Landesweit Demonstrationen - Gewerkschaften unterstützen Chirac
Widerstand gegen Le Pen wächst

In Frankreich wächst der Widerstand gegen den Rechtsextremisten Jean-Marie Le Pen. Landesweit gingen erneut mehr als 100 000 Menschen am Montagabend gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auf die Straße.

WiWo/ap/dpa PARIS. In Paris blockierten Demonstranten in der Nacht die Stadtautobahn, nahe dem Bastille-Platz errichteten Jugendliche eine Barrikade und steckten sie in Brand. Staatspräsident Jacques Chirac sagte nach dem Wahlerfolg Le Pens: "Frankreich ist verletzt." Der Neogaullist warnte, der Zusammenhalt der Nation und die Einheit der Republik stünden auf dem Spiel.

Chirac erhält immer breitere Unterstützung für die Stichwahl gegen Le Pen am 5. Mai. Die Gewerkschaft CFDT rief offen zur Stimmabgabe für den konservativen Politiker auf. Das Ergebnis für Le Pen müsse so niedrig wie möglich ausfallen, sagte CFDT-Chefin Nicole Notat der Zeitung "Libération" (Dienstagausgabe). Sogar die kommunistisch orientierte Gewerkschaft CGT hat an ihre Mitglieder appelliert, am 5. Mai gegen den Vorsitzenden der Nationalen Front zu stimmen. Sozialisten, die Kommunistische Partei, die Grünen und die bürgerliche Rechte haben klar zur Wahl Chiracs aufgerufen.

Derweil ging der Protest auf der Straße weiter. Vor allem junge Menschen demonstrierten in rund 30 Städten gegen Le Pen, der am Sonntag überraschend den sozialistischen Premierminister Lionel Jospin aus dem Rennen um die Präsidentschaft geworfen hatte. Sie skandierten: "Le Pen, Du hast verloren, die Jugend ist auf der Straße" oder "Frankreich, wach auf". Auf Plakaten stand: "Chirac, ich wähle Dich, aber ich mag Dich nicht". Allein in Paris versammelten sich rund 10 000 Demonstranten. Nach der friedlichen Kundgebung blockierten rund 2 000 bis 3 000 Menschen für eine halbe Stunde den Autobahnring, bis die Bereitschaftspolizei CRS einschritt. Für den Dienstagnachmittag war erneut eine Großdemonstration in Paris geplant.

USA zeigen sich besorgt

Die USA sind nach den Worten des demokratischen Spitzenpolitikers Tom Daschle nach dem Wahlerfolg des französischen Rechtsextremisten über einen wachsenden Antisemitismus in Europa besorgt. Der Erfolg Le Pens sei der jüngste Hinweis, dass der Antisemitismus in Europa zunehme. Der demokratische Mehrheitsführer im Senat rief die Politiker in Europa auf, gegen diese Entwicklung Maßnahmen zu ergreifen. Die US-Regierung hatte sich zuvor zurückhaltend geäußert.

Le Pen kündigte am Montag an, dass er im Falle seines Wahlsieges zuerst den Austritt Frankreichs aus der Europäischen Union erreichen wolle. Die Aufkündigung der Europäischen Verträge werde eines seiner ersten Entscheidungen sein, sagte Le Pen vor der Presse.

Le Pen ist seit Jahren ein entschiedener Gegner der EU. Durch die EU habe Frankreich seine Souveränität in der Geld- und Haushaltspolitik sowie der Sozial- und Industriepolitik eingebüßt, beklagte der Chef der Nationalen Front. Die "Euro-Globalisierung" ruiniere die französische Industrie, hatte Le Pen nach seinem Wahlerfolg kritisiert.

Jospin fehlten weniger als 200 000 Stimmen

Le Pen hat bei seinem Überraschungserfolg am Sonntag lediglich rund 234 000 Wähler gegenüber 1995 hinzugewonnen. Vor sieben Jahren reichten seine 4 570 838 Stimmen (15,0 %) nur zum vierten Platz. Mit 4 805 307 Stimmen distanzierte der Rechtsextremist dem vorläufigen amtlichen Endergebnis zufolge den Sozialisten Lionel Jospin um weniger als 200 000 Stimmen. Wegen der niedrigen Wahlbeteiligung kam Le Pen diesmal auf 16,9 %. Jospin verlor gegenüber der ersten Runde 1995 fast 2,5 Mill. Stimmen und bekam nur 16,2 %. Vor sieben Jahren hatte er den ersten Wahlgang mit 23,3 % gewonnen.

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