Langfristig auch weniger Arbeitslose
Prognos: Industrie geht gestärkt aus der Krise

Die deutsche Industrie wird langfristig gestärkt aus der aktuellen Wirtschaftskrise hervorgehen und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit weiter steigern. Die Kraftanstrengung vollzieht sich allerdings über noch stärkere Rationalisierung zu Lasten der Beschäftigung. Dies geht aus dem "Deutschland Report 2002 - 2020" des Baseler Instituts Prognos hervor.

HB/dpa FRANKFURT. Für 2010 sagen die renommierten Prognoseforscher immer noch 3,5 Mill. Arbeitslose voraus. Erst längerfristig zeichne sich eine Besserung ab. "Trotzdem werden auch 2020 noch deutlich über 2,5 Mill. Arbeitslose gemeldet sein". Neben strukturellen Ursachen spiele vor allem eine ungenügende Qualifikation der Erwerbslosen eine Rolle. Die erhoffte Halbierung der Arbeitslosigkeit durch die Vorschläge der Hartzkommission hält Prognos für "nicht möglich".

Für den gesamten Zeitraum bis 2020 rechnet Prognos mit einem durchschnittlichen Wachstum von 1,9 % jährlich. Dabei werde vor allem die Exportwirtschaft von einer deutlich höheren Zunahme des Welthandels profitieren, der im Schnitt mit 4,5 % im Jahr veranschlagt wird, sagte Wirtschafts-Experte Michael Schlesinger am Dienstagabend in Frankfurt. "In Deutschland ist das technologische Potenzial vorhanden, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen." Innovationsfreundliche Strukturen vorausgesetzt, könne eine zügige Umsetzung technischer Neuerungen in Produkte und Produktionsprozesse erfolgen. Begünstigt werde das Investitionsklima durch niedrige Zinsen und eine insgesamt mäßige Lohnentwicklung.

Innerhalb der deutschen Volkswirtschaft wird es allerdings zu erhebliche Verschiebungen kommen. Vor allem auf Grund des zunehmenden Anteils älterer Menschen dürften die Sektoren Freizeit, Gesundheit und Sicherheit überproportional zulegen. Der Spezialmaschinenbau, die Autoindustrie, Sportartikel sowie die Pharmaindustrie könnten sich behaupten. Dagegen werden nach der Studie die Sparten Textil- und Bekleidung, Bergbau, Land- und Forstwirtschaft sowie die Nahrungsmittelindustrie wegen der Bevölkerungsentwicklung zu den Verlierern zählen. Insgesamt werde sich der Konsum - inklusive Preissteigerung - verdoppeln.

Bei der Gesamtbevölkerung sehen die Baseler allerdings keine dramatischen Veränderungen. Zwar werde die Zahl der Menschen hier zu Lande von derzeit 82 auf 77 Mill. abnehmen, die Zuwanderung schließe allerdings die entstehende Lücke bis 2020 wieder auf etwa 81 Mill.. Jedoch werde der Altersquotient - das Verhältnis der über 65-Jährigen zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 64 Jahren - von derzeit 27 auf 37 % zunehmen. Der Rückgang des Arbeitskräftepotenzials werde zu einem verschärften Wettbewerb um jüngere Arbeitnehmer führen. Gedämpft werde der Effekt auch durch eine steigende Erwerbsbereitschaft von Frauen und Älteren.

Aus all diesen Faktoren sieht Prognos auch deutliche Veränderung der regionalen Wirtschaftskraft auf die Bundesrepublik zukommen. An der Spitze des Wachstumsprozesses stehe Hessen auf Grund der technologischen Potenziale und qualifizierter Arbeitskräfte. Über dem Bundesdurchschnitt dürften auch Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen und Thüringen liegen.

Gesamtwirtschaftlich weise der Standort Ostdeutschland aber nicht genügend Vorteile gegenüber dem Westen auf, um ein deutlich stärkeres Wirtschaftswachstum zu erreichen. Die anhaltende Abwanderung in den Westen und die geringe Attraktivität der neuen Bundesländer für die Einwanderer werde den Aufholprozess auch in den nächsten Jahrzehnten belasten.

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