Langsames Abgleiten
Euro fällt auf Elf-Wochen-Tief

Händler gehen mehr von einer Dollar-Stärke, als von einer eine Euro-Schwäche aus.

Reuters FRANKFURT/LONDON Der Euro ist am Mittwoch an den europäischen Devisenbörsen zum $ auf ein Elf-Wochen-Tief gefallen, ohne dass Händler dafür konkrete Auslöser ausmachen konnten. Der Euro falle zwar stetig in Richtung seines Allzeittiefs, doch lägen dem keine aggressiven Verkäufe zu Grunde. Es handele sich eher um ein langsames Abgeleiten, hieß es am Markt. Insgesamt gehe man mehr von einer Dollar-Stärke, als von einer eine Euro-Schwäche aus. Nach dem Bruch der wichtigen Unterstützung von 0,90 $ fiel der Euro im europäischen Vormittagshandel zeitweise bis auf 0,8963 $. Gegen 12.00 Uhr MESZ notierte die europäische Gemeinschaftswährung mit Kursen um 0,8965/69 $.

"Wenn den Euro etwas bewegt, dann vor allem die generelle Stärke des $", sagte Mitul Kotecha, Devisenanalyst bei Credit Agricole Indosuez in London. "Was wir sehen ist mehr eine Dollar- als eine Euro-Geschichte", sagte auch Steve Barrow, Analyst bei Bear Stearns in London. Die vermutete sanfte Landung der US-Wirtschaft stütze den $ ebenso wie die wachsende Wahrscheinlichkeit eines Wahlsieges des Kandidaten der Republikaner, George Bush, bei den Präidentenwahlen. Ein Sieg Bushs schaffe unter anderem Perspektiven für deutliche Steuersenkungen in den USA, sagte Barrow.

An den wirtschaftlich guten Aussichten in der Euro-Zone habe sich indes nichts geändert, hieß es am Markt weiter. Auch die nicht gerade starken Zahlen zur deutschen Industrieproduktion und die jüngsten Arbeitsmarktdaten hätten daran nichts geändert. Dennoch bevorzugten die Investoren weiter die US-Märkte zur Geldanlage.

Dem generell positiven wirtschaftlichen Szenario, dass die Analysten für den Euro-Markt entwerfen, widersprach der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende und wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Rainer Brüderle. Er sagte Reuters, man könne die "chronische Euro-Schwäche" der Währung nicht weiter übergehen. Im freien Fall des Euro offenbare sich die Einschätzung der Welt über die Zukunftsperspektiven der europäischen Wirtschaft. Die Anleger setzten weiter auf die flexiblere und wachstumsstärkere amerikanische Volkswirtschaft. "Auch wenn die selbst ernannten Experten und Analysten der Banken immer noch vom Aufwärtspotenzial reden, die Realität sieht anders aus", erklärte Brüderle.

Brüderle fordert unter anderem einen weiteren Schritt der Steuerreform mit weiteren Steuersenkungen und mit einer "radikalen Steuervereinfachung". Auch müsse der Arbeitsmarkt in Europa und speziell in Deutschland flexibilisiert werden. Der Euro könne nicht gesund gebetet werden, sondern werde sich immer an den ökonomischen Realitäten orientieren.

Es sei außerdem nicht auszuschließen, dass das Problem des Rechtsradikalismus und die ausländerfeindlichen Übergriffe zu einer Verunsicherung der Märkte betragen würden. Dies könnte belegen, dass das Image eines Standortes die Kurse psychologisch beeinflusse, erklärte Brüderle weiter.

Von den drei Weltleitwährungen sei der Euro derzeit die schwächste, sagten auch Analysten in Japan. So profitiere der Yen von den anhaltenden Spekulationen um ein Ende der "Null"-Zinspolitik. Notenbankpräsident Masaru Hayami hatte sich am Mittwoch erneut dafür ausgesprochen, die Leitzinsen so bald wie möglich anzuheben. Eine Fortsetzung der Politik "ultra-niedriger Zinsen" sei befremdlich, sagte der Notenbankchef vor einem Parlamentsausschuss. Ministerpräsident Yoshiro Moti sprach sich dagegen weiter für eine Beibehaltung des Zinskurses aus und Finanzminister Kiichi Miyazawa sagte, man werde bei der Sitzung der Notenbank am Freitag dazu raten, an der lockeren Geldpolitik festzuhalten.

Japanische Händler sagten am Mittwoch, es gebe angesichts der Gesamtsituation am Devisenmarkt keinen Grund, Euro zu kaufen. Allerdings wachse bei sinkenden Kursen die Gefahr einer Intervention durch die Zentralbank.

Gegen den Yen fiel der Euro auf ein Sechs-Wochen-Tief unter 97,37 Yen. Zum britischen Pfund wurden mit Kursen unter 59,74 Pence die tiefsten Notierungen seit elf Wochen gesehen

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