Laufzeit und Preissystem umstritten
Streit zwischen BMW und Händlern noch nicht beigelegt

Entgegen den ursprünglichen Planungen wird der Münchener Autohersteller BMW seine Verhandlungen über neue Händlerverträge nicht im April abschließen. "Wir werden vor Ende Mai nichts wissen", sagte Peter Enders, Präsident des Verbandes deutscher BMW-Vertragshändler, am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Es gebe immer noch Differenzen, insbesondere wegen der von BMW geplanten Begrenzung neuer Verträge auf fünf Jahre.

Reuters MÜNCHEN. Auch ein BMW-Sprecher bestätigte, dass im April keine neuen Verträge mehr unterschrieben würden. Die Gespräche mit den Händlern seien aber in der Endphase und sollten im Mai beendet werden.

BMW verhandelt seit längerem über neue Verträge, nachdem die EU-Kommission den Autovertrieb neu geordnet hatte. Mit der so genannten Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) sollen die Autohersteller zur Öffnung ihrer Händlernetze bewogen werden. Autohäuser können damit nicht mehr gezwungen werden, nur eine Marke anzubieten. In der Europäischen Union (EU) gibt es noch erhebliche Preisunterschiede für die gleichen Autos, weshalb Verbraucherschützer die Liberalisierung begrüßen. Die Gewerkschaften befürchten dagegen den Verlust tausender Arbeitsplätze im Mittelstand, weil die Hersteller ihren Direktvertrieb ausbauen könnten.

Laufzeit und Preissystem umstritten

Enders sagte, vor allem die Begrenzung der Laufzeit der neuen Händlerverträge auf fünf Jahre sei inakzeptabel. Außerdem lehne der Verband die Absicht des Konzerns ab, das Preissystem unabhängig vom eigentlichen Händlervertrag zu regeln. BMW könnte damit künftig öfter sein Preissystem während der Vertragslaufzeit ändern, was die Händler dann schlucken müssten. "Händlervertrag und Preissystem müssen im Einklang stehen", forderte Enders. Andernfalls könne Händlern die Existenzgrundlage entzogen werden.

BMW kündigte an, die feste Grundmarge seiner Händler zu drücken, was durch flexible Bonusleistungen wettgemacht werden soll. Leistungsbezogene Komponenten wie Kundenzufriedenheit oder Verkaufsziele sollen eine größere Rolle spielen. Die bei der Siebener-Reihe eingeführte Margenkürzung von 13 auf 11 Prozent solle auch auf andere Modellgruppen wie die Fünfer-Reihe und den Cabrio Z4 ausgeweitet werden.

Ein BMW-Sprecher verteidigte die geplanten Änderungen. Niemand wolle, dass die Händler weniger verdienten. "Wir brauchen gute Händler", sagte der Sprecher. Eine Begrenzung der Vertrags-Laufzeit ist aus Sicht des Konzerns auch im Sinne der EU, die eine größere Flexibilität wolle.

Verband will sich an Brüssel wenden

Der Verband kündigte an, einzelne Vertragsbestandteile der EU-Kommission vorzulegen. Enders zeigte sich aber skeptisch, dass an der geplanten Begrenzung der Verträge zu rütteln sei. "Das erlaubt Brüssel." Er erwarte aber von BMW ein Entgegenkommen bei der Regelung der Preissysteme mit den neuen Verträgen sowie bei der Forderung, dass Händler bei einer Vertragskündigung einen Ausgleich für das Überlassen von Kundendaten bekommen.

Enders sagte, er hoffe, dass es bei BMW noch Gesprächsbereitschaft gebe. Die neuen Vertragsentwürfe erwarte der Verband in den nächsten 14 Tagen. Ob alle bisherigen BMW-Händler am Ende unterschreiben würden, könne er nicht sagen: "Es muss dann jeder wissen, ob sich der Vertrag für ihn lohnt oder er Alternativen hat."

Viele Autohersteller haben die Umstellung auf die neue GVO bereits abgeschlossen. So hatte Daimler-Chrysler Ende September 2002 mitgeteilt, fast alle Händler hätten die neuen Verträge unterschrieben. Die neuen BMW-Verträge sollen ab Oktober gelten.

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