Lausanner Studie zur Wettbewerbsfähigkeit
Deutschland steigt in die Mittelklasse ab

Die Klagen der Arbeitgeber über den Standort Deutschland erhalten neue Nahrung: Nach einer neuen Studie fällt die Bundesrepublik von Platz 12 auf Platz 15 ab. Schuld ist vor allem das geringe deutsche Wirtschaftswachstum - und die mangelnde Fähigkeit, sich auf Veränderungen schnell einzustellen.

ay DÜSSELDORF. Deutschland verliert als Wirtschaftsmacht weltweit den Anschluss. Zwar wirkt sich besonders das mäßige Wirtschaftswachstum auf die schlechte Beurteilung Deutschlands als Wirtschaftsstandort aus. Doch erhält auch die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder schlechte Noten in einer Untersuchung des Universitätsinstitutes IMD (International Institute für Management Development) in Lausanne/Schweiz. In dem vom IMD am Montag veröffentlichten "Jahrbuch der Wettbewerbsfähigkeit" ("Competiveness Yearbook") für 2002 findet sich Deutschland nur noch auf Rang 15 von 50 Ländern. Im Vorjahr stand es drei Plätze besser, 2001 sogar noch vier.

Vor allem wegen der Wachstumseinbrüche fielen einige asiatische Länder diesmal deutlich zurück, die Plätze vor Deutschland werden jetzt überwiegend von traditionellen Industriestaaten eingenommen. Unangefochten rangieren die USA seit Jahren an der Spitze der Rangliste, die auf der Einschätzung von rund 4000 Managern und Analysten aus aller Welt basiert.

Das IMD sieht zwei Ursachen für den Abstieg Deutschlands. Es nennt vor allem das relativ niedrige Wirtschaftswachstum. Dasselbe gilt aber auch für Schweden (Platz 11 statt Platz 8 im Vorjahr) und Japan, das jetzt nur noch auf Platz 30 liegt gegenüber Platz 24 vor zwei Jahren. Entscheidend ist jedoch, dass die Fähigkeit der deutschen Wirtschaft, sich auf die weltwirtschaftlichen Veränderungen schnell einzustellen, ungewöhnlich skeptisch beurteilt wird: Hier wird Deutschland unter 50 Ländern nur auf Platz 46 gesehen, hinter Frankreich und Japan (auf den Plätzen 44 beziehungsweise 43).

Schlechte Noten erhält in diesem Zusammenhang die Berliner Wirtschaftspolitik: Statt wie 2001 auf Platz 13 wird die Berliner Politik hier nur noch auf Platz 21 positioniert. Mehr Flexibilität wird Ländern wie Singapur, Malaysia, Luxemburg und Finnland zugetraut.

Global hat die Unkalkulierbarkeit der Weltwirtschaft deutlich zugenommen, meinen die Lausanner Analysten. Dies treffe besonders die Länder in Asien. Allerdings müsse das nicht immer negativ gesehen werden: Es sei nicht auszuschließen, dass gerade diese Länder sogar schon in der ersten Hälfte des laufenden Jahres wieder zu einem kräftigen gesamtwirtschaftlichen Aufschwung zurückkehren könnten. Dies zeichne sich etwa in Korea ab, dessen Wirtschaft durch den hohen Anteil der Chip-Produktion angetrieben werde. Aus Asien kommt laut IMD aber auch die schlechteste Nachricht: Japan als zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt leistet weiterhin keinen Beitrag zum Wachstum der Weltwirtschaft.

Eine der wenigen Positionen, in denen Deutschland eine führende Rolle in der Weltwirtschaft spielt, ist der Außenhandel. Hier wird Deutschland von den Managern weltweit als die Nummer Eins unter den wichtigsten Exportüberschussländern eingestuft - vor Japan und Russland (wegen der hohen Ölexporte), Kanada und Irland. Das Bild sieht jedoch anders aus, wenn es um die Einschätzung als High-Tech-Exporteur geht: Hier führen durchweg Schwellenländer, und zwar Singapur auf Platz eins vor Korea, China und Malaysia. Der Grund ist der hohe Anteil von High Tech-Produkten am Gesamtexport, der im Falle Singapurs bei 62 % liegt. Dies könne künftig ins Negative umschlagen, wenn die Abhängigkeit von einem Land oder Absatzmarkt zu groß wird, etwa im Falle der genannten High-Tech-Exporteure, die einen großen Anteil ihrer Ausfuhren in den USA absetzen. Die hohe Exportabhängigkeit von einer Branche und/oder einem Absatzmarkt unterstreiche die Notwendigkeit von Strukturreformen. Dies hätten inzwischen besonders Länder in Asien und Lateinamerika erkannt. Als Rezept empfehlen die Lausanner Analytiker eine Revitalisierung der nationalen Wirtschaft mit dem Ziel höherer Diversifizierung von Produkten wie auch Märkten.

Das "Jahrbuch der Wettbewerbsfähigkeit" wird von einer Gruppe von Volkswirtschaftlern der Universität Lausanne und des dortigen IMD-Institutes erstellt. Sie zieht dabei nicht nur statistische Länderdaten heran, sondern befragt rund 4000 Manager und Analysten in Universitäten und Wirtschaftsforschungsinstituten aus 70 Ländern. Eine ähnliche, konkurrierende Untersuchung veröffentlicht das Genfer Weltwirtschaftsforum meist im Sommer. Sie kommt allerdings auf Grund anderer Kriterien nicht zu den gleichen Ergebnissen wie das IMD.

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