Lange Leitung – große Wirkung
E-Business ist für den Mittelstand wichtig

Wer auf E-Business verzichtet, ist selber schuld. Speziell mittelständische Betriebe sollten jetzt nicht nachlassen, sich mit E-Business zu beschäftigen.

Die Euphorie um das Internet hat sich spürbar gelegt. Große Hoffnungen, über den virtuellen Vertriebsweg alle möglichen Geschäftsbeziehungen abwickeln zu können, sind der nüchternen Einschätzung gewichen, dass "Aufwand und Nutzen sich auch lohnen müssen", erklärt Reinhard Rauth, Leiter Organisation und Datenverarbeitung der Kettler GmbH in Ense Parsit im Sauerland.

Der europäische Marktführer für Spiel- und Sportgeräte legt keinen Wert darauf, "zu den ersten zu gehören, die jede neue Technologie einsetzen". Das mittelständische Unternehmen beobachtet die Möglichkeiten des Internets zwar sehr genau, will sich mit dem Aufbau virtueller Vertriebswege sowie der Abwicklung von Geschäftsprozessen mit Partnern und Kunden über dieses Medium jedoch noch Zeit lassen.

Kettler ist kein Einzelfall. Eine Befragung der Kasseler Tech Consult bei mittelständischen Unternehmen in Deutschland bestätigt die bisher zögerliche Haltung des Mittelstandes gegenüber dem Internet. Von den 1 054 befragten Mittelständlern nutzte lediglich jeder fünfte das Internet für geschäftliche Transaktionen. Marktforscher sagen dem Handel der Unternehmen über das Internet dennoch eine goldene Zukunft voraus: Liegt der Umsatz der Unternehmen in diesem Jahr noch bei 40 Mrd. Euro, versprechen Analysten von Goldmann Sachs, Berlecon und das Ifo-Institut für 2005 ein Volumen von satten 799 Mrd. Euro.

Die Marktforscher von Forrester Research gehen sogar davon aus , dass bereits in drei Jahren rund 40 % des gesamten B2B-Umsatzes elektronisch abgewickelt werden. Bernhard Bresonik, Leiter Marketing der Deutschen Telekom AG, sieht "nach einer Phase schwerer Enttäuschung in den nächsten zwei bis drei Jahren eine Bereinigung des Marktes auf der Anbieterseite". Stefan Exner, Geschäftsführer von Baan in Hannover, nennt als Grund für die bisherige Zurückhaltung "unter anderem die Bindung von Kapazitäten für andere, bisher dringlichere Aufgaben in den Unternehmen".

So war bis zu Beginn dieses Jahres die gut 15-köpfige DV-Abteilung von Kettler vor allem damit beschäftigt, die interne Datenverarbeitung zu überholen. Sie musste an eine offene Systemumgebung angepasst werden. Dabei hatte sich der Mittelständler für ein System von Baan entschieden, "das den Anforderungen von Kettler nach Mehrwährungsfähigkeit und Durchgängigkeit von der Produktion bis in die Buchhaltung am ehesten entspricht", erklärt IT-Leiter Rauth.

Auch die Firma Trox in der Nähe von Düsseldorf hat ihren Fokus bisher auf die Integration und Abwicklung interner Prozesse gesetzt. Erst vor kurzem ist die Entscheidung gefallen, den Einstieg in das E-Business zu wagen, um künftig die Beschaffung von Büromaterialien und anderen Massenartikeln über das Internet abzuwickeln. Das Familienunternehmen entwickelt und vertreibt seit 50 Jahren hochwertige Produkte und Systeme für die Lüftungs- und Klimatechnik. Zusätzlich zu Fertigungsstätten in Deutschland produziert Trox in eigenen Werken in Großbritannien, Italien, der Schweiz und Spanien sowie in Brasilien, Malaysia und Südafrika. 15 Tochtergesellschaften und weitere Verkaufsbüros und Auslandsvertretungen in allen Kontinenten sorgen von Abu Dhabi bis Zypern für bessere Luft, weniger Staub und verminderten Lärm.

Trox liegt im Trend: Immerhin planen nach Erhebungen der Kasseler Marktforscher mehr als 40 % aller mittelständischen Unternehmen bereits den Einstieg in das E-Business. Ihr Ansatz ist dabei wie bei Trox sehr stark an den Kosten ausgerichtet. Das Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen will mit einem E-Procurement-System über das Internet kostengünstiger und einfacher als bisher einkaufen.

Die vergleichsweise weniger wichtigen Bestellungen für quasi alltägliche Artikel binden bei der manuellen Abwicklung auf Grund ihres Volumens unverhältnismäßig viel Arbeitszeit. "Pfennigartikel wie Bleistifte, Radiergummis oder auch Hilfsmittel wie Arbeitshandschuhe verteuern sich über die Auftragsstellung und-abwicklung im Extremfall um das 200fache ihres Wertes", erläutert Dirk Reimann, Leiter Beschaffungsmarketing bei Trox, die Einsparpotenziale mit E-Procurement. So entfallen von jährlich insgesamt 16 000 Bestellungen bei Trox rund 12 800 auf die Kleinteile. Das Einkaufsvolumen dieser Bestellungen macht jedoch nur etwa 5 % des gesamten Bestellvolumens aus.

Künftig erhält jeder Mitarbeiter bei Trox ein eigenes Budget für die Beschaffung von z.B. Büromaterialien. Über das E-Procurement-System kann er dann an seinem PC den Bestellvorgang auslösen, ohne umständliche Genehmigungsverfahren durchlaufen zu müssen. Die Bestellung wird von einer E-Procurement-Lösung automatisch abgearbeitet und weitergeleitet.

Der bestellte Artikel wird schließlich direkt beim Mitarbeiter angeliefert. Über die Quittierfunktion teilt er dem System mit, dass eine Rechnung erstellt werden kann. Der Zugang zu den elektronischen Katalogen mit den neuesten Produkten und Preisen wird ebenfalls über das E-Procurement-System abgewickelt. Der Nutzen von E-Procurement ist für den Mittelständler heute schon absehbar. Langfristig ist deshalb geplant, E-Procurement auch auf andere Beschaffungsprozesse im Unternehmen auszudehnen, um die Wettbewerbsfähigkeit von Trox am Weltmarkt noch weiter zu verbessern.

Die Strategie der kleinen Schritte ist auch bei der Moeller Holding erfolgreich: Der Hersteller von Industrieschaltschränken und Hausleittechnik will bis zum Jahre 2004 die Beschaffungskosten um mindestens fünf Mill. Euro senken und im selben Zeitraum 50 % aller Serviceanfragen der Kunden über das Internet beantworten. Allein im Bereich Beschaffung von Büromaterial konnte das Unternehmen 2001 die Kosten um 17 % gegenüber dem Vorjahr einsparen.

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