Laut staatlicher Wahlkommission ist Stichwahl am 8. Oktober erfoderlich
Milosevic verliert gegen Kostunica

Der Machtkampf zwischen dem international geächteten jugoslawische Präsidenten Slobodan Milosevic und seinem Herausforderer Vojislav Kostunica geht am 8. Oktober mit einer Stichwahl in die zweite Runde. Milosevic unterlag dem Oppositionspolitiker, aber kein Kandidat habe eine absolute Mehrheit bekommen, teilte die staatliche Wahlkommission am Dienstagabend in Belgrad mit. Milosevics jugoslawische Führung aus Sozialisten und der Jugoslawischen Linken (JUL) beansprucht aber einen Sieg bei der Parlamentswahl und will die neue Bundesregierung stellen.

dpa BELGRAD. Kostunica, Kandidat der Demokratischen Opposition Serbiens (DOS), habe 48,22 % der rund fünf Millionen abgegebenen Stimmen erhalten, erklärte die Kommission. Milosevic sei auf 40,23 % gekommen. Die Wahlbeteiligung lag offiziell bei 64 %. Ein schon von der Opposition verkündeter Sieg bei den Präsidentenwahlen wurde damit nicht anerkannt, wie aus den Abendmeldungen des Staatsfernsehens deutlich wurde. Nach Angaben von DOS hatte Kostunica 54,6 und Milosevic lediglich 35 % der Stimmen erhalten.

Mit einer Initiative zur Aufhebung der Sanktionen gegen Jugoslawien hatte die Europäische Union zuvor den Druck auf das Regime von Milosevic erhöht. Die französische EU-Ratspräsidentschaft forderte am Dienstag das Ende der Sanktionen und erklärte Milosevic zum Wahlverlierer. Der französische Außenminister Hubert Vedrine sagte: "Die Stunde des Wandels hat in Belgrad geschlagen. Mit dieser Wahl hat etwas begonnen, was nicht mehr zu stoppen ist." Als Ratspräsident fordere er die EU-Kommission auf, die nötigen Vorschläge für eine schnelle Aufhebung der Sanktionen vorzulegen. Das serbische Volk habe mit der Wahl klar und massiv Ja zur Demokratie und der Rückkehr Serbiens nach Europa gesagt.

In der Nacht zum Dienstag hatte die Opposition wieder Zehntausende zu Siegesfeiern versammelt. Nach einem Erfolg bei den jugoslawischen Wahlen verlangte die DOS die Ausschreibung von vorgezogenen Wahlen in der Teilrepublik Serbien. Diese seien wegen des neu entstandenen "Dualismus" notwendig, sagte der DOS-Sprecher Jovanovic. Die DOS beanspruchte nach eigenen Angaben im jugoslawischen Bundesparlament eine Mehrheit. Das serbische Republiksparlament aber wird von einer Koalition aus Sozialisten, der kommunistischen JUL und der Radikalen Partei (SRS) beherrscht.

Moskau rief alle politischen Kräfte in Jugoslawien zur Mäßigung und Zurückhaltung auf. Die erste Runde der Präsidentschaftswahlen habe bereits ein "bedeutendes demokratisches Potenzial in der jugoslawischen Gesellschaft aufgezeigt". "Jetzt aber müssen bürgerlicher Frieden und Stabilität im Lande gewahrt werden", wurde das Außenministerium zitiert. Moskau forderte, die Isolation Jugoslawiens zu beenden und Sanktionen aufzuheben.

Britischer Außenminister droht mit Streitkräften des Westens



Britische Kriegsschiffe hielten vor der Küste von Montenegro Manöver ab. Das habe aber nichts mit den Wahlen in Jugoslawien zu tun, sagte am Abend ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in London. "Großbritannien hat mehrere Schiffe in der Gegend, aber die sind nicht da, um irgendwem eine Nachricht zu senden." Zu den 15 Schiffen gehöre auch ein Flugzeugträger. Kroatien hielt ein gemeinsames Manöver mit US-Einheiten ab.

Mehrere serbische oppositionelle Parteien berichteten unterdessen über eine Mobilisierung von Reservisten für die Armee. Militärpolizisten überbringen nach diesen Angaben seit Dienstagmorgen Einberufungsbefehle zu mehrtägigen Übungen. Die Bürgerallianz Serbiens (GSS) teilte mit, es würden vor allem Aktivisten der Opposition zum Dienst gerufen. Das jugoslawische Informationsministerium drohte unterdessen ausländischen Korrespondenten mit dem Entzug ihrer Akkreditierungen, weil Bürger "ungenau und tendenziös" zitiert würden.

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