Laut Larry Ellison ist mit den jüngsten Ergebnissen die Talsohle erreicht
Oracles Ergebnis garantiert noch keine Erholung

Für die leidgeplagten High-Tech-Anleger war es der ersehnte Hoffnungsschimmer: der US-Softwarekonzern Oracle erfüllte mit seinem Quartalsabschluss die Prognosen und gab einen optimistischen Geschäftsausblick.

PALO ALTO. Der Aktienkurs des Unternehmen stieg prompt um 13 % und legte bis zum Ende der Woche weiter auf knapp 17,50 Dollar zu.

Namhafte Brokerhäuser, unter ihnen Merrill Lynch, stuften darauf das Softwarehaus in ihren Einschätzungen höher. In ersten Vorhersagen war bereits davon die Rede, dass es der Sektor Software vor Chips, Computerhardware oder Netzausrüstungen sein wird, der die angeschlagenen Technologiewerte aus der Talsohle führen wird. Oracle wird in diesem Zusammenhang derzeit als Hoffungsträger eingestuft.

Genesungsprognosen nicht zwingend ableitbar

Nimmt man jedoch die jüngsten Quartalszahlen des Spezialisten für Datenbanken und Software für betriebswirtschaftliche Anwendungen genauer unter die Lupe, zeigt sich, dass daraus nicht zwingend rasche Genesungsprognosen abgeleitet werden können. Der gerne laut tönende Oracle-Chef Larry Ellison ist sich zwar sicher, dass mit den jüngsten Ergebnissen die Talsohle erreicht sei. Doch dabei scheint er mehr auf das Prinzip Hoffnung zu setzen.

Dies bestätigte Oracles Finanzchef Jeff Henley in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Er hoffe, dass das Schlimmste vorbei sei, sagte er. Noch könne man jedoch nicht sicher sein. Das klingt realistischer als die derzeit besonders aggressiven Werbesprüche von Ellison. Im Lizenzgeschäft für das laufende Quartal erwartet der Finanzchef ein "Null-Wachstum" mit einem geschätzten Gewinn je Aktie von im Vergleich zum Vorjahr unveränderten acht Cent.

Gerade das Geschäft mit Suite 11i für betriebswirtschaftliche Software blieb mit einem Einbruch von 24 % weit hinter den Erwartungen zurück. Das Software-Angebot, mit dem Oracle seine Konkurrenten SAP und Siebel in die Schranken weisen will, wird vom Markt nicht im gewünschten Maße angenommen. Dabei hatte Ellison gerade in diesem Bereich wiederholt Steigerungsraten um wenigstens 20 % bis 30 % versprochen. Es gilt nun als wenig wahrscheinlich, dass das benötigte Wachstum in den nächsten Quartalen aus diesem Bereich kommt.

Eine Überraschung dagegen war, dass Oracle im vergangenen Quartal keinen Rückgang im Lizenzgeschäft mit Datenbanksoftware erlitten hat - der anteilige Umsatz entspricht etwa 70 % des Gesamtumsatzes -, wenn auch kein weiteres Wachstum gelang. Die Analysten hatten hier mit einem Rückgang von etwa 10 % gerechnet. Das für Oracle so wichtige Datenbankgeschäft ist somit noch einmal davongekommen. Das wird, so sehen das eine Reihe von Marktbeoachtern, nicht so bleiben. Die beiden wichtigsten Konkurrenten, IBM und Microsoft, haben aufgeholt und setzen Oracle unter enormen Druck.

IBM nimmt nun neben seinem angestammten Geschäft mit Datenbanksoftware für Großrechner auch den Bereich Unix-Server sehr ernst. Ellisons Erzrivale Microsoft gewinnt bei Datenbanken für sein eigenes Betriebsystem Windows NT/2000 langsam, aber kontinuierlich an Boden.

Oracle sieht sich daher gezwungen, seine neue Datenbank-Version 9i, die vor wenigen Tagen auf den Markt kam, mit Preisen, die deutlich unter dem bisherigen Angebotsniveau liegen, zu vermarkten. Unter diesen Umständen dürfte es in den nächsten Quartalen schwer sein, ein Wachstum zu erreichen, das den Wert der Oracle-Aktie wieder in einen Bereich über 40 Dollar bringen würde.

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