Land will in die Bresche springen: Chef der Bankgesellschaft Berlin wird nicht abgelöst

Land will in die Bresche springen
Chef der Bankgesellschaft Berlin wird nicht abgelöst

Die Bankgesellschaft Berlin kann im Falle eines dringenden Kapitalbedarfs als Folge von Bereinigungen von Problemfällen auf die Unterstützung ihres Großaktionärs, des Landes Berlin, zählen. Eine Ablösung des Vorstandschefs steht nach Angaben von Berlins Regierendem Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) derzeit nicht zur Debatte.

rtr BERLIN. Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner (CDU) sagte am Montag der Nachrichtenagentur Reuters, Berlin werde mittelbar oder unmittelbar sicherstellen, dass ein solcher Kapitalbedarf gedeckt werde. Unterdessen wächst nach Rücktritten, Entlassungen und hohen Werberichtigungen im Konzern nach Angaben aus Senatskreisen in der Stadtregierung die Kritik an Vorstandschef Wolfgang Rupf. Diepgen wies allerdings einen Bericht zurück, Rupf werde abgelöst.

Branoner räumte ein, dass die Bankgesellschaft als Folge hoher Wertberichtigungen und anderer Lasten einen größeren Bedarf an frischem Kapital haben könnte. "Berlin wird als Eigentümer sicherstellen, ob mittelbar oder unmittelbar, dass das notwendige Kapital zur Verfügung gestellt wird", sagte Branoner. Zunächst müsse allerdings ermittelt werden, ob und wenn ja wie hoch ein solcher Kapitalbedarf sei. Erhebliche Auswirkungen auf die Bilanz der Bankgesellschaft könnte die von Branoner angekündigte Rückabwicklung der Verkaufs der Tochter IBG an den Immobiliendienstleister IBAG haben. Eine solche Entscheidung werde der Aufsichtsrat der Gesellschaft, dem Branoner angehört, voraussichtlich am Freitag treffen, sagte der Senator.
Branoners Finanzkollege Peter Kurth (CDU) hatte schon früher Vorbehalte gegen diese Transaktion geltend gemacht. Branoner forderte, bei der Bankgesellschaft müsse nach den in den letzten Monaten bekanntgewordenen Problemen zunächst aufgeräumt werden. Zudem müsse die Bank eine langfristig tragfähige Struktur erhalten. Diese werde auf den Säulen Großkunden- und Kapitalmarktkunden, Geschäft mit Privat- und kleinen Firmenkunden sowie erbliches Immobiliengeschäft ruhen. Entsprechendes werde der Aufsichtsrat entscheiden.
Nicht äußeren wollte sich Branoner zu Spekulationen über ein baldiges Ausscheiden von Bank-Chef Rupf. Er fügte aber an, Aufsichtsrat und Anteilseigner ständen in engem Kontakt und könnten gegebenenfalls, auch in Personalfragen, sehr schnell entscheiden. Der Berliner Stadtentwicklungssenator und SPD-Chef Peter Strieder, der dem Aufsichtsrat der Bank-Tochter Landesbank Berlin (LBB) angehört, hatte zuvor von "krassem Missmanagement" in der Bank-Führung gesprochen. Auch von anderer Seite im Senat hieß es, der Unwillen gegen Rupf sei an der Spitze der Stadtregierung angesichts eines vor kurzem bekanntgewordenen neuen Wertberichtigungsbedarfs erheblich gestiegen.

Rupf hat keinen guten Ruf mehr im Senat

Der Regierende Bürgermeister Diepgen sagte allerdings: "Es wäre völlig abwegig, jetzt eine Ablösung von Herrn Rupf zu betreiben und dadurch die Bankgesellschaft Berlin zu destabilisieren." In Senatskreisen hieß es aber, als großer Vertrauensbeweis für Rupf könne das nicht verstanden werden. Die "Financial Times Deutschland" hatte zuvor berichtet, dass sich die Anteilseigner der Bank über ein Ausscheiden Rupfs verständigt hätten. Die Zeitung hatte unter Berufung auf Kreise des Bank-Aufsichtsrates geschrieben, es sei nur noch offen, wann Rupf abgelöst werde. SPD-Landeschef und Stadtentwicklungssenator Peter Strieder hatte am Wochenende gesagt, das Grundkapital der Bank müsse vom Land vermutlich um zwei bis drei Mrd. DM aufgestockt werden. In Senatskreisen hieß es ergänzend, inzwischen seien noch höhere Zahlen hinsichtlich der Finanzprobleme der Bank in Umlauf.

Die Darstellung der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ), die von einem drohenden Verlust für die Bankgesellschaft für das Jahr 2000 berichtet hatte, wies das Institut zurück. Bei dieser Darstellung handle es sich, solange das Ergebnis umfangreicher Sonderprüfungen durch das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BAKred) nicht vorliege, um eine "Spekulation", sagte eine Bank-Sprecherin. Bis Ergebnisse des BAKred vorliegen, dürfte es nach Angaben des Amtes noch einige Zeit dauern. Geprüft werden, wie es aus Finanzkreisen hieß, unter anderem Immobilien-, Fonds- und eine Reihe sonstiger Kreditgeschäfte des Konzerns. Erste Ergebnisse dürften frühestens Ende April vorliegen.

Die "FAZ" hatte berichtet, falls der Verkauf des operativen Geschäfts der Immobilientochter IBG rückabgewickelt werden müsse, dürfte die Bankgesellschaft in hohe Verlust geraten.

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