Lastwagen- und Taxifahrer legen in vielen Orten Verkehr lahm
Streikwelle gegen Milosevic

Mit umfassenden Straßenblockaden und Arbeitsniederlegungen in mehreren Bereichen hat die von der Opposition angekündigte Streikwelle gegen den jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic und für die Anerkennung ihres Wahlsiegs begonnen.

ap BELGRAD. Während Lkw- und Taxifahrer am Montag den Verkehr in mehreren Ortschaften Mittel- und Südserbiens fast völlig lahmlegten, rollte die Streikwelle zunächst nur zögernd an. Lediglich die Eisenbahnbediensteten in der Stadt Uzice traten am Montag in den Ausstand. Bestreikt wurden auch zwei wichtige Kohlebergwerke und eine Ölraffinerie.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat unterdessen erneut seine Vermittlung in dem Konflikt angeboten. Wie der Kreml am Montag mitteilte, lud er Milosevic und den Oppositionskandidaten Vojislav Kostunica für die nächsten Tage nach Moskau ein, um eine Lösung in dem Streit um die Wahl herbeizuführen. Während die Opposition erklärt, Kostunica habe bereits im ersten Wahlgang am 24. September die absolute Stimmenmehrheit erhalten und sei folglich zum Präsidenten gewählt, besteht die von Milosevic-Anhängern beherrschte Wahlkommission darauf, dass Kostunica die 50-Prozent-Marke knapp verfehlt hat und deshalb eine Stichwahl am 8. Oktober nötig sei. Die Opposition befürchtet, dass Milosevic sie mit erneutem Betrug um den Wahlsieg bringen will und hat deshalb die Bevölkerung zu den Protesten aufgerufen.

Die russische Regierung hat sich bislang in dem Streit neutral verhalten, jedoch deutete sich in den letzten Tagen an, dass auch Putin sich langsam von Milosevic distanziert. "Als wahrer Freund Jugoslawiens kann Russland in diesem entscheidenden Moment nicht untätig bleiben", hieß es am Montag in einer Erklärung des Kremls. Frühere Vermittlungsangebote Moskaus und Griechenlands hat Milosevic abgelehnt.

Am frühen Montagmorgen blockierten Demonstranten eine Brücke in Belgrad und Straßen in der Nähe der Vororte Zemun und Sremcica, wie der unabhängige Rundfunksender B2-92 berichtete. Pendler mussten mit mindestens zweistündigen Wartezeiten rechnen. Dutzende Straßenbahnlinien und Busse stauten sich am Slavija-Platz und den umgebenden Straßen. Die meisten Taxifahrer ließen ihre Fahrzeuge stehen. Auch die mittelserbische Industriestadt Cacak, in der die Opposition regiert, wurde von Demonstranten abgeriegelt. Rund 70 Lastwagen verstopften die Zufahrtsstraßen, ihnen schlossen sich 100 Taxifahrer an. Bis auf wichtige Dienstleistungen lag das öffentliche Leben in Cacak praktisch lahm.

In das Kohlebergwerk Kolubara, 40 Kilometer südlich von Belgrad, drangen am Sonntagabend mehrere Hundertschaften einer Spezialeinheit der Polizei ein, wie die unabhängige Nachrichtenagentur Beta meldete. Dort hatten Bergarbeiter schon am Samstag die Arbeit niedergelegt. Das Bergwerk versorgt das größte serbische Kraftwerk in Obrenovac mit Kohle. Die staatliche Stromversorgungsgesellschaft rief die Streikenden zur Rückkehr an ihre Arbeitsplätze auf. Der Ausstand könnte die Rationierung von Strom zur Folge haben, hieß es in einem Brief an die Arbeiter. Gefährdet seien dann auch die Wasser- und Gesundheitsversorgung. Einer der führenden Oppositionspolitiker, Milan Protic, rief die Bevölkerung dazu auf, ihrer Arbeit beziehungsweise dem Unterricht fernzubleiben, auf die Straße zu gehen und eine "totale Blockade" zu errichten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%