Lateinamerika bleibt Sorgenkind des Währungsfonds
IWF rechnet mit Erholung der Weltwirtschaft

Die Weltkonjunktur liegt nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) nach wie vor auf Erholungkurs. Doch IWF-Direktor Horst Köhler warnt vor Risiken zum Beispiel in Lateinamerika.

mm FRANKFURT/M. Der Aufschwung werde im 2. Halbjahr an Tempo gewinnen, sagte der Geschäftsführende Direktor des IWF, Horst Köhler, vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. Allerdings sprach Köhler gleichzeitig von "eindeutig gewachsenen Risiken".

Sorgen bereitet dem Währungsfonds vor allem Lateinamerika. "Müssten wir jetzt eine Anpassung unserer Wachstumsprognosen vornehmen, würden wir die USA und Asien etwas nach oben revidieren, Lateinamerika müssten wir nach unten korrigieren", erläuterte Köhler. Vor allem in Argentinien sei die Situation "sehr schwierig".

Bislang prognostiziert der IWF für die Weltwirtschaft in diesem Jahr ein Wachstum von 2,8 %. Für die USA sagt der Fonds ein Plus von 2,3 % und für die Eurozone von 1,4 % voraus. Risiken sieht der IWF aber nicht nur in Lateinamerika, sondern auch in den USA. Die Bilanzfälschungen bei Enron und Worldcom hätten die Schwächen der US-Wirtschaft klar aufgezeigt. Gefahren sieht der IWF vor allem durch die anhaltende Börsenkrise, fallende Unternehmensgewinne, die zur Zurückhaltung bei Investitionen führen könnten und einem Schwund des Verbrauchervertrauens.

"Für Europa wird es nicht reichen, sich an die Konjunkturlokomotive USA anzuhängen", machte Köhler klar. Vielmehr müsse der alte Kontinent ein eigenes Wachstumsprofil entwickeln. Reformbedarf sieht der IWF-Chef vor allem auf dem Arbeits- und dem Agrarmarkt. Angesichts der langsamer als erwarteten Erholung der Konjunktur sei eine Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank derzeit "nicht erste Priorität". Den Aufschwung des Euro gegenüber dem Dollar sieht Köhler als "richtig und erwünscht" an, so lange sich die Entwicklung in geordneten Bahnen vollziehe.

Zur Lage in Argentinien sagte der IWF-Chef, die jüngsten Gespräche mit der Regierung seien ermutigend verlaufen. Allerdings gebe es nach wie vor vier große Probleme, die gelöst werden müssten, bevor der IWF über einen Beistandskredit nachdenken könne. Die Zentralregierung müsse mit den Provinzen eine Lösung für die Konsolidierung des Haushalts finden. Bei rechtlichen Problemen, beispielsweise in der Insolvenzgesetzgebung, müssten Fortschritte erzielt werden. Die Handlungsfähigkeit der Banken müsse erhalten bleiben und die Unabhängigkeit der Notenbank gesichert werden.

Die Krise in Brasilien sieht Köhler weniger dramatisch. Das Land betreibe eine "vernünftige" Fiskal- und Geldpolitik. Darüber hinaus seien die brasilianischen Banken gesund. Dennoch gebe es noch großen Reformbedarf. Deshalb müsse man die Diskussion um die Gefahren eines Wahlsiegs des linken Kandidaten Luis Inacio Lula da Silva ernst nehmen. Für Hysterie bestehe aber kein Anlass.

Quelle: Handelsblatt

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