Lange Präsenz in Afghanistan: Friedensdorf bringt Hoffnung für schwer kranke Kinder

Lange Präsenz in Afghanistan
Friedensdorf bringt Hoffnung für schwer kranke Kinder

Ein großes Metallgestell hält das Schienbein des kleinen Mohammed zusammen. Der Junge aus Afghanistan wird im oberpfälzischen Nabburg seit mehr als vier Monaten wegen einer Knochenentzündung behandelt. Eine bakterielle Infektion hat das linke Bein des Zehnjährigen angegriffen und den Knochen instabil werden lassen.

dpa NABBURG/OBERHAUSEN. Die Krankheit, die in Deutschland mit einer Operation ohne große Probleme therapiert werden konnte, hätte für Mohammed in seinem Heimatland dramatische Folgen haben können: Dort drohten ihm Knochenbrüche, eine Beinamputation, Herzbeschwerden - im schlimmsten Fall sogar der Tod, falls sich die Entzündung weiter im Körper des Jungen ausgebreitet hätte.

Die Hilfsorganisation Friedensdorf International aus der Ruhrgebietsstadt Oberhausen hat Mohammed deshalb aus Afghanistan nach Bayern geholt. Rund 1000 Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten im Alter bis zwölf Jahren bringt die Organisation pro Jahr mit Sonderflügen nach Europa. Außer Angola ist Afghanistan ein Schwerpunktgebiet für die Arbeit des Friedensdorfes. Mehr als 2000 Kinder wurden in den vergangenen 14 Jahren aus dem Staat geholt, der durch den Anti-Terror-Krieg der USA wieder weltweit in den Mittelpunkt des Interesses gerückt wurde. Erst im Dezember flog die Organisation 30 Kinder aus Afghanistan aus und brachte sie in Kliniken in Deutschland und Österreich unter.

"Die Kinder können in ihren Heimatländern nicht behandelt werden", sagt Eva Hofler vom Bamberger Koordinierungsbüro von Friedensdorf International. Häufig würden die Jungen und Mädchen unter Schuss- oder Minenverletzungen leiden, allerdings kämen auch zahlreiche andere Krankheiten vor, erklärt Hofler.

Mehrere 100 Kliniken in Deutschland und angrenzenden Ländern stellen für die verletzten Kinder Betten zur Verfügung. Die gesamte Behandlung muss kostenlos erfolgen, die Krankenhäuser subventionieren die medizinische Versorgung aus ihrem normalen Etat.

Nach Abschluss der meist langwierigen Behandlung kommen die Schüler ins Oberhausener Friedensdorf, wo stets bis zu 150 Kinder aus zahlreichen Nationen untergebracht sind. Dort treffen die kleinen Patienten wieder auf die Kinder, mit denen sie Monate zuvor nach Deutschland gekommen sind. Außerdem erfolgt in dem Friedensdorf die medizinische Rehabilitation und die Vorbereitung aus die Heimreise. "Das ist der Beginn des Rückweges in die Heimat", sagt Hofler.

Auch der kleine Mohammed, der durch einen Autounfall vor einem Jahr verletzt wurde, wird bald nach Oberhausen kommen. Voraussichtlich noch einige Wochen wird er in Nabburg versorgt. "Er gehört schon dazu und ist quasi unser Maskottchen geworden", sagen Mitarbeiter des Krankenhauses des Landkreises Schwandorf, das seit einem Jahrzehnt dem Friedensdorf Betten zur Verfügung stellt.

Der Junge wird mittlerweile vom Pflegepersonal mit zu privaten Feiern genommen und macht sich auf der Krankenstation nützlich. Schränke einräumen, Verbandsmaterial sortieren oder Proben ins Labor bringen - der Zehnjährige macht mit Begeisterung solche Tätigkeiten. "Er ist voll eingebunden und schon Bestandteil der Station", sagt der Arzt Simon Dobmeier über den kleinen Patienten.

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