Lange Schlangen bei Banken und Sparkassen
Euro-Kurs beflügelt

Das Euro-Bargeld erobert den Alltag: Kreditinstitute verzeichneten eine enorme Nachfrage ihrer Kunden. Der Einzelhandel reagiert mit einem Preiskampf auf die neue Währung.

fs/nw/mak/rv FRANKFURT/M. Das neue Euro-Bargeld hat für unerwartete Belebung auf den Devisenmärkten und im Einzelhandel gesorgt. Der Euro-Kurs stieg im Tagesverlauf von knapp 0,89 um gut ein Prozent in der Spitze auf 0,906 US-Dollar. Führende Lebensmittelketten läuteten eine Preissenkungsrunde ein. Die Europäische Zentralbank (EZB) teilte mit, die Nachfrage nach dem neuen Bargeld sei sehr groß. Das bestätigten Banken und Sparkassen, in denen sich teilweise lange Schlangen von Kunden bildeten, die ihre gesamten D-Mark-Bestände in Euro umtauschen wollten. Die Umstellung, so die EZB, laufe "besser als erwartet". Die zwölf Notenbanken des Euro-Systems hätten bereits Banknoten im Wert von 134 Mrd. Euro ausgegeben. Das entspricht etwa der Hälfte des gesamten Bargeldumlaufs Ende 2001.

Devisenhändler und Analysten in Frankfurt und London nannten einen "psychologischen Schub" durch den reibungslos verlaufenden Währungstausch als Grund für den Kursanstieg des Euros. Zudem habe es eine technische Korrektur gegeben, nachdem der Euro in den letzten Dezembertagen unter 0,88 US-Dollar gefallen war.

Die Bargeld-Euphorie werde den Euro allerdings nur kurzzeitig beflügeln, denn ökonomisch gebe es keinen kausalen Zusammenhang zwischen der Euro-Bargeldeinführung und einem Anstieg des Währungskurses, betonte etwa Thorsten Polleit von Barclays Capital. "Es gibt keine substanziellen Auswirkungen auf die Wechselkursrelationen", sagte er. "Ende Dezember schlug sich die Unsicherheit, ob der Bargeldtausch funktioniert, auch im Euro-Kurs nieder. Dieser psychologische Effekt gleicht sich jetzt aus. Fundamental gibt es keinen Grund für den Euro-Anstieg", meinte Steven Englander, Devisenstratege der Citigroup in London.

Neil MacKinnon, Währungsexperte bei Merrill Lynch, erwartet, dass "die wirkliche Herausforderung des Euros erst noch kommt". Es sei wichtig, dass der Euro eine dauerhafte Rally hinlege. In einer Handelsblatt-Umfrage unter 37 Banken hatten Analysten einen Euro-Stand zum Jahresende 2002 von im Schnitt 0,95 US-Dollar prognostiziert.

Nicht nur an den Devisenmärkten, auch im Handel kam das neue Bargeld gestern gut an. Führende Lebensmittelketten haben die Umstellung zu deutlichen Preissenkungen genutzt. In ganzseitigen Zeitungsanzeigen kündigten Aldi, Lidl und die Tengelmann-Tochter Plus Preisabschläge zum Teil über komplette Sortimente an. Die Discounter begegneten damit der weit verbreiteten Angst in der Bevölkerung, der Euro werde Preiserhöhungen provozieren. In der Anzeige des Marktführers Aldi hieß es: "Größte Preissenkung aller Zeiten." "Lidl ist billig und mit dem Euro jetzt billiger", setzte der süddeutsche Lebensmitteldiscounter Lidl dagegen. Allen drei geht es bei der neuerlichen Aktion vor allem um das Setzen von neuen Schwellenpreisen. Vertreter des Einzelhandels teilten mit, der erste Euro-Tag sei ansonsten weitgehend reibungslos verlaufen.

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