Laut Umfragen Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden Spitzenkandidaten - Kaum Unterschiede in der Wirtschaftspolitik
Amtliches Ergebnis der Wahlen in Mexiko wird erst am Mittwoch erwartet

Reuters MEXIKO-STADT. In Mexiko, dem volkreichsten Land Lateinamerikas, waren am Sonntag etwa 59 Millionen Menschen zur Wahl eines neuen Präsidenten und eines neuen Parlaments aufgerufen. Ferner standen in einigen Bundesstaaten und Städten Regional- und Kommunalwahlen an. Die Stimmabgabe war in den meisten Staaten von 08.00 Uhr bis 20.00 Uhr (15.00 Uhr bis 01.00 Uhr MESZ am Montag) möglich - wegen der Zeitverschiebung im Nordwesten, am Pazifik, drei Stunden länger.

In das Rennen um das Präsidentenamt gingen die beiden Spitzenbewerber Kopf an Kopf mit je 40 % Zustimmung in den Umfragen: Francisco Labastida (57) von der Regierungspartei PRI und der gleichaltrige Vicente Fox von der Oppositionspartei PAN. Beide Kandidaten vertreten eine fast identische Wirtschaftspolitik - für Vollbeschäftigung und niedrige Inflation. Der gegenwärtige Präsident Ernesto Zedillo (PRI) konnte nach der Verfassung nicht für eine zweite Amtszeit antreten.

Am Montagmorgen gegen 03.00 Uhr, wenn an der Pazifikküste die letzten Wahllokale schließen, werden die ersten Prognosen erwartet. Um 06.00 Uhr MESZ veröffentlicht die Bundeswahlkommission IFE Hochrechnungen des Ergebnisses der Präsidentenwahl. Mit dem Endergebnis wird erst am Mittwoch gerechnet.

Die Wahlen werden von fast 700 ausländischen Beobachtern verfolgt, unter ihne ist auch der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter. Er würdigte am Samstag die Fortschritte Mexikos zur Demokratie.
PRI, die Partei der Institutionalisierten Revolution, ist seit 1929 tonangebend. Sie hat seither alle Präsidenten gestellt, und verlor erst 1997 die Mehrheit im Abgeordnetenhaus des Parlaments an die PAN und die linke Partei der Demokratischen Revolution (PRD).

Der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa hat einmal gesagt, die Mexikaner lebten in "einer perfekten Diktatur". Nun aber sorge die Wahlkommission für Fairness, sagte Carter.
Ganz hat die PRI nach Informationen der Zeitung "Reforma" die alten Praktiken aber noch nicht aufgegeben. Sie berichtete am Samstag unter Berufung auf den Mitschnitt eines Telefonats, der Gouverneur des Staates Michoacan habe 800 Mill. Peso (über 160 Mill. DM) Staatsgelder für den PRI-Wahlkampf abgezweigt.

Gouverneur Victor Manuel Tinoco Rubin dementierte den Bericht. Am Sonntag berichtete "Reforma", fünf Mitglieder der Nationalen Aktionspartei (PAN) seien verhaftet worden, weil sie Kopien des Zeitungsberichts öffentlich verteilt hätten.

Carter sagte, er habe die Zusicherung der beiden Spitzenkandidaten und des drittplatzierten Bewerbers Cuautemoc Cardenas von der PRD, das Ergebnis anzuerkennen, wenn es keine Unregelmäßigkeiten gegeben habe. Sollten sie vermutet oder festgestellt werden, befasst sich damit das Wahltribunal Trife. Es hätte bis zum 6. September Zeit für ein Urteil.

Mexiko lebt überwiegend von seiner Industrie, und nur zu etwa zehn Prozent von Erdöl und Erdgas. Die Spitzenstellungen in der verarbeitenden Industrie haben Elektrotechnik und Elektronik sowie Automobile und Autoteile, gefolgt von Maschinen und Textilien. Seit 1994 ist Mexiko Mitglied der NAFTA, der Freihandelszone, der sonst noch der nördliche Nachbar USA und Kanada angehören. Zudem hat das Land ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union (EU) geschlossen.

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