Landtagswahl in Bayern
CSU: 50 minus X

Die CSU läuft am Sonntag Gefahr, bei den Wahlen zum bayerischen Landtag ihre scheinbar gottgegebene absolute Mehrheit zu verlieren. Dass würde die Partei bis ins Mark treffen und darüber hinaus auch die Machtverhältnisse auf Bundesebene gehörig durcheinanderwirbeln.

DÜSSELDORF. Der "Pepperl" Baumgartner war?s, der der CSU den bisher blutigsten Nasenstüber verpasste. 1950 schickte der Bayernpartei-Chef stolze 39 Abgeordnete in den Landtag, während die CSU von zuvor 52,3 auf 27,4 Prozent einbrach. Diese wenig fulminanten Anfänge der bayerischen "Staats- und Ordnungspartei" sind nach 46 Jahren absoluter Mehrheit vergessen und verblasst. Oder doch nicht?

Die scheinbar gottgegebene absolute Mehrheit für die CSU - gesichert über die Jahre durch Männer wie Alfons Goppel, Franz Josef Strauß oder eben auch Edmund Stoiber - steht am Sonntag erstmals seit nahezu Menschengedenken zur Disposition. Umfragen sagen einen zweistelligen Stimmeneinbruch voraus. Ein politisches Erdbeben droht. Für die CSU geht es um eine Zeitenwende, für das glanzlose Gespann Erwin Huber/Günther Beckstein um den Kopf in beiderlei Gestalt, für Bundespräsident Horst Köhler um die Wiederwahl und für Kanzlerin Angela Merkel um die Stabilität der ins letzte Jahr gekrochenen Großen Koalition in Berlin.

Die CSU "liegt in meinen Augen auf dem Rücken und bietet den Hals", konstatiert fachmännisch waidgerecht der Vorsitzende der Freien Wähler (FW), Hubert Aiwanger. Vier von fünf der jüngsten Umfragen sehen die CSU unter die 50-Prozent-Marke fallen, wahrscheinlicher noch: hinunter bis auf 47 Prozent.

Dann aber würde die absolute Mehrheit im Landtag, die für so viele öde Parlamentsjahre sorgte, in Gefahr geraten. Dass Grüne, Freie Wähler und erstmals seit 1994 wieder die FDP den Einzug ins Münchener Maximilianeum schaffen, scheint sicher. Sollte auch die Linkspartei die Fünf-Prozent-Hürde überspringen, wäre die absolute Mehrheit der Sitze wohl dahin - und die CSU nicht mehr das inkarnierte Berge-Seen-Bayerngefühl, sondern auf einen Koalitionspartner angewiesen.

Die Linkspartei, ehedem so weit weg, könnte somit zum Ochsenziemer der CSU werden. Dass die Umfragen die Linken konstant bei vier Prozent sehen, heißt nicht viel. Die Meinungsforscher selbst fügen hinzu, dass die Partei auch in anderen Bundesländern vor der Wahl unter der Fünf-Prozent-Hürde lag und dann doch den Sprung schaffte.

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