Langfristige Aussagen schwer zu treffen
Beige Book: US-Wirtschaft nach Anschlägen schwach

Die Wirtschaftsaktivität in den USA ist nach den Anschlägen vom 11. September dem Konjunkturbericht der US-Notenbank Fed (Beige Book) zufolge kurzzeitig stark zurückgegangen.

Reuters WASHINGTON. "Die Wirtschaftsaktivität erholte sich schnell von einigen Aspekten des Schocks, wie zum Beispiel dem gesunkenen Luftfrachtaufkommen, aber die langfristigen Auswirkungen sind schwieriger abzuschätzen", hieß es in dem am Mittwoch veröffentlichten Bericht, der die Konjunkturentwicklung bis zum 15. Oktober beinhaltet, weiter. Analysten zufolge lieferte der Bericht wenig neue Erkenntnisse. Unterdessen bezeichnete Dallas-Fed-Chef Robert McTeer die Geldpolitik der Fed als nicht wirksam genug, um den Wirtschaftsabschwung zu verhindern.

Fast alle Wirtschaftsbereiche hätten unter den Folgen gelitten, in der Industrie würden die Anschläge wahrscheinlich längerfristige Auswirkungen haben, hieß es im Beige Book. Dem Bericht zufolge waren die Einzelhandelsumsätze im Berichtszeitraum schwach, ebenso die Nachfrage im Baugewerbe und in der Industrie. Die meisten Fed-Bezirke berichteten auch Nachfragerückgänge im Hotelgewerbe, bei den Fluggesellschaften und in der Tourismusbranche. Die Wirtschaftsschwäche habe zu Entlassungen in den verschiedensten Wirtschaftssektoren und-regionen geführt, hieß es weiter.

Nicht nur Technologie-Sektor betroffen

Die Anschläge hätten wahrscheinlich längerfristige Auswirkungen auf die Industrie, hieß es im Beige Book weiter. Die Schwäche betreffe sowohl den Technologie-Sektor als auch die traditionellen Industrien. Viele Federal-Reserve Banken erwarteten hier keinen Aufschwung vor 2002. Die zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen als Reaktion auf die Anschläge beeinträchtigen dem Bericht zufolge die Produktivität. Das Beige Book wird turnusmäßig von jeweils einer der zwölf Federal-Reserve-Banken der USA erstellt, diesmal von der Fed in Cleveland. Es dient der Notenbank beim nächsten Treffen des für die Geldpolitik zuständigen Offenmarktausschusses (FOMC) am 6. November als eine der Grundlagen für ihre Zinsentscheidung.

Analysten zufolge gab das Beige Book kaum neue Hinweise auf die zukünftige Politik der Fed. "Wir haben Mühe, etwas zu finden, das wir nicht schon wussten, sagte Ian Shepherdson von High Frequency Economics. Bereits vergangene Woche hatte US-Notenbankchef Alan Greenspan in einer Rede vor dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuss beider Häuser des US-Kongresses gesagt, die Wirtschaftsaktivität sei nach den Anschlägen stark gesunken. "Konfrontiert mit der erhöhten Unsicherheit, haben private Haushalte und Unternehmen sich aus dem Markt zurückgezogen, obwohl dieser Rückzug nur teilweise und wahrscheinlich zeitlich begrenzt war", hatte Greenspan gesagt.

Geldpolitik der Fed bisher wirkungslos

Dallas-Fed-Chef McTeer sagte am Mittwochabend bei einer Veranstaltung in Mexico City, die Geldpolitik der Fed habe den Abschwung der US-Wirtschaft bisher nicht aufhalten können. "Sie (die Geldpolitik) war nicht wirksam genug, um den Abschwung zu verhindern oder aufzufangen, aber der Schluss, dass sie unwirksam sei, trifft nicht zu", sagte McTeer, der in diesem Jahr im FOMC nicht stimmberechtigt ist. Die Fed hat den maßgeblichen Zielsatz für Tagesgeld in diesem Jahr bereits um insgesamt 400 Basispunkte auf 2,5 % reduziert, davon allein um insgesamt 100 Basispunkte nach den Anschlägen. Anfang Oktober befragte Händler rechnen im Schnitt mit einer Reduktion der Leitzinsen auf 2,0 % bis zum Jahresende. Viele davon erwarten bereits beim kommenden Treffen eine Senkung um 25 Basispunkte.

Die Finanzmärkte zeigten sich Händlern zufolge vom Beige Book unbeeindruckt. "Das Beige Book hat keinen Einfluss auf den Aktienmarkt", sagte Robert Cohen von Credit Suisse First Boston. Der Euro notierte gegen 21.30 Uhr MESZ ebenfalls kaum verändert bei 0,8936/40 $.

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