Laut Wall Street Journal
EM.TV kann Rate an Ecclestone nicht bezahlen

Der Münchner Medienkonzern EM.TV kann angeblich eine am Dienstag (13. Februar) fällige Zahlung von rund 360 Mill. DM an Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone nicht leisten und würde damit dem Briten die Möglichkeit verschaffen, sich mit anderen Partnern um die kommerziellen Rechte an der Königsklasse ab 2010 zu bewerben.

sid FRANKFURT. Dies berichtete das Wall Street Journal Europe am Dienstag. "Zu Pressespekulationen werden wir keine Stellung nehmen und diese auch nicht kommentieren", erklärte Dr. Michael Birnbaum, Leiter der Unternehmenskommunikation von EM. TV..

Laut der Zeitung versuche der finanziell angeschlagene Medienkonzern von Thomas Haffa zugleich allerdings, gemeinsam mit dem Münchner Medienmogul Leo Kirch rund zwei Mrd. DM aufzutreiben, um eine Option auf weitere 25 % an der Formel-1-Holding Slec einzulösen. Diese Option in Höhe von etwa 980 Mill. Dollar, die bis Ende Februar gezogen werden muss, hatte Haffa im vorigen Jahr vereinbart, als er für rund 3,3 Mrd. DM 50 % der Anteile an Slec übernahm.

Sollte EM.TV dieses Kaufrecht wahrnehmen, hätte man mit einem möglichen Partner Kirch mit 75 % der Slec-Anteile die Kontrolle über den PS-Zirkus, was weder Ecclestone noch den in der Formel 1 aktiven großen Autoherstellern wie DaimlerChrysler, BMW, Fiat, Renault und Ford gefallen dürfte. "Wir sehen diese Entwicklung mit Sorge. Das Ziel, die Formel 1 noch attraktiver zu gestalten, ist bei den gegenwärtigen Vorgängen gefährdet", erklärte in dieser Woche DaimlerChrysler-Vorstand Jürgen Hubbert.

Auch Ecclestone hat noch nicht bezahlt

Die Hersteller versuchen bereits seit längerer Zeit, selbst Anteile an der Formel 1 zu erwerben, um die Stabilität des Sports zu gewährleisten. So hatte das Konsortium im letzten Jahr ebenfalls ein Angebot an den Automobil-Weltverband FIA für die Vermarktungsrechte ab 2010 gerichtet. Die FIA hatte die Offerte aber unter Hinweis auf die bereits für rund 720 Mill. DM erzielte Einigung mit Slec abgelehnt. Aufgrund dieser Vereinbarung hatte die EU-Kommission zuletzt angekündigt, die Ermittlungen gegen die Formel 1 wegen der Bildung eines Monopols einzustellen.

Bislang hat Ecclestone die Rate an die FIA aber laut Informationen der Financial Times nicht bezahlt. Der Brite wartet offenbar auf den Eingang des EM.TV-Anteils. FIA-Präsident Max Mosley hat bereits gedroht, im Falle der Nichtzahlung der vereinbarten Summe die Rechte an das Herstellerkonsortium weiterzugeben. Laut Wall Street Journal könnte Ecclestone sich aber auch gemeinsam mit den Konzernen um diese Rechte bewerben, was wiederum den Wert von Slec und der EM.TV-Anteile negativ beeinflussen könnte.

Mit der Zahlungsaufforderung an EM.TV will Ecclestone laut Wall Street Journal Druck ausüben und die Beteiligung von Kirch verhindern. Dessen Konzern hält in Deutschland die Pay-TV-Rechte an der Formel 1 (Premiere World) und könnte als Mehrheitseigner von Slec über eine Einschränkung der Free-TV-Übertragung, im Moment im Besitz von RTL, versuchen, die Abonnentenzahlen von Premiere World zu steigern. Ähnliche Absichten verfolgt Kirch auch in der Fußball-Bundesliga, wo eine spätere Spieltags-Zusammenfassung im Free-TV bei SAT.1 (gegen 22.00 Uhr) das Interesse am Pay-TV künstlich steigern könnte.

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