Lasten aus Pensionsverpflichtungen drücken Bonitätseinstufung
US-Konzerne ächzen unter Zusagen für Ruheständler

Mit dem Einbruch der Aktienmärkte drohen vor allem in den USA Deckungslücken in den Pensionskassen der Konzerne. Das dürfte spürbar auf die Konzernergebnisse der kommenden Quartale drücken. Traditionsunternehmen wie General Motors, Ford oder US Airways müssen Milliardensummen zusätzlich in die betriebliche Altersvorsorge stecken.

NEW YORK. Eine Neukalkulation der Pensionskassen-Vermögen und des künftigen Bedarfs dürfte außerdem rein optisch die operativen Ergebnisse der Konzerne beeinträchtigen. Investoren fürchten zudem, dass Pensionskassen damit beginnen, aus Aktien auszusteigen, um weniger anfällig für die Kursschwankungen an den Börsen zu sein. Bis jetzt halten US-Pensionskassen noch knapp 70 % ihrer Vermögensposten in Aktien. Steigen die Kassen in großem Stil aus, könnte das die Kurse weiter einbrechen lassen.

Der Autohersteller General Motors ist bis jetzt am stärksten betroffen. Ende vergangenen Jahres wies er schon eine Deckungslücke von 12,6 Mrd. Dollar aus, berichtet die Investmentbank Morgan Stanley. Das hat zur Folge, dass General Motors in diesem Jahr bereits 1,9 Mrd. Dollar zusätzlich in die Pensionskasse stecken muss. Eine stattliche Summe: Der gesamte Cash-Flow des Konzerns nach Abzug von Dividenden und Zinsen beträgt in diesem Jahr etwa 3,6 Mrd. Dollar. Der Konzern sah sich in diesem Frühjahr bereits gezwungen, Wandelanleihen in Höhe von 2,2 Mrd. Dollar aufzulegen, um mit den Erlösen die Pensionskasse aufzustocken. Die Pensionslasten von General Motors haben im vergangenen Herbst zu einer Bonitätsabwertung von GM durch die Rating-Agentur Moody?s geführt und dürften wesentlich zum Kursverfall der General-Motors-Aktie beigetragen haben.

Auch andere Konzerne sind betroffen: Bei Exxon Mobil etwa beträgt die Deckungslücke 7,2 Mrd. Dollar, Ford hat 2,4 Mrd. Dollar zu wenig im Topf, errechnete Morgan Stanley. In rasantem Tempo dürften die Fehlbeträge jetzt ansteigen.

Das liegt nicht nur an den schwachen Aktienmärkten. Experten beobachten einen Zangeneffekt. "Nicht nur die Vermögensposten haben stark an Wert verloren", sagt Fondsmanager Dan Bernstein von der Vermögensverwaltung Bridgewater Associates. "Besorgnis erregend ist auch, dass die Verbindlichkeiten stark gestiegen sind." Auf Grund der gesunkenen Zinsen muss nämlich der heutige Gegenwert künftig fälliger Rentenzahlungen steigen, weil sie mit einer niedrigeren Rate auf die Gegenwart abgezinst werden. So schmelzen die Überschüsse in weit schnellerem Tempo zusammen, als die Aktienkurse einbrechen. US-Pensionskassen verfügten im Jahr 1999 noch über Überschüsse von 292 Mrd. Dollar, errechnete Morgan Stanley, im vergangenen Jahr waren die Überschüsse auf nur noch 4 Mrd. Dollar zurückgegangen.

Auch wer nichts nachschießen muss, dürfte Gewinneinbußen ha-ben. Nach US-Rechnungslegungsregeln gehen die Renditen der Pensionsvermögen in das operative Ergebnis ein. Wenn die angenommene Rendite auf Pensionsvermögen um nur einen Prozentpunkt schrumpft, kann das ein Firmenergebnis um 20 % schmälern, errechnete Bridgewater. Im Schnitt dürften die Gewinne der im breit gestreuten S&P 500 vertretenen Konzerne in diesem Jahr allein durch den Pensionskassen-Effekt um 2,4 % beeinträchtigt werden, schätzt Analyst Trevor Harris von Morgan Stanley.

Gut gefüllt sind die Kassen noch bei General Electric sowie bei der Telefongesellschaft Verizon. "Doch wenn die Aktienkurse nochmals absacken, was nicht ganz auszuschließen ist, könnte es Zahlungsschwierigkeiten in Serie geben", fürchtet Bernstein, der selbst einen Bond-Fonds managt.

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