Lange Wartezeiten an den Geldautomaten
Problemloser Euro-Start in Deutschland

In Deutschland ist die Umstellung von der D-Mark auf den Euro in der Neujahrsnacht nach Angaben von Banken und Einzelhändlern weitgehend reibungslos angelaufen. Praktisch alle Kunden seien nach der langen Wartezeit neugierig auf die neue Währung und akzeptierten den Euro als Wechselgeld, sagten Einzelhändler am Frankfurter Hauptbahnhof am Neujahrstag.

rtr FRANKFURT/BERLIN. Bereits in der Nacht hatten sich bundesweit hunderttausende Menschen an Bankautomaten angestellt, um die neuen Geldscheine erstmals in Händen zu halten. In Frankfurt und Berlin hätten Mitarbeiter am Neujahrsmorgen an einigen Geldautomaten bereits Euro-Noten nachgefüllt, hieß es. In den meisten Geschäften und Restaurants kann noch bis Februar mit der Mark bezahlt werden. Das Kassieren dauere durch die Umstellung auf die neue Währung etwas länger, die meisten Kunden hätten dafür jedoch Verständnis, sagte ein Händler am Frankfurter Hauptbahnhof. Praktisch alle Kunden zahlten noch mit Mark und erhielten dann Euro als Wechselgeld. Nur einige wenige Käufer hätten sich geweigert, das neue Geld anzunehmen. Auch ein Taxi-Fahrer sagte, es gebe keine Probleme mit der Umstellung auf den Euro. Er akzeptiere beide Währungen. Zigaretten-Automaten funktionierten ebenfalls bereits mit Euro-Münzen. Auch die Deutsche Bahn hat sämtliche Fahrkartenautomaten für den Fernverkehr und die Hälfte der Automaten im Nahverkehr bereits umgerüstet.

"Rund ein Drittel der Kunden hat bereits Euros, der Rest zahlt in Mark. Bislang läuft es ganz gut", sagte Monika Thate von einer Buchhandlung im Berliner Bahnhof Friedrichstraße. Sie habe sich mit genügend Euro eingedeckt. "Wir geben auch auf 100-Mark-Scheine Wechselgeld in Euro heraus". Ihre Kasse habe sie ausnahmsweise mit zwei Mitarbeiterinnen besetzt, das Gerät sei auf zwei Währungen ausgelegt: ein Knopf müsse gedrückt werden, wenn in Euro gezahlt wird, ein anderer für Mark. Wahrscheinlich würden die Kunden jedoch recht schnell nur noch mit Euro bezahlen, bis Ende Februar wolle sie daher die aufwendige doppelte Kassenführung nicht beibehalten.

Bereits in der Nacht hatten sich bundesweit hunderttausende Bürger bei klirrender Kälte an Geldautomaten mit den neuen Euro-Scheinen eingedeckt. Die Ausgabe lief nach Angaben von Banken und Sparkassen ohne nennenswerte Störungen an. "Vor allem in Großstädten wird schon viel Geld abgehoben", sagte der Euro-Experte der Sparkassen, Reinhold Rickes. Allein in Berlin hätten in der halben Stunde nach Mitternacht mehr als 200 000 Menschen Geld abgehoben, sagte ein Sprecher der Sparkasse. In Berlin und Frankfurt seien die ersten Geldautomaten am Neujahrsmorgen bereits mit Euro-Scheinen nachbefüllt worden. Die Stimmung vor den Bankautomaten war meist gut, viele Menschen kamen direkt von den Silvester-Feiern und brachten Sekt und heißen Tee in Thermos-Flaschen mit zur Bank. Ihr erster Eindruck von der neuen Währung war unterschiedlich: "Es sieht ein bisschen aus wie Spielgeld", war zu hören. Viele bezeichneten die neue Währung noch als unwirklich. Auch am Neujahrstag kamen zahlreiche Menschen in die Bankfilialen, um Euro abzuheben oder Mark in Euro zu tauschen. "Es ist richtig viel los", sagte ein Mitarbeiter. Bei einer Bank am Frankfurter Flughafen fragten Reisende noch nach Mark, erhielten dann von einem Schalterbeamten jedoch nur Euro - und einige Erklärungen.

In Geschäften oder Restaurants kann noch bis Ende Februar in Mark bezahlt werden. Die Bundesbank erwartet aber, dass die Mark, die 1948 in einer Währungsreform eingeführt worden war und als Symbol für das deutsche Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit gilt, schon in zwei Wochen aus den Geldbeuteln verschwunden ist.

In Berlin, wo sich rund 1,2 Mill. Menschen zu einer Silvester-Feier versammelt hatten, tauschte Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) um Mitternacht 200 DM bei Dresdner-Bank-Chef Bernd Fahrholz ein und erhielt dafür gut 102 ?. Vor dem Hochhaus der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt feierten tausende Menschen die Einführung der neuen Währung. Künstler nutzten einen 100 Meter hohen Hochhaus-Rohbau als Bühne für eine kulturelle Reise durch alle zwölf Euro-Länder. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sagte den Bundesbürgern mit dem Euro eine noch bessere Zeit als mit der Mark voraus. "Wir verbinden mit der Mark die Erinnerung an gute alte Zeiten in der Bundesrepublik. Aber Sie können sicher sein: noch bessere stehen bevor", sagte Schröder in seiner Neujahrsansprache. Bundesbank-Präsident Ernst Welteke erwartet von der neuen Gemeinschaftswährung zusätzliche Wachstumsschübe für die Wirtschaft. "Und so wird auch der Euro dazu beitragen, dass das Bruttoinlandsprodukt wächst", sagte Welteke am Sonntag in einem ARD-Fernsehinterview.

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