Langsame Erholung denkbar
IfW: Wirtschaft stagniert zu Jahresbeginn

Die deutsche Wirtschaft befindet sich nach Einschätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) derzeit in einer Stagnation. "Der abermalige Rückgang der Aktienkurse, die Aufwertung des Euro, der Ölpreisanstieg und vor allem die Ungewissheit über den Fortgang der Ereignisse im Irak lähmen gegenwärtig die wirtschaftliche Aktivität", heißt es im am Dienstag veröffentlichten vierteljährlichen Konjunkturbericht des Instituts.

Reuters KIEL. Unter der Annahme einer schnellen Lösung der Irak-Krise erwarten die IfW-Forscher im Jahresverlauf eine langsame Erholung. Die derzeit schlechte Stimmung der Konsumenten werde sich aufhellen und die bessere Weltkonjunktur auch die Exporte langsam zunehmen lassen. Am Arbeitsmarkt sei die Talsohle bislang noch nicht erreicht, saisonbereinigt werde die Arbeitslosenzahl 2003 im Schnitt bei 4,4 Mill. liegen.

IfW pessimistischer als andere Institute

Das IfW hatte bereits am Donnerstag seine bisherige Wachstumsprognose für Deutschland mehr als halbiert. Das Institut erwartet in diesem Jahr nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,4 % nach zuvor 1,0 %. Damit ist die Prognose des IfW derzeit die pessimistischste der sechs führenden Forschungsinstitute, die allesamt mit weniger Wachstum als die Bundesregierung rechnen. Für 2004 erwartet das IfW eine Wachstumsbeschleunigung auf 2,3 %. Im vergangenen Jahr war die deutsche Wirtschaft lediglich um 0,2 % gewachsen.

Für das laufende Quartal schließt das IfW zwar einen Rückgang des BIP nicht aus, hält aber eine vereinzelt befürchtete selbstverstärkende Abwärtsbewegung für sehr unwahrscheinlich. Vom Export - dem einzigen deutschen Wachstumsmotor der vergangenen Jahre - erwartet das IfW zu Jahresbeginn keine positiven Impulse. Die jüngste Aufwertung des Euro dürfte die Exporte zudem weiter dämpfen. "Diese Effekte werden allmählich abklingen, so dass sich die Exporte im Laufe des Jahres vor dem Hintergrund einer langsam anziehenden Industrieproduktion der wichtigsten Handelspartner Deutschlands ausweiten werden", schreiben die IfW-Experten weiter. Für 2003 erwartet das IfW einen Anstieg der Exporte um 1,8 %, nach 2,6 % im Vorjahr.

Binnenkonjunktur bleibt zunächst schwach

Die Binnenkonjunktur bleibt dem IfW zufolge zunächst weiter schwach. Nach wie vor herrsche bei den privaten Verbrauchern "Kauffrust statt Kauflust". Die zuletzt gestiegenen Steuern und Abgaben, der anhaltend schwache Arbeitsmarkt und der Konflikt im Irak drückten die Stimmung der Verbraucher. "Alles in allem erwarten wir für das laufende Jahr eine geringe, sich leicht beschleunigende Ausweitung der Konsumausgaben", schreiben die IfW-Forscher. Bei den Investitionen werde sich der Ende 2002 begonnene Aufwärtstrend fortsetzen, gestützt auch durch das niedrige Zinsniveau. Für das Gesamtjahr 2003 prognostiziert das IfW einen Anstieg der Anlageinvestitionen um real 0,9 %.

Die Inflationsrate wird dem IfW zufolge wegen des jüngsten Ölpreisanstiegs zunächst noch steigen. Wenn sich die Lage im Irak stabilisiere, werde dies zusammen mit dem starken Euro den Preisauftrieb im Jahresverlauf merklich bremsen. Im Jahresschnitt erwarten die Forscher eine Inflationsrate von 1,5 %. Eine konjunkturschädigende Deflationsspirale in Deutschland halten die Forscher trotz der wirtschaftlichen Schwäche für sehr unwahrscheinlich.

Angesichts der schwachen Wirtschaft rechnen die IfW-Experten nicht mit einer baldigen Besserung am deutschen Arbeitsmarkt. "Ihren Höchststand wird die registrierte Arbeitslosigkeit saisonbereinigt im Winterhalbjahr 2003/2004 mit 4,450 Mill. Personen erreichen", heißt es im Bericht. Im Februar war die bereinigte Arbeitslosen-Zahl auf 4,355 Mill. gestiegen.

Die Umsetzung wichtiger Vorschläge der Hartz-Kommission und die Neuregelung der "Mini-Jobs" werde den Anstieg der Arbeitslosigkeit nur geringfügig bremsen. Zum einen dürften neue Arbeitsplätze von Menschen besetzt werden, die derzeit gar nicht arbeitslos gemeldet sind, zum anderen dürften besonders bei Dienstleistungen viele Mini-Jobs bestehende Voll- und Teilzeitarbeitsplätze ersetzen, heißt es weiter.

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