Laupheim trauert
Rotordefekt brachte den Tod

Die Bundeswehr hat erste konkrete Anhaltspunkte für technisches Versagen als Ursache für den tödlichen Hubschrauberabsturz in Kabul am Samstag. "Es verdichten sich Hinweise auf ein technisches Problem im Antrieb des Hauptrotors", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin am Montag.

dpa/rtr BERLIN/KABUL/LAUPHEIM. Bei dem Absturz waren am Samstag alle sieben Bundeswehrsoldaten an Bord getötet worden.

"Es gibt nach den ersten Untersuchungen vor Ort absolut keinen Hinweis auf einen Beschuss des Hubschraubers", sagte der Sprecher weiter. 15 Ermittler aus Deutschland sind seit Sonntag dabei, die Absturzstelle bei der afghanischen Hauptstadt zu untersuchen. Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) hatte schon kurz nach dem Unglück versichert, es habe sich um einen Unfall gehandelt. Einen Angriff schloss er als Ursache aus.

Zwei Tage nach dem Absturz eines Bundeswehrhubschraubers in Kabul haben derweil am Montag im baden- württembergischen Laupheim Angehörige, Soldaten und Politiker in einer Trauerfeier der sieben deutschen Opfer gedacht. Drei der getötete Soldaten waren beim Heeresfliegerregiment 25 in Laupheim stationiert. Bürgermeisterin Monika Sitter sagte: "Es ist, wie wenn aus dem Herzen der Stadt ein Stück herausgerissen worden wäre." Nicht nur die Stadt, sondern das ganze Land sei tief erschüttert.

Der Sprecher des deutschen Kontingents der Schutztruppe in Afghanistan, Paul-Georg Weber, hatte zuvor Kritik an der Ausrüstung der Soldaten in Kabul zurückgewiesen. "Wir arbeiten nach den gleichen Bestimmungen, die auch für die Zivilluftfahrt in Deutschland gelten. Die Maschinen werden in den entsprechenden - hier in Afghanistan kürzeren - Intervallen gewartet", sagte er im Radio Eins (SFB/ORB). Der Unglücks-Hubschrauber sei "insofern in einem einwandfreien Zustand gewesen".

Dennoch hält die Bundeswehr die anderen Maschinen dieses Typs in Afghanistan vorerst am Boden. Nur wenn es absolut notwendig sei, etwa bei medizinischen Rettungseinsätzen, sollten die beiden verbliebenen Hubschrauber vom Typ Sikorsky CH-53 eingesetzt werden, sagte ein Bundeswehrsprecher am Montag in Kabul.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Volker Rühe (CDU), sagte, es sei nicht gerechtfertigt, pauschal veraltetes Gerät für den Absturz verantwortlich zu machen. "Im Augenblick sollten wir wirklich Gemeinsamkeit in der Trauer um die toten Soldaten finden (...) und nicht pauschal den Eindruck erwecken, als ob altes Gerät hier die Ursache für den Absturz ist", sagte Rühe im Deutschlandfunk. Es gebe keinen Grund für den Vorwurf, die Sicherheit der Soldaten in Afghanistan sei vernachlässigt worden. Die militärische Führung der Bundeswehr habe deutlich gemacht, dass keiner ihrer Wünsche von der politischen Führung abgelehnt worden sei.

Auch der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, sagte in mehreren Interviews, bei dem Hubschrauber aus US-Produktion handele es sich zwar um ein sehr altes Waffensystem, gleichwohl sei der 1973 bei der Bundeswehr eingeführte Hubschrauber sehr sicher. Aus dem Unglück einen generellen Vorwurf auf mangelnde Ausrüstung zu machen, sei verfehlt.

Erst am Freitag hatte der Bundestag das Mandat für die Beteiligung der Bundeswehr-Soldaten an der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe ISAF verlängert, außerdem wurde die Aufstockung des Kontingents auf 2 500 von derzeit 1500 Bundeswehr-Soldaten beschlossen. Deutschland und die Niederlande sollen ab Februar 2003 für die Dauer von sechs Monaten das Kommando über die ISAF übernehmen.

Die Leichen der sieben getöteten Soldaten sollten nicht vor Mittwoch nach Deutschland zurückgeflogen werden, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Auch die Trümmer des Hubschraubers sollen Bundeswehrangaben zufolge zu weiteren Untersuchungen nach Deutschland gebracht werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%