Lange auf Medaillenkurs
Viererbob: Fußkranker Langen gibt auf

Der Traum vom dritten olympischen Gold war für Christoph Langen bereits zur "Halbzeit" der Viererbob-Entscheidung ausgeträumt. Die lädierte Plantarsehne unter der rechten Fußsohle hielt der Belastung beim zweiten Start nicht stand, Langen musste nach den ersten beiden Durchgängen aufgeben.

HB/sid PARK CITY. Der 39-Jährige erlitt einen Einriss der Plantarsehne. Das ergab eine Kernspintomographie am Freitagabend in der Klinik im Olympischen Dorf.

"Es geht nicht mehr, es tut mir leid für meine Mannschaft", sagte Langen, der sich schon seit Monaten mit dieser Verletzung herumplagt. Sogar das Karriereende des Zweier-Olympiasiegers ist nicht ausgeschlossen. Enttäuscht stellte Langen fest: "Ich spüre im Moment eine große Leere in mir. Mein Gold im Zweier ist für mich schon wieder ganz weit weg, denn ich wollte hier unbedingt zwei Medaillen holen."

Die Aufgabe habe absolut nichts mit seinem schwachen Auftreten in den ersten beiden Läufen zu tun, versicherte Langen: "Ich hatte mir wirklich noch Chancen ausgerechnet. Ich habe gewusst, was ich falsch gemacht habe, der Schlitten war nicht richtig eingestellt." Der Vierer-Olympiasieger von 1998 lag mit seiner Crew bereits 0,42 Sekunden hinter dem führenden US-Amerikaner Todd Hays zurück auf Rang sechs. Hays führte vor den zeitgleichen Andre Lange (Oberhof) und Martin Annen (Schweiz), die jeweils 0,09 Sekunden zurücklagen. Zum Team Langen gehören Markus Zimmermann, Franz Sagmeister und Stefan Barucha.

Rückschläge musste Langen schon früher verkraften: Die verpasste Qualifikation für die Olympischen Winterspiele 1994 und die schwere Verletzung vor der WM 1997 in St. Moritz stachelten den 39-Jährigen zu noch größerem Ehrgeiz an. Der Traum vom olympischen Gold ging für den gebürtigen Kölner erstmals vor vier Jahren in Erfüllung.

"Weltmeister gibt es wie Sand am Meer, aber Olympiasieger bist du ein Leben lang", lautet das Motto Langens. Bei seinen ersten Winterspielen 1988 war an Gold aber noch lange nicht zu denken: Drei Jahre nach seinem Wechsel aus dem Zehnkämpfer-Lager (über 7000 Punkte) landete er als Anschieber des Ohlstädter Piloten Toni Fischer auf Rang sieben.

Nach Fischers Abgang wechselte Langen 1990 an die Lenkseile. Die erste internationale Medaille fuhr er aber dann doch als Bremser ein: Wolfgang Hoppe verpflichtete 1991 den damals 28-Jährigen für die WM in Altenberg, gemeinsam siegten sie im Vierer.

Die Chancen für die Winterspiele 1992 standen wiederum schlecht, im gemeinsamen deutschen Team mangelte es nicht an Spitzenpiloten. Langen biss sich überraschend durch, Bronze im Zweier war der Lohn. Das Bemerkenswerte: Er steuerte einen Leihschlitten aus der Dresdner Flugzeugwerft, da zuvor bei der EM der Rahmen seines Gerätes gebrochen war.

1993 feierte Langen im kleinen Schlitten den ersten von inzwischen insgesamt sieben WM-Titeln als Pilot. Der erste Tiefschlag ließ aber nicht lange auf sich warten. Aufgrund großer Materialprobleme hatte er in den Ausscheidungsrennen gegen Hoppe keine Chance. "Ich stehe eigentlich eher am Anfang", meinte Langen damals. Er erteilte allen Spekulationen über einen frühen Abschied eine Absage und steckte noch mehr Geld in die Technik.

Die Mühen zahlten sich aus. Das Zweier-Gold gab es 1995 bei der WM und EM, 1996 räumte er bei EM und WM alle vier Siegerplaketten ab. Ende 1996 erlitt er einen Riss der Achillessehne, traurig stand er im Februar 1997 beim Championat mit Gipsbein an der Natureisbahn im Engadin. Die Experten schrieben ihn ab, er selbst schwor sich innerlich auf die Winterspiele in Nagano ein: "Ohne Olympiasieg trete ich nicht ab."

Mit großen Schmerzen und von Selbstzweifeln geplagt schaffte Langen trotzdem das Comeback. Bronze (Zweier) und Gold (Vierer) in Japan machten die Strapazen vergessen. Im Vorjahr sicherte er sich auch noch die 1997 verpassten WM-Medaillen. Als Doppel-Weltmeister von St. Moritz ging der Ausnahmeathlet in die Olympiasaison.

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