Landesbanken
Die falsche Richtung

Bereits im Jahr 1999 hat die LBBW einen entscheidenden Modernisierungsschritt vollzogen, die Fusion von Großsparkasse und Landesbank. Nun könnte Siegfried Jaschinski, Chef der LBBW, Chef einer Superlandesbank werden. Indes bleibt fraglich, ob durch die Fusion von mehreren Landesbanken die gute Kundenbasis der LBBW erhalten bleibt.

HB Siegfried Jaschinski hat es gut. Wo immer etwas schiefläuft in der Landesbanken-Landschaft, kann sich der LBBW-Chef als Retter profilieren. Am Wochenende in Sachsen, und künftig, wenn alle zur Vernunft gekommen sind, in Düsseldorf. Nach und nach rückt er damit dem Ziel näher, das ihm viele - wohl zu Recht - zuschreiben: Chef einer Superlandesbank zu werden, "auf Augenhöhe" mit dem Chef der Deutschen Bank. Schon wächst er zum kleinen Medienstar und wird mit Alexander dem Großen verglichen, über den er promoviert hat.

Die andere Frage lautet: Wird er damit glücklich? Ein Retter und Star zu sein, ist angenehm. Aber auch gefährlich.

Dass die LBBW in Stuttgart besser dasteht als alle anderen Landesbanken, verdankt sie nicht unbedingt Jaschinski, der erst 2005 ihr Chef wurde. Den entscheidenden Schritt haben die Stuttgarter bereits 1999 vollzogen, als sie ihre Großsparkasse und ihre Landesbank fusionierten. Diese Art von Fusion ist höchst sinnvoll, weil so eine funktionsfähige Bank entsteht - mit einer guten Kundenbasis.

Aber ist die Fusion von mehreren Landesbanken ein guter Schritt? Man wird in jedem Einzelfall sicher passende Argumente dafür finden. Doch die Richtung ist falsch: Wenn man mehrere Landesbanken ohne ausreichende Kundenbasis zusammenschließt, wird aus mehreren kleinen ein großes Problem. Wenn die LBBW mit von der Partie ist, hat wenigstens ein Partner eine gute Kundenbasis - aber reicht das für drei?

Die besonderen Kompetenzen der WestLB und die regionale Ausstrahlung der SachsenLB, die jetzt als Fusionsargumente herhalten müssen, ließen sich wohl billiger als durch eine Übernahme erwerben. Dazu kommt: Durch die Fusionen bekommt die LBBW noch mehr Politiker und Verbandsfunktionäre aus anderen Regionen an den Hals, die alle mitreden wollen und ihre jeweils eigene Suppe kochen. Die LBBW ist heute keine überragende, aber eine recht robuste und in ihren Strukturen überschaubare Bank. Das ist ihre Stärke. Und künftig? Letztlich bleibt also die Frage, ob in Stuttgart noch der nüchterne Bankerverstand regiert. Oder Ehrgeiz und Politik.

Zur Erinnerung: Alexanders Reich war alles andere als stabil. Erobern ist leichter als regieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%