleich um 15% höheres Betriebsergebnis. Der freie Cash-flow, aus dem Schulden zurück gezahlt werden können, habe in den ersten neun Monaten sogar um "über 50%" zugenommen. Eine genaue Zahl nannte Vinciguerra allerdings nicht.

Das Land Schleswig-Holstein will der angeschlagenen Mobilcom AG möglicherweise schon früher als vorgesehen mit Finanzhilfen unter die Arme greifen. Sollte es zu weiteren Liquiditätsengpässen bei Mobilcom kommen, sei man dazu bereit, ein Viertel der auf die Kieler Landesbank im Rahmen des von der Bundesregierung vermittelten Kreditpakets entfallenden 80 Millionen Euro in Form einer Bürgschaft vorzuziehen, sagte eine Sprecherin des Kieler Wirtschaftsministeriums. Damit solle die Zeit überbrückt werden, bis die Voraussetzungen für eine bankübliche Vergabe von Mitteln der Landesbank an Mobilcom gegeben seien. Es handele sich also nicht um zusätzliche Gelder.

Die Bundesregierung hatte im September Finanzmittel von 400 Millionen Euro von zwei Banken für die von Insolvenz bedrohte Mobilcom vermittelt, von denen die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau daraufhin 50 Millionen als Soforthilfe gewährte. Die Kieler Landesbank hatte im Rahmen des Hilfspakets zugesagt, 80 Millionen Euro bereitzustellen, wenn das von Mobilcom erarbeitete Sanierungskonzept von einem Wirtschaftsprüfer als tragfähig erachtet wird und sich weitere Banken an dem Kredit beteiligen.

Quelle: Handelsblatt

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