Langfristig gute Aussichten
Sommer: Telekom verkraftet den Kurssturz leicht

Der Chef der Deutschen Telekom hält sein Unternehmen für unterbewertet - die T-Aktie hängt derzeit unter 40 Euro fest. Die Führungskrise bei T-Online erfasst die zweite Ebene. Die Expansion im Mobilfunk kostet Milliarden. Telekom-Chef Ron Sommer hält die Kurs-Turbulenzen jedoch für vorübergehend. "Wir arbeiten nicht für den Tagesspekulanten", sagt er.

HB BERLIN. Ron Sommers Vorstandsetage in der Telekom-Hauptstadtrepräsentanz riecht noch leicht nach frischer Farbe. Das älteste Fernmeldeamt Deutschlands nahe dem Berliner Gendarmenmarkt hat seinen Totalumbau hinter sich. Anders als das historische Gemäuer ist jedoch der Konzern Deutsche Telekom eine Dauerbaustelle. Mit Blick auf den Kurs der Aktie, der seit Wochen im Keller festhängt, betont der Telekom-Chef die langfristig guten Aussichten seines Unternehmens. "Auf das laufende Geschäft hat der Kurs keinen Einfluss", sagt Sommer im Handelsblatt-Gespräch. Die anhaltende Flaute bei allen Telekommunikationswerten hält er für die logische Konsequenz der "Luftblasen-Börse" von Anfang des Jahres. "Überzogene Euphorie schlägt dann in eine überzogene Enttäuschung um", so Sommer.

Telekom mit "tragfähiger Strategie"



Erst in schlechten Zeiten zeige sich, welches Unternehmen eine tragfähige Strategie habe. "Wohl wissend, dass die guten Zeiten an der Börse nicht ewig anhalten, haben wir parallel zum Börsengang im Juli einen globalen Bond über 15 Milliarden Dollar aufgelegt", so Sommer. Anders als andere Unternehmen - etwa die niederländische KPN und British Telecom (BT) - habe die Telekom sämtliche Zukäufe und die Kosten der UMTS-Lizenzen voll durchfinanziert. Deshalb habe er auch keine Eile, die Mobilfunksparte T International-Mobile an die Börse zu bringen. "Wir machen den Börsengang dann, wenn es passt", so Sommer. Das könnte etwa ab dem zweiten Quartal 2001 der Fall sein - entschieden sei über den Zeitpunkt aber noch nicht.

Kompetenzerweiterung der T-Onlinespitze steht im Vordergrund



Nach der Einkaufsphase des vergangenen Jahres steht nach Aussage Sommers bei der Telekom jetzt die Integration der neuen Gesellschaften an. Am stärksten im Umbau befindet sich die T-Online AG, die nach dem Abgang ihres Chefs Wolfgang Keuntje kommissarisch von Vorstandsmitglied Detlev Buchal geleitet wird.

Auf die Frage nach dem Keuntje-Nachfolger sagt Sommer, dass es nicht nur um einen Ersatz für Keuntje gehe, sondern um die Erweiterung der Kompetenz an der T-Online-Spitze. "Wir haben eine glasklare Strategie für T-Online", so Sommer. Das Unternehmen werde das "Verlagsdach" für Inhalte, die sowohl über den Online- Dienst als auch über T-Mobile vermarktet werden sollen.

Den Führungsstil bei der Telekom beschreibt Sommer als "diskussionsorientiert und offen", die Führungskräfte auf allen Ebenen müssten "teamfähig nach oben, unten und zur Seite" sein. "Sie glauben doch nicht im Ernst, dass ein Josef Brauner, ein Karl-Gerhard Eick, ein Gerd Tenzer und die anderen Vorstandskollegen Jasager sind", sagt Sommer zu wiederkehrenden Presseberichten über seinen angeblich autoritären Führungsstil. Die T-Online-Neubesetzung brauche Zeit, weil er gerade nicht alleine jemanden aussuche, sondern mehrere Leute mitentscheiden würden.

Enge Verzahnung der einzelnen Geschäftsfelder bleibt auch in Zukunft wichtig



Ziel des Umbaus des Konzerns in die vier Säulen - T-Mobile, T-Online, T-Systems und das klassische Telefongeschäft T-Com - ist laut Sommer keineswegs, die Töchter vom Mutterkonzern abzuspalten. "Der Börsengang von Infineon bedeutet, dass Siemens dieses Geschäftsfeld abgeben will. Bei T-Online und T-Mobile ist das nicht der Fall", erklärt Sommer. Die Tätigkeitsfelder sollen auch in Zukunft eng verzahnt bleiben. "Die Börsengänge haben nur ein Ziel: eine Akquisitionswährung für Zukäufe in den jeweiligen Bereichen zu schaffen und die wirklichen Werte dieser Konzernbereiche sichtbar zu machen."

Die Vier-Säulen-Strategie sehe durchaus vor, dass möglichst große Teile des operativen Geschäfts dort verantwortet werden. Allerdings gebe es auch Zentralbereiche, die wohl immer bei der Dachgesellschaft Telekom AG blieben: Dazu gehöre neben Finanzen und Konzern-Kommunikation auch der Bereich Mergers & Acquisitions: Zu- und Verkäufe von Gesellschaften erledige die Telekom auch in Zukunft zentral für die Töchter. Sommer, der seit 1995 an der Spitze der Telekom steht, ist überzeugt, dass der "alte Elefant Telekombehörde" inzwischen ziemlich schnell geworden ist. Von Anfang an habe er drei Ziele bei dem Unternehmen verfolgt: Restrukturierung, Wachstum und Globalisierung. "Wir verfolgen aber nicht alle Ziele zu allen Zeiten gleich intensiv", so Sommer.

Stärke gewinnen aus dem Zusammenwirken der Sparten



"Als ich anfing, waren BT und AT&T die großen Vorbilder", erinnert sich Sommer. Inzwischen steht die Telekom auch nach Meinung der meisten Analysten weitaus besser da. Vor allem BT ist unter den großen Telekomunternehmen von der Seite der potenziellen Käufer auf die der Kaufkandidaten gerutscht. Die von den Analysten geforderte Zerschlagung wird von Branchenbeobachtern inzwischen als Konzept gesehen, den Koloss in verdaubare Teile zu bringen, die dann verkauft werden.

Die Telekom gewinnt laut Sommer jedoch gerade aus dem Zusammenwirken ihrer Sparten Stärke gegenüber Wettbewerbern wie Vodafone. So stehe Vodafone in Italien strahlend da, in den USA verfolge die Telekom mit Voicestream aber das bessere Konzept. "Nur wir können tatsächlich unseren Kunden ein weltweit einheitliches Netz bieten", so Sommer. Auch für den M-Commerce sei die Telekom durch die Zusammenarbeit von T-Mobile und T-Online besser positioniert als Vodafone.

Nachdem die Telekom im letzten Jahr durch die Zukäufe den Anteil ihres Auslandsgeschäfts von 9 % auf 17 % gesteigert hat, trete das Thema Globalisierung nun wieder in den Hintergrund.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
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