Langzeitstudenten droht in Nordrhein-Westfalen und Rheinland- Pfalz Gebühr von rund 350 Euro
Zwei Länder führen Studienkonten ein

Langzeitstudenten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz droht ab 2004 eine Studiengebühr von rund 350 ? (etwa 700 DM) pro Semester. Wie die Düsseldorfer Bildungsministerin Gabriele Behler und ihr Mainzer Kollege Jürgen Zöllner (beide SPD) am Dienstag erklärten, wollen ihre Länder ab dem Sommersemester 2004 Studienkonten einführen, die ein kostenloses Erststudium garantieren

ap DÜSSELDORF/MAINZ. . Wer das Guthaben auf seinem Konto verbraucht und die Regelstudienzeit um das Doppelte überschritten habe, müsse zahlen. Die Einführung von Studienkonten sei "eine Zäsur in der Geschichte der deutschen Hochschulpolitik", sagte Zöllner.

Anders als reine Strafgebühren, die nach Überschreitung einer bestimmten Semestergrenze fällig würden, könne mit den Studienkonten auf die individuelle Situation von Studierenden reagiert werden. Dies betreffe beispielsweise Berufstätigkeit oder die Geburt und Erziehung von Kindern. Das Modell sieht vor, dass jedem Studenten bei Studienbeginn ein Stundenkonto eingeräumt wird, berechnet nach dem Umfang der in dem betreffenden Fach bis zum Examen regulär benötigten Unterrichtsstunden zuzüglich einem Aufschlag von 20 %. "Ich meine, dass jeder das Recht hat, eine Ehrenrunde zu drehen", sagte Zöllner. Das Konto werde von den Hochschulen verwaltet. Denkbar sei es, entweder eine feste Anzahl von Stunden pro Semester oder eine individuell nach den besuchten Lehrveranstaltungen berechnete Zahl von Stunden von dem Konto abzubuchen, sagte der rheinland-pfälzische Bildungsminister. Mache der Student sein Examen, bevor er sein Konto aufgebraucht habe, könne er das restliche Stundenguthaben nutzen, um während seiner Berufstätigkeit an der Universität kostenlos Fortbildungsveranstaltungen zu besuchen.

Die rheinland-pfälzischen Grünen kritisierten das Modell. "Bleibt das Studienangebot so unzureichend wie zurzeit, werden die Studierenden nicht nur mit langen Studienzeiten belastet, sondern auch noch mit Gebühren", erklärte Ise Thomas, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Mainzer Landtag. Das Studienkonten-Modell biete voraussichtlich nicht genügend Anreize für die Hochschulen, die Defizite in der Lehre und der Betreuung von Studierenden und akademischem Nachwuchs kurzfristig zu verringern. Behler sagte im WDR, man müsse berücksichtigen, dass es Studierende gebe, die Kinder großzuziehen hätten oder vielleicht nebenher arbeiteten oder schon ein Unternehmen gegründet hätten und deshalb nur in Teilzeit an der Hochschule seien. Also nähmen sie deren Angebote nur in geringerem Umfang in Anspruch. Dies dürfe nicht dazu führen, dass sie Gebühren zahlen müssten. Eine grundsätzliche Gebühr für Langzeitstudenten würde die verschiedenen Lebenslagen nicht berücksichtigen. Manchmal sei das Studium an der Hochschule auch schlecht organisiert und es liege nicht an den Studierenden, wenn sie länger brauchten.

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