Lars von Trier ging leer aus
Goldene Palme für „Elephant“ von Gus Van Sant

Das Drama "Elephant" des US-Regisseurs Gus Van Sant hat das 56. Filmfest von Cannes gewonnen. Die Jury zeichnete den Film über Gewalt an US-Oberschulen am Sonntag mit der "Goldenen Palme" aus. Van Sant gewann zudem den Preis für die beste Regie.

Reuters CANNES. "Ich dachte, ich bin am Ende", sagte der sichtlich bewegte Van Sant, als er die Auszeichnung in Empfang nahm. Es sei wundervoll, solch einen Preis zu erhalten, nachdem er jahrelang versucht habe, seine Filme nach Cannes zu bringen. Van Sant wurde unter anderem mit seinen Filmen "Good Will Hunting" und "My Own Private Idaho".

Van Sant drehte "Elephant" mit Kindern aus seiner Heimatstadt Portland im Bundesstaat Oregon. Er zeichnete ein eindrucksvolles Bild des Schulalltags, der sich durch zwei um sich schießende Schüler in eine Tragödie wandelt. "Ich denke, es ist kein anti-amerikanischer Film", sagte Van Sant. "Er ist aus der Sichtweise meines Lebens in den USA gemacht." Erst im vergangenen Jahr hatte mit dem Film "Bowling for Columbine" des US-Dokumentarfilmers Michael Moore ein Film die "Goldene Palme" gewonnen, der auf Waffenmissbrauch in den USA aufmerksam machte.

Die französisch-kanadische Co-Produktion "The Barbarian Invasions" wurde für das beste Drehbuch ausgezeichnet. Die Hauptdarstellerin des Drogendramas, Marie-Josee Croze, wurde als Schauspielern geehrt. Das Rührstück des Kanadiers Denys Arcand zeichnet die Geschichte eines todkranken Mannes, der an seinem Sterbebett ein letztes Mal auf entfremdete Familienmitglieder, Freunde und ehemalige Geliebte trifft.

Als beste Darsteller wurden gemeinsam Muzaffer Özdemir und Mehmet Emin Toprak ausgezeichnet. Sie spielten in dem Film "Uzak" des türkischen Regisseurs Nuri Bilge Ceylan. Der Film erhielt den Großen Preis der Jury und erzählt von einem melancholischen Fotografen, dessen Leben durcheinander gerät, als sein arbeitsloser Cousin bei ihm einzieht. Toprak wurde posthum geehrt. Der 28-jährige Cousin des Regisseurs kam bei einem Autounfall im Dezember ums Leben.

Für viele Festival-Besucher überraschend ging der mitfavorisierte Film "Dogville" des dänischen Regisseurs Lars von Trier mit Hollywood-Star Nicole Kidman in der Hauptrolle leer aus. In dem dreistündigen, düsteren Werk spielt Oscarpreisträgerin Kidman eine Frau, deren Geheimnis ein ganzes Dorf in den Rocky Mountains in Aufregung versetzt. Der Film wurde komplett im Studio gedreht. Dabei wurden kaum Kulissen verwendet: Straßen sind beispielsweise mit Kreide auf dem Boden aufgezeichnet und die Schauspieler imitieren das Öffnen von nicht vorhandenen Türen.

Insgesamt waren 20 Filme im Wettbewerb. Wie schon in den Jahren zuvor war auch 2003 kein deutscher Film darunter.

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