Landtagswahlkampf eröffnet
Erstes Fernsehduell zwischen Teufel und Vogt in Baden-Württemberg

ap STUTTGART. Für Baden-Württemberg war es eine Premiere: Zum ersten Mal haben sich die Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am Donnerstagabend in Stuttgart ein 75 Minuten dauerndes Fernsehduell geliefert. Herausforderin und SPD-Landeschefin Ute Vogt traf im Südwestrundfunk auf Ministerpräsident Erwin Teufel. Eindeutige Sieger gab es nach Einschätzung von Beobachtern nicht.

Die 36-jährige Vogt traf als erste im Fernsehstudio ein. Ihren Kontrahenten sah sie erst wenige Minuten vor der Sendung: Teufel ging durch einen anderen Eingang in das Studio. Fünf Kameras sorgten für die richtigen Bilder. Von Rinderwahnsinn, Studiengebühren, Verkehrs- und Wirtschaftspolitik bis hin zur verlässlichen Halbtagsschule - die beiden Politiker ließen kein Thema in der Diskussion aus. Wer einen heftigen Schlagabtausch erwartete, wurde enttäuscht.

Sachliche Diskussion

Bei der Gesprächsrunde ging es betont sachlich zu. Nur manchmal wurde die fast steife Gesprächsatmosphäre etwas aufgelockert. Erst beim Thema Bildungspolitik wurde es dann spannend: Vogt beklagte wiederholt den Unterrichtsausfall an den Schulen und kündigte erneut an, die SPD wolle jährlich tausend neue Lehrerstellen schaffen. Doch der Ministerpräsident konterte und erklärte sogar, dass die CDU in den nächsten fünf Jahren 5 500 neue Pädagogen einstellen wolle. "Willkommen im Club", sagte der 61-Jährige zu seiner Herausforderin und setzte noch eins darauf: "Dort, wo der Hase SPD ankommt, sitzt der Igel CDU schon da". Vogt hatte stets betont, dass das Thema Bildungspolitik ihr Schwerpunkt im Landtagswahlkampf sein werde.

Ihre Motivation zu kandidieren: "Es reizt mich, diesem Land den entscheidenden Kick zu geben", sagte Vogt. Der Amtsinhaber meinte trocken, Jugend sei kein Verdienst, und Alter sei kein Verdienst. "Es hat mir unheimlich viel Spaß gemacht", sagte Teufel im Anschluss an die Fernsehdiskussion. Seine Kontrahentin Vogt hatte sich auf den Schlagabtausch mit Teufel zu Hause in Pforzheim vorbereitet. Die Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses nahm sich dafür extra einen Tag von ihren Verpflichtungen in Berlin frei. Sie will bei der Landtagswahl am 25. März 2001 mit ihrer Partei über 30 % der Stimmen holen. Beim letzten Urnengang im Jahr 1996 kamen die Sozialdemokraten nur auf 25,1 %, ihr bislang schlechtestes Ergebnis. Die CDU holte 41,3 % der Stimmen, die Grünen 12,1, die FDP 9,6 und die rechtsradikalen Republikaner 9,1 %.

Kritik von FDP und Grünen

Bei der FDP und den Grünen war das Fernsehduell zwischen Vogt und Teufel im Vorfeld auf Kritik gestoßen. Beide hatten eine Beteiligung ihrer Spitzenkandidaten Walter Döring und Dieter Salomon gefordert. Der Sprecher der Liberalen, Olaf Bentlage, meinte selbstbewusst: "Wenn die Baden-Württemberger zwischen dieser CDU und dieser SPD wählen müssen, dann werden sie sich für die FDP entscheiden." Die CDU regiert seit 1996 mit den Liberalen in einer Koalition in Stuttgart. Teufel ist seit 1991 Ministerpräsident und strebt eine dritte Amtszeit an.



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