Langeweile am deutschen Aktienmarkt
Dax-Ausblick: "Patient“ Dax wartet auf Besserung

Müde Stimmung an der Börse. Die Anleger und Unternehmen sind enttäuscht. Die Analysten sehen auch für die kommende Woche keine Besserung. Die Bankgesellschaft Berlin hat bereits ihre Spanne für den Dax von 6400 – 7000 Punkte um 200 Punkte nach unten korrigiert.

"Was fehlt, ist eindeutig eine Initialzündung an der Börse", so Dirk Guber von HSBC Trinkaus & Burkardt, Düsseldorf. "Man könnte sagen: Der Dax hat eine Grippe. Und wenn der Patient noch mehr Bakterien bekommt, muss er weiterhin im Bett bleiben", beschreibt der Analyst die derzeitige Situation. Doch ganz schwarz malen will Guber nun nicht. "Es gibt auch positive Signale". Dabei führt er die Investmentfonds an, welche die zurzeit höchste Liquiditätsquote seit zwei Jahren aufweisen. "Es fehlt einfach ein Auslöser", seufzt er. Denn wenn die Fonds die Mittel an der Börse einsetzen, würde das einen gewaltigen Aufschwung auslösen.

Die Entscheidung der US-Präsidentschaftswahl könne den Markt nur kurzfristig beflügeln. Doch an ein schnelles Ende der Wahl mag er nicht recht glauben. Skeptisch haben ihn auch Gewinnwarnungen einiger US-Unternehmen gemacht, "besonders die Zahlen von Gateway wirkten sich nachhaltig sehr negativ auf den amerikanischen PC-Sektor aus", so Guber. Der Computerhersteller hatte gewarnt, die Prognosen für das vierte Quartal nicht erfüllen zu können. Anschließend verlor die Aktie über 35%.

Richtungslosigkeit auch in den Aussagen der Analysten

Die Tendenz des Marktes sei im Moment sehr schwer zu beurteilen, findet Guber, der sich auch bei einer Dax-Punkte-Spanne für die kommende Woche nicht festlegen möchte. "Fest steht, dass das untere Limit bei 6380 Punkten liegen wird. Die Spanne wird mit Sicherheit nicht über 6700 Punkte hinaus gehen, so der Analyst. Die Beurteilung fällt dem Analysten deshalb schwer, weil "der Markt auch in der kommenden Woche nicht durch Termine getrieben, sondern vieles psychologisch ablaufen wird", urteilt er. Seinem Statement verleit er dadurch Ausdruck, dass er gerade die in der letzten Woche angefallenden Einzelmeldungen als Auslöser für die Dax-Schwankungen anführt. "Der Markt steht insgesamt unter Druck", so Guber. Auch für den in der letzten Zeit angeschlagenen Technologie-Bereich sieht er in der nächsten Woche keine Aufwärtstendenz.

Für Kleinanleger empfiehlt er einige Favoriten aus dem Versicherungsbereich. "In diesem Sektor gibt es zwei Wachstumstreiber", so Guber. "Zum einen profitieren die Versicherungen von der aktuellen Rentendiskussion und von der Steuerreform". Sehr interessant sind aus seiner Sicht die Aktien der Allianz AG und des Schweizer Unternehmens Zürich Financial Services. Besonders von dem Schweizer Unternehmen ist der Analyst begeistert, schließlich besteche die Versicherung durch ihre klare Unternehmensstruktur, sowie durch ihre gute Positionierung in der USA, Deutschland und im Heimatland Schweiz. "Die seit einigen Wochen eröffnete Internetplattform reduziert die Kosten", außerdem sei die Aktie mit 936 sfr sehr günstig bewertet, stellt Guber fest.

Defensiv-Verhalten überall

Markus Reinwand von Helaba Trust schenkt der Veröffentlichung der amerikanischen Konjunkturdaten am Freitag der nächsten Woche besondere Beachtung. Die 6450 Punkte des Dax am Freitag Mittag scheinen ihm sehr fragwürdig. "Die Tragfähigkeit dieser Punktzahl muss unter Beweis gestellt werden", so der Aktien-Stratege. Die wechselhaften Unternehmensnachrichten sorgen auch aus seiner Sicht für eine große Unsicherheit und für ein wachsendes Risiko. Auch ist er sich sicher, dass es auch gegen Ende des Jahres keine Rallye geben wird.

Im neuen Jahr soll es dagegen wieder aufwärts gehen, verspricht der Analyst. "Im ersten Quartal wird sich der Markt entspannen", so Reinwand. "Es wird keine Flut von IPO´s geben, die den Markt belasten. Zurzeit setzt Helaba Trust ebenfalls eher auf die Defensive. "Bei der momentanen unsicheren Lage warnen wir eindeutig vor einem Neuengagement", so Reinwand. Versorgertitel, sowie einige Versicherungs- und Handelsaktien seien jedoch interessant.

