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Lauda-Interview: "Formel-eins-Weltmeister zu werden hat mich mehr Nerven gekostet"

Handelsblatt: Was bringt die Beteiligung an der Star Alliance einer kleinen Fluggesellschaft wie Lauda Air? Fürchten Sie nicht, zum Bauernopfer im Interessenkonflikt der Giganten zu werden?

Lauda: Ganz im Gegenteil. Die Star Alliance sichert unser Überleben, denn jedes Mitglied hat den selben Status und das selbe Stimmrecht. Da kann keiner in der Interessensphäre des anderen räubern. Ich bin sehr zufrieden mit der Entwicklung, denn Lauda Air konnte sich in den wenigen Wochen der Mitgliedschaft exzellent platzieren.

Sie sind mit dem Management der Austrian Airlines-Group nach dem Star-Alliance-Beitritt hart ins Gericht gegangen, als es um die Neuaufteilung der Strecken ging. Ihr Vorwurf: Lauda Air sei zu kurz gekommen. Von AUA-Vorstandsdirektor Herbert Bammer wird überdies die Aussage kolportiert, es gehe ihm vor allem um die AUA - danach die Sintflut.

Es ist richtig, ich war von der ersten Aufteilung enttäuscht. Aber inzwischen wurde nachverhandelt und Lauda Air fliegt nun die Verbindung Linz-Frankfurt als lukrative Kurzstrecke. Letztendlich geht es nur ums Geldverdienen. Auf welcher Strecke ich das mache, ist mir egal.

Lauda Air flog im Geschäftsjahr 1999 erstmals seit 1991 wieder in die Verlustzone. Der Jahresabschluss weist ein Minus von 83,9 Millionen Schilling (6,1 Millionen Euro) auf. Für das laufende Jahr peilen Sie ein Plus-minus-null-Ergebnis an. Ist das angesichts der Turbulenzen am Himmel nicht zu positiv gerechnet?

Der Dollarkurs und der hohe Treibstoffpreis werden das Ergebnis wahrscheinlich nach unten revidieren. Lauda Air steht überdies unter dem Zwang, in diesem Jahr 245 Millionen Schilling einsparen zu müssen. Eine der Maßnahmen wird die Verteuerung der Flugpreise um durchschnittlich zwei bis drei Prozent pro Ticket sein.

Das bedeutet für den einzelnen Fluggast ein großer Brauner weniger im Kaffeehaus - das ist zu verschmerzen. Aber letztendlich hängt alles an der Frage, wohin sich der Dollar in den nächsten vier Monaten bewegen wird. Steigt er weiter, fahren wir Verluste ein; gibt er nach, könnten wir mit einem blauen Auge davonkommen, denn wenn der Kurs nur um einen Schilling zurückgeht, gewinnen wir 100 Millionen Schilling.

Lauda Air hat sich als Gourmet-Flieger unter den Airlines etabliert. Jetzt haben Sie angekündigt, dass auch dieser Bereich neu überdacht werden muss. Raten Sie dem Fluggast, sich in Zukunft seine eigenes Lunchpaket mitzubringen, wie es angesichts der miserablen Bordverpflegung bei den meisten Gesellschaften bereits ratsam wäre?

Ja, wir werden auch den Kostenfaktor Bordverpflegung neu überdenken, aber wir werden niemals auf das Niveau vieler unserer Konkurrenten sinken. Lauda Air wird immer eine andere Essensaufbereitung haben.

Lauda Air ist ein Unternehmer-Unternehmen. Ohne die Person Niki Lauda scheint es wenig Daseinsberechtigung zu geben. Ist Lauda Air als Brand etabliert genug, auch ohne den High-Profile-Faktor Niki Lauda zu überleben?

Absolut. Denn alle Umfragen zeigen, dass der Bekanntheitsgrad der Lauda Air gleichzusetzen ist mit dem der Austrian Airlines. Außerdem sind wir mit der richtigen Alliance unterwegs. Natürlich wird der Konkurrenzkampf immer härter. Je mehr Linien auf den Markt drängen, desto billiger werden die Tickets. Aber wir haben uns bis jetzt behauptet und werden das auch in Zukunft tun.

Die staatliche Privatisierungsholding ÖIAG (Österreichische Industrieholding AG) will sich von ihrem 40-Prozent-Anteil an der AUA trennen. Besteht von Ihrer Seite Interesse, bei der Konzernmutter einzusteigen? Möglicherweise im Zusammenspiel mit der Lufthansa?

Die ÖIAG hat noch nicht entschieden, wann der Verkauf der AUA-Anteile ansteht. Ich glaube, dass die Austrian Airlines erst gegen Ende der Legislaturperiode ausgeschrieben wird, und deswegen steht das für mich im Augenblick überhaupt nicht zur Diskussion. Ich kenne auch keine Details über die Umstände der geplanten Privatisierung. Das macht jedes Planspiel zur reinen Spekulation. Die junge Harmonie am Himmel über Österreich soll sich erst einmal im Tagesgeschäft beweisen, bevor Übernahmeträume ins Kraut schießen.

Wäre es nicht eine Genugtuung für Sie, den langjährigen Widersacher zu übernehmen? Ihr Überlebenskampf gegen die AUA hatte gelegentlich Züge einer griechischen Tragödie. Hat Sie das nicht Nerven gekostet?

Formel-eins-Weltmeister zu werden, hat mich mehr Nerven gekostet. Im Vergleich dazu hatte der Kleinkrieg mit den AUA-Staatsdienern Sandkastenformat.

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