Langfristige Wachstumsstrategie
Thyssen-Krupp Automotive auf Kauftour

Thyssen-Krupp Automotive ist eine stiller Riese in der Autobranche. Der viertgrößte deutsche Zulieferer hat ehrgeizige Wachstumspläne, kommt damit aber nur langsam voran. Auf der Einkaufsliste stehen mehrere Teilefabriken von Autoherstellern. Doch mit der Zukaufstrategie sind große Risiken verbunden.

HB STUTTGART. Thyssen-Krupp Automotive (TKA) hat vor allem ein erklärtes Ziel: schnell zu wachsen. Die Tochter des Stahlkonzerns Thyssen Krupp liegt mit 6,2 Mrd. Euro Umsatz in Deutschland nach Bosch, Continental und ZF auf Platz vier und weltweit auf Platz 18. Doch das ist dem Bochumer Unternehmen nicht genug. Um dauerhaft in der Spitzenliga mitzuspielen, hat der Zulieferer vor drei Jahren das Ziel verkündet, 10 Mrd. Euro Umsatz zu erreichen. Im gesamten Thyssen-Krupp-Konzern erzielt die Automotive-Sparte einen Umsatzanteil von gut 15 %. Rund 2,5 Mrd. Euro Umsatzwachstum sollen durch Zukäufe verwirklicht werden. Doch bisher ist der Autozulieferer damit nicht so recht vorangekommen.

Geeignete, große Zulieferfirmen sind selten zu kaufen. Die Bochumer setzen deshalb notgedrungen auf die Autohersteller. Fast alle Autokonzerne wollen die Fertigungstiefe verringern und Fabrikteile an die Zulieferer abgeben. Seit langem ist TKA mit Fiat im Gespräch, um von der Fiat-Tochter Magneti Marelli das komplette Achs- und Fahrwerksgeschäft zu übernehmen. Inzwischen ist es um dieses Vorhaben still geworden.

Größere Erfolgschancen hat TKA dagegen bei Opel. Der Zulieferer ist am Pressteilewerk in Kaiserslautern sowie an der Achsenfertigung interessiert. Nach Informationen des Handelsblatts will Opel die Verträge bis Jahresende unter Dach und Fach haben.

Gespräche führt TKA auch mit Daimler-Chrysler über eine mehrheitliche Übernahme der Tochtergesellschaft Mercedes Lenkungen-Benz in Düsseldorf. Ein weiterer Bewerber ist offenbar der Konkurrent ZF Lenkungen.

Doch weder die Daimler-Tochter wäre für TKA ein großer Umsatzbringer, noch die insolvente Sachsenring, mit der auch Gespräche laufen. Der Insolvenzverwalter von Sachsenring hat TKA angesprochen, Produktionskapazitäten am Standort Zwickau zu übernehmen. Ein TKA-Sprecher äußert sich vorsichtig: "Wir haben noch kein Angebot abgegeben." Das Unternehmen will zuerst Klarheit über den Grund der Insolvenz haben.

Fabrikübernahmen stecken meist voller Risiken. "Die Fahrzeughersteller versuchen in zunehmenden Maße, die eigene Bilanz zu entlasten, in dem sie margenschwächere Geschäfte, die einen hohen Kapitalbedarf haben, abgeben", urteilt Wolfgang Chur, Geschäftsführer beim deutschen Branchenführer Robert Bosch GmbH. Bosch sei damit sehr zurückhaltend.

Mehr Erfahrung hat der Getriebespezialist ZF Friedrichshafen AG gesammelt. Bisher hat sich ZF mehrheitlich an der Getriebeproduktion von Renault und von Ford USA beteiligt und damit zwei große Kunden gewonnen. "Die teuren Entwicklungskosten für Getriebe können so auf mehr Stückzahlen verteilt werden", heißt es bei ZF. Eine Strategie, die auch die TKA-Manager verfolgen und mehrfach schon praktiziert haben.

Erfolgreich waren die Bochumer im vergangenen Jahr bei der finnischen Valmet Automotive, die für Porsche den Boxster fertigt. In einem ersten Schritt hat TKA 10 % des Kapitals an dem Zulieferer übernommen - mit der Option auf die restlichen Anteile. Damit ist die Zukunft von Valmet gesichert. Porsche hat sich im Gegenzug bei den Bochumern mit langfristigen Kaufverträgen für Achsen revanchiert.

Analyst Thomas Weiß von der Hypovereinsbank ist voll des Lobes über diesen Zukauf in Finnland. "Mit Valmet hat TKA Engineering-Kompetenz eingekauft." Das passe gut zu dem Unternehmen.

Das TKA-Management verfolgt mit Valmet große Pläne. Künftig sollen für die Autohersteller Prototypen und Kleinserien in Finnland gefertigt und zugleich TKA-Komponenten wie Stoßdämpfer, Federn, Kurbel- und Nockenwellen verkauft werden. Ein kleiner Schwachpunkt von Valmet: Mit 130 Mill. Euro Jahresumsatz ist das Unternehmen nicht der große Umsatzbringer. Außerdem ist es derzeit sehr schwer, neue Kunden zu gewinnen.

Quelle: Handelsblatt

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