Lange Zeit als Hoffnungswert gehandelt
Viele Fragezeichen hinter Mobilcom-Zukunft

Als eine der ersten Neue-Markt-Aktien dienten die Titel der Mobilcom lange Zeit als Hoffnungswert. Die negative Entwicklung der gesamten Telekommunikationsbranche machte auch vor dem Konzern nicht halt. Analysten sehen durch den Erwerb der UMTS-Lizenz eher einen Schaden als einen Nutzen.

DÜSSELDORF. Die Kursentwicklung der Telekommunikations-Werte gleicht einem Trauerspiel. Die Kurse purzeln in den Keller und verunsichern selbst den geduldigsten Anleger. Doch es kommt noch dicker: Der "Spiegel" veröffentlichte eine McKinsey-Studie, derzufolge den Telefonkonzernen durch die UMTS-Technik Verluste in Milliardenhöhe drohen. McKinsey wollte auf Anfrage des Handelsblatts die Inhalte des "Spiegel"-Berichtes weder bestätigen noch kommentieren.

Die McKinsey-Experten beziehen sich dem Magazinbericht zufolge darauf, dass ein gewaltiges Umsatzwachstum in einem gesättigten Markt den Telefonriesen Probleme bereiten könne. Die Einnahmen müssten hierfür deutlich steigen - doch dieses kann niemand vorhersagen. Die Bewertung für Konzerne wie E-Plus, Viag Interkom und Mobilcom sei daher "kritisch" und "hoch kritisch".

Dieser Tendenz stimmen auch einige Analysten zu. Joachim Koller von Merck Finck & Co aus München, stuft Mobilcom als "Hold" ein, er sieht Kurspotenzial von plus 30 % auf sechs Monate. Insgesamt sei er aber der Aktie skeptisch gegenüber eingestellt. Was dem Analysten fehle sei eine klare UMTS-Strategie. Seiner Ansicht nach müsse dem Kunden mehr geboten werden, als nur die Möglichkeit, Sprache und Daten zu übertragen. "Content ist alles", sagt Koller, der das Fehlen eines mobilen Portal beklagt.

Lichtblick sei die endgültige Inbetriebnahme des UMTS-Netzes

Der einzige Lichtblick am Ende des Tunnels sei in der endgültigen Inbetriebnahme des UMTS-Netzes zu sehen. Momentan gebe der Konzern von jeder Mark, die er vom Kunden erhält, 73 Pfennige an den eigentlichen Netzbetreiber ab. Nur 27 Pfennige gingen in die eigene Tasche. Bei Inbetriebnahme des eigenen Netzes könne der Konzern 100 % der Gebühren für sich beanspruchen. Derzeit würde der Analyst aber einen Einstieg nicht empfehlen.

Hans Huff von der Bankgesellschaft Berlin schätzt die UMTS-Belastungen als " sehr hoch" ein, und bewertet die Titel derzeit als "Sektor underperformer" ("Halten" bei positiver Sektoreinschätzung). Seiner Ansicht nach wird "es noch einige Zeit dauern, bis das Unternehmen wieder schwarze Zahlen schreiben wird". Hinter der Zukunft des Telekommunikationsriesen stehen in Bezug auf die Höhe der UMTS-Erträge noch "sehr viele Fragezeichen". Gerade für Anleger, die innerhalb von zwei oder drei Jahren auf einen Break-even spekulieren, sei diese Situation nur schwer nachzuvollziehen.

Viele der Analystenkollegen sehen es ähnlich: Laut einer Auswertung von Urteilen auf Zwölfmonatsbasis, die der Informationsdienst Bloomberg erfasst hat, bewerten 8 von 33 Analysten die Titel mit einem negativen Urteil wie "Verkaufen" oder "Reduzieren", 16 raten zum Kauf der Aktie. Die aktuellsten Bewertungen zeigen jedoch eine negative Entwicklung.

Heute sind die Kurse im Keller

Noch vor einem Jahr herrschte großer Optimismus, heute sind die Kurse im Keller. Auch die Mobilcom-Aktie ging auf Talfahrt. Aktuell liegt der Wert der Aktie bei 17,30 Euro, deutlich unter dem Höchststand (170,20 Euro) allerdings nicht weit genug entfernt vom Tiefstand (16,80 Euro).

"Das Unternehmen ist momentan günstiger bewertet als eine UMTS-Lizenz", sagt Nils Machemehl von der Hamburger Vereins Westbank, -und der sein Urteil mit der "sehr angespannten Finanzlage" begründet. Der Analyst stuft die Aktie des Handy-Giganten mit "neutral" ein. Für ihn seien die Mobilcom-Titel zum heutigen Zeitpunkt ein "Zockerwert". "Es gibt jedoch ein großes Aber", sagt der Analyst. Dieses bestehe in der möglichen Wahrnehmung einer Option der France Télécom-Tochter Orange. Ab dem Jahr 2003 kann France Télécom danach ihren Anteil an Mobilcom erhöhen. Dies könnte dem Papier Phantasie verleihen.

"Reduzieren"- So lautet hingegen die knappe Antwort von Ilona Hasselbring von der Berenberg Bank, Hamburg, bezüglich ihrer Einstufung der Mobilcom-Titel. "Der Konzern ist überschuldet", sagt sie und weißt daraufhin, dass sie derzeit keinen Grund erkenne von ihrer langfristigen Bewertung abzuweichen. "Das Unternehmen war bei der UMTS-Vergabe deutlich zu klein", begründet die Analystin die heutige finanzielle Lage des Konzerns. Ihre negative Bewertung von Mobilcom hält sie bereits seit längeren aufrecht. Eine Änderung des Ratings käme nur dann in Frage, wenn sich die Nachrichtenlage grundlegend verbessere - und dies sei nicht in Sicht.

Einig sind sich die Analysten darüber, dass die Zukunft des Telekommunikations-Unternehmens eng mit den Reaktionen der France Télécom verbunden ist. Dabei vermochten sie nicht zu sagen, in welche Richtung sich die Situation entwickeln wird. Ein genereller Marktaufschwung der Telekommunikationsbranche würde auch der Mobilcom Auftrieb geben. "Allerdings in einem geringerem Ausmaß", so Joachim Koller von Merck Finck & Co.

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