Landesrundfunkanstalt verweist auf Selbstkontrolle
Neuer Internet-Filter soll Jugendschutz verbessern

Um Kinder besser vor Jugend gefährdenden Inhalten im Web zu schützen, haben sich Konzerne der Internet-Branche zusammen geschlossen und ein neues Filtersystem entwickelt. Denn die bisher in Deutschland erhältlichen Filter Cyber Patrol, Net Nanny, Norton Internet Security und Net Sitter sind mehr für ihre Lücken als für effektiven Schutz bekannt. Schon beim direkten Datentransfer über Online-Tauschbörsen versagen die meisten Programme. Zudem wurden sie bislang von den Branchenverbänden wegen Zensur der Internet-Angebote kritisiert.

DÜSSELDORF. Auf der Website der Internet Content Rating Association (icra.org), die unter anderem von der Bertelsmann Stiftung, Microsoft, IBM, AOL, Yahoo und T-Online ins Leben gerufen wurde, kann nach der Präsentation der englischen Version im März nun auch die deutsche Version des ICRA-Filters herunter geladen werden.

Politiker hatten nach dem Amoklauf eines Schülers in Erfurt vor zwei Monaten schnelle Schutzmechanismen für Kinder und Jugendliche in allen Medien gefordert. Dabei müsse man auf die Unterstützung der Wirtschaft bauen, betonte Norbert Schneider, Vorsitzender der Landesanstalt für Rundfunk Nordrhein-Westfalen "Selbstkontrolle ist noch auf längere Zeit wichtiger als Kontrolle."

Die neue Software soll weitaus zuverlässiger sein als die bisherigen Produkte. "Wir sind von dem Programm überzeugt und halten es für äußerst leistungsfähig", sagt Wolf Osthaus von Bitkom, dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien. Der Nutzer sperrt mit ICRA entweder selbst bestimmte Websites oder greift auf vorgefertigte Filterschablonen des Herstellers - Templates - zurück. Wahlweise können Index-Listen des Bundeskriminalamts oder von Kinderhilfsorganisationen eingebaut werden.

"Elektronisches Etikett"

Die Betreiber von Websites können die Initiative unterstützen, indem sie ihren Online-Auftritt mit einem so genannten "elektronischen Etikett" bereits im Code der Website kennzeichnen. Das Etikett zeigt, wie gefährlich der Inhalt der Seite ist. Die Filtersoftware erkennt dieses Etikett und entscheidet je nach Einstellung, ob die Seite geöffnet werden darf. "Die großen Website-Anbieter ziehen bei der Kennzeichnung international mit", so Marcel Machill, Leiter Medienpolitik der Bertelsmann Stiftung und stellvertretender Vorstandsvorsitzender von ICRA. "Das ist wichtig, damit eine Sogwirkung auch für kleinere Anbieter entsteht", betont Wolf Osthaus von Bitkom.

Doch die Initiative kommt nicht bei allen Website-Betreibern gleich gut an. "Bei Angeboten aus der Erotik-Szene wie Playboy und Hustler stießen wir auf große Kooperationsbereitschaft. Bei Neonazi-Sites war das allerdings ganz anders", berichtet Machill. Viele rechtsextreme Websites können durch die Index-Listen bei ICRA geblockt werden.

Bisher warnten die Verfechter der freien Informationskultur im Web bei Filtersoftware vor Zensur. Doch mit den individuellen Einstellungsmöglichkeiten des Filters ist dieser Vorwurf hinfällig. "Wir setzen auf Selbstregulierung statt Zensur", so Machill. Perfekten Schutz vor kinderpornografischen oder rechtsextremen Inhalten könne die Software jedoch nicht bieten. "Sperren kann man diese Inhalte nicht, deswegen unterstützen wir den ICRA-Filter als Beitrag zu einer funktionierenden Selbstregulierung", sagt Oliver Süme vom Verband der deutschen Internetwirtschaft.

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