Lange Gesichter bei den Ameisen
Liquiditätsengpass war abzusehen

Schon im Juli, als Letsbuyit.com nach mehreren Verschiebungen, Herabsetzungen des Ausgabekurses und vergeblichen Anläufen den Gang an den Neuen Markt geschafft hatte, war absehbar, dass die Kapitalerhöhung nur einen Tropfen auf den heissen Stein darstellte. Der nächste Liquiditätsengpass war nur eine Frage der Zeit.

DÜSSELDORF. 1999 erwirtschaftete das Unternehmen bei 2,2 Mill. Euro Umsatz 24,4 Mill. Verlust. Auch im laufenden Jahr werden tiefrote Zahlen erwartet. Auf Jahressicht soll der Fehlbetrag sogar bei stolzen 116 Mill. Euro liegen. Die Betriebskosten für 14 Niederlassungen in Europa und die Marketingkosten zur Kundengewinnung rissen riesige Löcher in die Kasse. Für die folgenden Jahre sind ebenfalls Verluste im zweistelligen Millionenbereich vorgesehen.

Man musste kein Rechenkünstler sein, um festzustellen, dass der Emissionserlös von 58,45 Mill. Euro durch die beeindruckende "Cash-Burn-Rate" (die Geschwindigkeit, mit der die liquiden Mittel in einem Unternehmen durch Investitionen oder Kosten verbraucht werden), noch im laufenden Jahr aufgezehrt würde. Die nächste Kapitalerhöhung müsste spätestens Anfang 2001 frisches Kapital zur Verfügung stellen.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation an den Kapitalmärkten sowie dem Vertrauensverlust, der sich in der Kursentwicklung der Aktie wiederspiegelt, handelt es sich hierbei jedoch um eine fast unmögliche Option. Auch Rufe nach neuen Kreditgebern verhallten ungehört.

Das Unternehmen scheint sich in einer aussichtslosen Situation zu befinden. Die Lieferanten wollen nicht länger auf den Ausgleich ihrer Forderungen warten. Ein Treffen mit dem Insolvenzverwalter findet warscheinlich nächste Woche statt.

Georgios Kokologiannis ist Redakteur im Finanzteam des Handelsblatts, mit Sitz in Frankfurt am Main. Er studierte Betriebswirtschaftslehre in Düsseldorf mit Schwerpunkt auf Controlling und Marketingmanagement. Bereits während seiner Studienzeit wirkte der Diplom-Kaufmann erstmals an der Entwicklung des Handelsblatt-Onlineangebots mit. Seinen journalistischen Feinschliff erhielt der Kapitalmarktexperte an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Mit Geldanlage-Themen beschäftigt sich der Derivatespezialist für das Handelsblatt seit mehr als 17 Jahren. Dabei wurde er mit dem DDV-Preis für Wirtschaftsjournalisten ausgezeichnet und hat zuletzt vier Jahre lang das Musterportfolio der Redaktion verantwortet.
Georgios Kokologiannis
Handelsblatt / Finanzredakteur
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