Lang ersehnte Post aus Washington
Versöhnungssignal von Bush

Auf diese Post aus Washington hatte Berlin lange warten müssen. Erstmals seit den wochenlangen Verstimmungen zwischen Berlin und Washington wegen der Irak-Politik wandte sich US-Präsident George W. Bush mit einer persönlichen Botschaft an die Staatsspitze Deutschlands.

HB/dpa BERLIN. Zum Tag der Deutschen Einheit - eineinhalb Wochen nach der Bundestagswahl - sandte er nach langem Schweigen ein Versöhnungssignal nach Berlin. Adressat des eigenhändig unterzeichneten Briefs war undespräsident Johannes Rau. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) wartet indes weiter vergeblich auf Post oder einen Anruf aus Washington. Bush hatte dem Kanzler entgegen der Tradition auch nicht zur gewonnenen Bundestagswahl gratuliert.

Die Glückwünsche Bushs zum zwölften Jahrestag der Deutschen Einheit wurden in Berlin als "positives" und "ermutigendes" Signal gewertet. Dass Staats- und Regierungschefs der Bundesrepublik zum 3. Oktober ihre Glückwünsche nach Berlin übermitteln, hat Tradition. Registriert wurde in Berlin aber sehr wohl, dass der Brief Bushs länger als die üblichen wenigen Glückwunschzeilen war. Und es fiel auch der freundschaftliche und moderate Ton der Botschaft des Präsidenten auf.

In zwei Passagen würdigt der amerikanische Staatschef die engen und traditionellen Beziehungen zwischen Deutschen und Amerikanern, nicht nur auf der politischen Ebene, sondern auch auf der Ebene von Soldaten, Studenten und Geschäftsleuten. Bush betonte die gemeinsamen Werte und Ziele beider Völker. Für Deutsche wie für Amerikaner sei das Ende des Kommunismus und der Fall der Berliner Mauer "ein großer Erfolg gewesen". Kein Zufall war es auch, dass Rau in seiner Festrede zum 3. Oktober die Verdienste der USA um die Wiedervereinigung besonders hervorhob.

Die politische Führung Deutschlands demonstrierte am Tag der Deutschen Einheit auffallend stark die Verbundenheit mit Amerika. Bei einen Abendessen im vornehmen Hotel Adlon nahe dem Brandenburger Tor wollte auch Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) das Wort an den Ehrengast des Festtages, den früheren US-Präsidenten Bill Clinton richten.

Tenor der vorab verbreiteten Rede Strucks: "Die Amerikaner wissen, dass sie sich auf Deutschland verlassen können." Aber gemeinsame Werte und Interessen führten eben nicht automatisch zu identischen Antworten auf politische Fragen. Struck hatte sich kürzlich noch eine herbe Abfuhr von seinem US-Kollegen Donald Rumsfeld beim Nato-Treffen in Warschau geholt.

Nach der tief greifenden Entfremdung zwischen Berlin und Washington wird auf beiden Seiten der Weg für eine Wiederannäherung bereitet. Die USA ärgert die Ablehnung eines Militärintervention im Irak durch Schröder und noch stärker die Instrumentalisierung des Kriegsthemas im Wahlkampf. Persönlich gekränkt war Bush aber vor allem durch den angeblichen Vergleich seiner Politik mit Methoden Adolf Hitlers, den die scheidende Justizministerin Herta Däubler- Gmelin (SPD) angestellt haben soll.

Die Bundesregierung hat angekündigt, mit Geduld und Intensität daran zu arbeiten, die Irritationen auszuräumen. In der Sache Irak weicht sie aber keinen Millimeter von ihrem strikten Anti-Kriegskurs ab. Dennoch sollen die Beziehungen zu den USA möglichst bis Ende November wieder ins Lot gebracht werden. Denn dann werden sich Bush und Schröder beim Nato-Erweiterungsgipfel in Prag erstmals wieder offiziell begegnen. Und die Kameras der Welt sollen dann mehr einfangen als nur einen kühlen Händedruck.

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