Die Bankgesellschaft Berlin hat bereits ihre Jahresrange von 6400 - 7000 Punkte um 200 Punkte nach unten korrigiert, so Analyst Karl-Heinz Homburg. Dafür behalte diese Angabe nun ihre Gültigkeit bis zum Ende des Jahres. Zum Kauf empfiehlt die Bankgesellschaft Berlin folgende Titel: Adidas-Salomon, Alcatel, Bayer, Epcos, BBVA, BNT, France Telekom, Lufthansa, Philipps und Vivendi.

Besonderes Augenmerk schenkt der Analyst der Lufthansa-Aktie. Durch eine sehr gute Marktpositionierung und durch eine "hervorragende Preis- und Einkaufspolitik" sei diese Aktie zum "Kauf" empfohlen worden, so Homburg.

Der Absturz der Technologie-Titel sei für ihn keine Überraschung gewesen, schließlich seien die Wert dieses Sektors "zu hoch bewertet worden". Auch die hohen Wachstumserwartungen schlagen sich nun nieder, da einige Unternehmen mit ihrem Kapital Probleme haben.

"SAP ist nichts für schwache Nerven"

Für Karl-Dietrich Gräf von der Commerzbank Frankfurt, muss in den folgenden Wochen ein besonderes Augenmerk auf Ereignisse aus den USA gerichtet werden. Die "Abhängigkeit von der Wall Street" und die Gewinnwarnungen einiger Unternehmen, darunter Gateway, sorgten bei dem Analysten für Kopfzerbrechen. "Man weiss nicht so recht, was in den USA passiert", so Gräf. "Es lässt sich zurzeit noch nicht einmal erkennen, wie es Ende des Jahres aussehen wird." Folglich fällt ihm eine Beurteilung der kommenden Börsenwoche schwer, wobei er dennoch die erste Wochenhälfte als freundlich und die zweite eher belastend sieht.

Auch die Vorstellung der Neunmonatszahlen von Eon werden sich nicht großartig auf den deutschen Markt auswirken, ist er sich sicher. "Die Energieversorger profitieren von ihrer defensiven Anlagestrategie", so Gräf.

Der Technologie-Sektor bereitet ihm allerdings Sorgen. "Dort ist der Boden noch nicht erreicht", sagt Gräf. In den letzten 10 Jahren hat dieser Bereich eine konstante Aufwärtstendenz erlebt, nun geht es zum ersten Mal abwärts. Das ist neu für alle!". Kennzeichnend führt auch er das Beispiel des US-PC-Herstellers Gateway an.

Für Anleger mit "nicht zu schwachen Nerven", sei ein Engagement beim Softwarehaus SAP durchaus reizvoll. Weniger Nervenanspannung benötige man seiner Ansicht nach beim Kauf der Siemens Aktie. "Die ist immer einen Kauf wert", so Gräf. "Wir verfolgen momentan eine eher defensive Anlage", so der Experte. "Anleger sollen demnach aus unserer Sicht nur zu ausgewählten Titeln greifen". Er empfiehlt die Aktie von Degussa-Hüls und MG Technologie.

Die strategischen Empfehlungen der Hessischen Landesbank für die Dax-30-Werte im Überblick:

Hessische Landesbank

 Gewinn je Aktie 00eGewinn je Aktie 01eEmpfehlungDatum Empfehlung

Adidas

-Salomon
4,24,8Kaufen03.11.00

Allianz

11,714,9Halten18.09.00

BASF

2,23,1Kaufen10.11.00

Bayer

2,83,1Halten21.11.00

BMW

1,92,8Halten01.08.00

Commerzbank

3,12,4Halten20.11.00
Daimler-Chrysler4,65,2Halten28.07.00

Deutsche Bank

8,08,5Halten28.11.00
Degussa-Hüls2,32,9Halten16.11.00
Dresdner Bank1,72,5Halten09.11.00
Deutsche Telekom0,050,14Kaufen23.10.00

Eon

3,23,4Halten06.09.00

Epcos

3,34,0Halten04.08.00

Fresenius Medical Care

2,53,0Halten10.11.00

Henkel

Vz.
3,13,5Halten (Kaufen)14.11.00

Hypo

-Vereinsbank
2,43,2Halten25.07.00

Infineon

2,262,56Halten (Kaufen)08.11.00

Karstadt

-Quelle
1,22,1Kaufen24.10.00

Lufthansa

1,61,8Kaufen28.08.00

Linde

2,42,7Halten28.08.00

MAN

2,52,6Halten19.10.00

Metro

1,11,3Kaufen10.10.00
Münchner Rück.6,58,6Kaufen22.09.00
Preussag1,92,1Verkaufen19.10.00

RWE

2,22,4Kaufen31.05.00

SAP

Vz.
2,22,8Kaufen19.06.00

Schering

1,82,2Halten03.11.00

Siemens

6,66,8Halten17.11.00

Thyssen

-Krupp
0,91,3Halten15.11.00

Volkswagen

4,65,9Kaufen30.10.00
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