Langfristige Venture Capital-Investitionen werden sich auch in Zukunft lohnen
Markt bietet weiter gute Chancen

Der Venture Capital-Markt ist für das High-Tech-Land Deutschland auch in Zukunft von großer Bedeutung. Hierzu sind das Vertrauen der Gründer, stabile Aktienmärkte und steuerliche Sicherheit notwendig. Schließlich sind VC-Investitionen ein Schlüssel zur künftigen Wachstumsdynamik des Landes.

DÜSSELDORF. Nahezu alle Wirtschaftszweige haben derzeit eine Gemeinsamkeit: sie befinden sich in einer konjunkturellen Schwächephase. Doch nur wenige Branchen unterliegen so dramatischen strukturellen Änderungen wie die Venture-Capital-Branche in den letzten fünf Jahren.

Maßgebenden Einfluss auf das rasante Auf und Ab hatte auch die Entwicklung des Neuen Marktes: Die spektakulären Börsengänge und die damit verbundenen Gewinne haben sowohl Investoren als auch Gründer magisch angezogen. Im Frühjahr 2001 wendete sich das Blatt. Die tatsächliche Entwicklung der hochgejubelten Unternehmen, speziell in den vom Hype geprägten Internet- und Telekommunikationsbereichen, entsprachen nicht den ursprünglichen Prognosen.

Anschließend sorgte die steile Talfahrt der Aktienkurse dafür, dass einige Venture-Capital-Unternehmen wieder so schnell verschwanden wie sie gekommen waren. Um das Investitionsrisiko zu senken, versuchen viele Investoren nun ihren Schwerpunkt auf das Private Equity-Geschäft zu verlagern. Private Equity steht für Investitionen in meist reifere, jedoch nicht börsennotierte Unternehmen mit einem niedrigeren Risiko-Gewinnprofil. Demgegenüber fließt Venture Capital in schnell wachsende, junge, innovative Unternehmen mit hohen Gewinn- und Verlustrisiken.

Die extremen Schwankungen der Venture Capital-Branche spiegeln sich auch in den Zahlen des Bundesverbands deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) wider. Während 1997 die Anzahl der Seed-Investments, die die Gründung von Firmen ermöglichen, bei 144 und einem Volumen von 61,2 Millionen Euro lagen, stieg das Volumen in den nächsten beiden Jahren auf 121,5 und 192 Millionen Euro. 2000 erreichte die Entwicklung mit 285 Seed- Investments und 391,8 Millionen Euro ihren absoluten Höchststand.

In diesem Jahr beträgt die Anzahl zur Jahresmitte 50 und liegt im Verhältnis auf dem Vorjahresniveau. Im Gegensatz dazu hat sich das Volumen mit 40,5 Millionen Euro deutlich verringert. Entsprechend dem Seed-Bereich verläuft auch die Entwicklung im Start-up-Sektor. Unternehmen, die die Gründungsphase geschafft haben, erhalten im Schnitt nur noch 0,73 Millionen Euro von einem Investor, während es 2000 noch 1,55 Millionen Euro waren. Gegenwärtig befindet sich das Investitionsniveau im Start-up-Bereich auf dem Level von 1998 mit fallender Tendenz. Die Zahl von 809 Start-up-Investments bei einem Volumen von 1,26 Mrd. Euro in 2000 war stark von der "relativ einfachen" Exit-Möglichkeit des Börsengangs geprägt, der an der Tagesordnung schien.

Bei der momentanen Börsenlage fehlt sowohl den Gründern als auch den Investoren dieser Anreiz. Zudem bremst die allgemein schlechte wirtschaftliche Lage den Gründerwillen und die Investitionsbereitschaft. Aufgrund der angespannten Konjunkturlage erwarten Unternehmen deswegen gerade von der Bundesregierung eine Steuerpolitik, die das Wachstum fördert.

In diesem Zusammenhang muss man die Diskussion um die Besteuerung der VC-Branche und der Steuern bei der Veräußerung von Geschäftsanteilen durch das Management sehen. Es liegt auf der Hand, dass die derzeitige Unsicherheit sich negativ auswirkt. Eine klare Regelung, die international wettbewerbsfähig ist, oder besser noch einheitliche europäische Steuergesetze, sind dringend geboten um genügend Kapital für Unternehmensgründungen zu gewährleisten.

Trotzdem sollten sich alle Beteiligten nicht einschüchtern lassen, sondern in die Zukunft investieren. Bis ein neues Unternehmen Börsenreife erlangt, benötigt es durchschnittlich fünf bis sieben Jahre. So kann eine heute gegründete Firma in schwachen wirtschaftlichen Zeiten solide Aufbau- und Entwicklungsarbeit leisten. Zieht die Konjunktur wieder an, steigen auch die Absatzchancen. Dies führt zu guten Geschäftszahlen, die wiederum Voraussetzung für einen Börsengang sind.

Nicht alle Venture-Capital-Investoren haben heute die Möglichkeit, zu investieren. Aufgrund hoher Altlasten droht einigen Venture-Capital-Fonds sogar die Insolvenz. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Fonds jüngeren Datums, die genügend Geld eingesammelt haben und jetzt unter Investitionsdruck stehen.

Das heutige VC-Umfeld bietet trotz erschwerter Rahmenbedingungen und noch ungünstiger Konjunkturperspektiven erhebliche Chancen. Die Höhe der VC-Investitionen - bezogen auf das Bruttosozialprodukt - bleibt nach wie vor in Deutschland weit hinter den Verhältnissen in Ländern wie den USA und Großbritannien zurück. Dies zeigt nicht nur die Möglichkeiten für die Branche, sondern auch für die breite Wirtschaft. VC-Investitionen sind ein Schlüssel zur künftigen Wachstumsdynamik des Landes. Langfristige Investitionen kombiniert mit dem High-Tech Potenzial in Deutschland werden sich auch in Zukunft lohnen.

Andreas Kochhäuser, stellvertretender Geschäftsführer der 3i Deutschland Gesellschaft für Industriebeteiligungen mbH.

Quelle: Handelsblatt

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