Langsamer UMTS-Start kratzt am Image des japanischen Mobilfunkkonzerns
Bei NTT Docomo verblasst der Glanz

Die Konkurrenz bereitet inzwischen auch dem japanischen Mobilfunkkonzern NTT Docomo erhebliche Probleme. Zudem entwickelt sich der eigene UMTS-Dienst langsamer als erwartet.

TOKIO. Der japanische Mobilfunkkonzern NTT Docomo hat der Branche in den vergangenen Jahren gezeigt, wie man mit dem mobilen Internet Geld verdienen kann: I-Mode gab einen Vorgeschmack auf die UMTS-Zukunft. Entsprechend hoch lag die Messlatte, als das Unternehmen als erstes weltweit vor mehr als einen halben Jahr die UMTS-Technik einführte. Weder die Erwartungen der Branche noch die eigenen haben die Japaner bislang jedoch erfüllen können.

Ausgerechnet KDDI Corp., die Nummer zwei auf dem japanischen Mobilfunkmarkt, kratzt am Image des Markt- und Technologieführers. Im April hat KDDI eine schnellere Datenübertragungstechnik eingeführt und im ersten Monat knapp 340 000 neue Kunden dafür gewonnen. Dagegen hat NTT Docomo von Oktober bis heute gerade mal 115 000 Japaner für FOMA (Freedom of Mobile Multimedia Access) begeistern können, den eigenen drahtlosen Internet-Service auf UMTS-Basis, der mit höheren Übertragungsraten für Surfen, Spielen, Telefonieren und Fernsehen via Handy aufwertet.

Schließt man die Zahl die neuen I-Mode-Kunden bei Docomo mit ein (der Konzern bietet FOMA und I-Mode parallel an), sieht der Vergleich mit KDDI dann nicht mehr so übel aus. Denn allein im Mai kamen 350 000 Abonnenten für das 1999 gestartete mobile Internetportal hinzu. KDDI dagegen verkauft nur den UMTS-ähnlichen Dienst.

Trotzdem steht fest: Mit der Zahl der FOMA-Kunden hat Docomo sein eigenes Ziel von etwa 150 000 Kunden im ersten Halbjahr nach dem UMTS-Start nicht erreicht. Der nicht ganz geglückte UMTS-Start in Japan werde wichtige Implikationen für die Branche weltweit haben, schreiben Analysten von UBS Warburg in einer Studie. Der Mangel an neuen Anwendungen und damit klaren Kaufanreizen für UMTS werde das Wachstum der Branche weiterhin hemmen.

Docomo gibt sich selbstkritisch: Das neue Mobilfunknetz habe bislang eine zu geringe Abdeckung. Die Akkus der UMTS-Handys müssten schon nach kurzer Zeit wieder aufgeladen werden. Und man habe schlicht nicht genügend Inhalte, um Kunden von UMTS zu überzeugen, zählt Docomo-Manager Kiyoyuki Tsujjimura die kritischen Punkte auf.

Vorstandschef Keiji Tachikawa hat eine einleuchtendere Erklärung für den verhaltenen UMTS-Start und den Erfolg der Konkurrenz: Auch KDDI werde all diese Probleme bekommen, wenn es sich auf UMTS einlassen sollte, was für Herbst diesen Jahres geplant ist. Im Dezember will die Vodafone-Tochter J-Phone, der dritte Mobilfunker in Japan, folgen.

Bisher nutzt KDDI bei den jüngst eingeführten Datendiensten eine Konkurrenztechnologie zu UMTS, die auch nur mit einer Aufrüstung der bestehenden Netze sich realisieren ließ - also nicht mit einem Neubau, wie ihn Docomo stemmen musste. KDDI musste also wesentlich weniger Geld für Investitionen ausgeben. Zudem sind die Endgeräte preiswerter, womit KDDI schneller einen größeren Teil der Bevölkerung mit dem Service abdecken konnte.

Doch NTT Docomo lässt sich nicht entmutigen, wenngleich man derzeit Prognosen lieber vorsichtig formuliert: UMTS werde seinen Höhepunkt erst im Jahr 2010 haben, sagt Tachikawa. Der 62jährige Firmenlenker hat mit seiner UMTS-Strategie nicht nur den Heimatmarkt im Visier, er will die Technik auch zum Weltstandard machen. Dazu zieht er mit den Europäern an einem Strang; schließlich sollen deren Kunden künftig weltweit die gleichen Services in Anspruch nehmen können, die sie aus ihrem Heimatland kennen. Dies ist ein wichtiger Baustein in der Expansionsstrategie des Konzerns; denn in Japan ist das Wachstum begrenzt. Docomo lizenziert dafür I-Mode und treibt UMTS als Minderheitsaktionär bei Hutchison in Hongkong und Großbritannien sowie bei KPN in den Niederlanden voran.

Analysten bezeichnen die bisherige Strategie der Japaner jedoch als etwas konfus. "Wenn man nur I-Mode ins Ausland lizenzieren will, braucht man keine Beteiligungen", sagt Lars Godell von Forrester Research. "Und wenn man sich wirklich international betätigen will, sollte man das nicht immer nur über Minderheitsbeteiligungen tun."

So trägt die Strategie bislang auch noch keine Früchte. Ganz im Gegenteil: Auf das Engagement im Ausland waren im vergangenen Jahr im Zuge der Börsen-Baisse im Telekom-Sektor hohe Abschreibungen auf Firmenwerte fällig.

Nur von einem Problem wurden die Japaner verschont: sie mussten nicht UMTS-Lizenzkosten in Milliardenhöhe an den Staat zahlen. Stattdessen überweisen sie monatliche Gebühren, die sich nach der Zahl der UMTS-Kunden richten.

Quelle: Handelsblatt

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