Latente Verunsicherung auf den Märkten
Dax-Ausblick: Analysten bleiben skeptisch

In dieser Woche prägte vor allem der mit Spannung erwartete Beginn der Berichterstattungssaison amerikanischer Unternehmen das Geschehen an den internationalen Aktienmärkten. Im Fokus standen Schwergewichte im Technologiesektor.

ddp/vwd BERLIN. Mit Skepsis blicken die Analysten zahlreicher Wertpapierhandelshäuser in die nächste Börsenwoche. Zwar mache die zunehmende Diskrepanz zwischen verbesserter Marktstimmung und unverändert eher schlechten Fundamentaldaten eine Prognose für die nächsten Tage schwierig, konstatiert die DZ Bank am Freitag in Frankfurt am Main. So sei es einerseits durchaus üblich, dass die Börse mögliche positive Entwicklungstendenzen frühzeitig vorwegnehme, was zumindest tendenziell eine positive Kursprognose rechtfertigen würde. Wahrscheinlicher sei allerdings, dass derzeit ein Enttäuschungspotenzial aufgebaut werde, das sich schon bald in einer neuen deutlichen Kurskorrektur entladen könnte, äußern die Analysten.

Nach den Panikverkäufen direkt nach den Anschlägen auf das World Trade Center erreichten die Notierungen an den internationalen Aktienmärkten überraschend schnell wieder die Niveaus vom 10. September. Doch Hoffnungen, dass damit die Baisse, die seit März 2000 besteht, beendet ist, haben sich nicht bewahrheitet. "Nach dem Schock folgte fast eine Rückkehr zur Normalität", sagt ein Händler. Und damit rücken wieder Konjunkturdaten und Unternehmenszahlen in den Blickpunkt. "Und das Bild, dass die Konjunktur derzeit bietet, sieht nicht allzu gut aus", heißt es.

Latente Verunsicherung

Auf die starke Verunsicherung der Anleger verweisen die Commerzbank in Frankfurt am Main und das Bankhaus Ellwanger & Geiger in Stuttgart. Die Orientierungslosigkeit vieler Marktteilnehmer halte weiter an, stellt die Commerzbank fest. Jede Bekanntgabe von Unternehmenszahlen führe zu überproportionalen Ausschlägen nach oben oder unten. Auch die weltpolitische Situation trage zu einer latenten Verunsicherung der Aktienmärkte bei. Das Bankhaus Ellwanger & Geiger geht davon aus, dass der Druck auf die Kurse angesichts der Angst vor weiteren Milzbrandfällen und des schwächelnden Wirtschaftswachstums in den USA anhalten wird.

"Verlockende Konstellation" spricht für Aktien

Ähnlich betont die Bankgesellschaft Berlin zwar, dass auf absehbare Zeit wohl kaum mit einer Rückkehr zur Normalität zu rechnen sei. Als Folge dürften die Aktienmärkte "weiterhin sehr volatil bleiben". Sie geht aber dennoch davon aus, dass die immer noch im überverkauften Bereich liegenden Aktienindizes und der vergleichsweise hohe Pessimismus in den nächsten Wochen "für eine positive Grundtendenz sorgen" werden. "Tatsächlich sollten die Weichen für eine Besserung inzwischen gestellt sein", betonen die Analysten. Falls die Risiken der politisch-militärischen Lage begrenzt blieben, "zeichnet sich zumindest auf mittlere Sicht eine verlockende Konstellation für Aktien ab, bestehend aus Ertragsfantasie einerseits und niedrigen Leitzinsen andererseits".

"Relative Stärke" bei Technologieaktien

Die Bankgesellschaft rechnet damit, dass bei einer Fortsetzung der Aufwärtsbewegung international vor allem Technologieaktien «relative Stärke» zeigen dürften. Von den deutschen Aktien hält sie auf dem derzeitigen Kursniveau unter anderem Deutsche Bank und Eon für einen "Kauf". Die Commerzbank empfiehlt insbesondere "defensive Qualitätswerte" wie Daimler-Chrysler, Siemens und Allianz als Anlageschwerpunkte. Das Bankhaus Ellwanger & Geiger rät zur Zurückhaltung und folglich zum Einsatz von höchstens einem Drittel der geplanten Investitionssumme in Einzeltitel. Favoriten bei Versicherungen sind Allianz, bei Energieversorgern MVV Energie und bei Pharma Schering. Neu nimmt das Bankhaus Porsche auf Grund seines hervorragenden Produktportfolios und seines herausragenden Markenimages in seine Empfehlungsliste auf.

Laufzeitverkürzung für Rentenpapiere empfohlen

Weder in den USA noch in Euroland können die aktuellen konjunkturellen Daten derzeit überzeugen. Auf dem Rentenmarkt spiegeln die aktuellen Kurse festverzinslicher Wertpapiere außerdem eine eher zu pessimistische Beurteilung der Wirtschaftsentwicklung wider. Die Commerzbank rät vor diesem Hintergrund privaten Anlegern, das erreichte Renditeniveau für Gewinnmitnahmen zu nutzen und gleichzeitig eine Laufzeitverkürzung in den vierjährigen Bereich vorzunehmen.

Mit gebremster Euphorie

"So lange die Kämpfe anhalten und sich womöglich noch intensivieren, bleibt Wall Street das Stimmungsbarometer der Börsen weltweit", meint ein Händler. Daher sei es für Europa momentan fast unmöglich, eine eigenständige Entwicklung zu nehmen. Hinzu kommt, dass die Fiskal- und Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve bereits wichtige Weichenstellungen für eine nachhaltigere Konjunkturwende vorgenommen hat. Dadurch, so Marktteilnehmer, werde sich das allgemeine Ertragsumfeld der Unternehmen erheblich verbessern. Händler sind daher zuversichtlich, dass sich in nächster Zeit die Hinweise auf eine Ertragswende mehren werden. Unter der Annahme, dass die Risiken begrenzt bleiben, zeichnet sich zumindest auf mittlere Sicht eine gute Konstellation für Aktien ab, bestehend aus Ertragsfantasie einerseits und niedrigen Leitzinsen andererseits.

Weniger gute Noten als die Fed erhält derzeit die Europäische Zentralbank (EZB) aus Handelskreisen. Deren Politik des "Zögerns und Zauderns", wie im Markt kritisiert wird, kann am Donnerstag bei der EZB-Ratssitzung ein Ende finden. Allgemein erwarten Händler und Analysten, dass die EZB ihre Leitzinsen um mindestens 25 Basispunkte senkt. Das sollte den Aktienkursen aber nur kurzfristig auf die Sprünge helfen, heißt es. Denn eine solche Senkung sei bereits mit dem zurückliegenden Kursanstieg abgearbeitet worden.

In der kommenden Woche geben neben einigen MDax-Werten wie Software, Dürr und ProSieben (am Mittwoch) und Deutz und Merck (am Donnerstag) auch die Dax-Titel Daimler-Chrysler (am Dienstag) und Hypovereinsbank (am Donnerstag) Quartalszahlen bekannt. Das wird, ebenso wie die Berichte europäischer Blue Chips, Impulse geben. Dazu kommen weitere Konjunkturindikatoren aus den USA am Montag und das Beige Book der Fed am Mittwoch. Am nächsten Freitag dann wird die US-Regierung einen Überblick über ihren Haushalt liefern, und die Uni Michigan veröffentlicht die neuesten Daten zum US-Verbrauchervertrauen.

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