Lavastrom bedroht Seilbahn
Ätna spuckt wieder deutlich mehr Feuer

Nach zwei Tagen relativer Ruhe hat der Ätna am Donnerstag wieder deutlich mehr Feuer gespuckt. Alle paar Sekunden waren in den Dörfern rund um den sizilianischen Vulkan heftige Explosionen aus dem größten der Krater zu hören.

dpa NICOLOSI. Ein neuer Lavastrom beschädigte Teile der Seilbahnanlage. Er bewege sich auf die Talstation der Bahn und die Schutzhütte "Sapienza" zu, bestätigte ein Sprecher der Zivilschutzbehörde. In der Nacht hatte sich nach Augenzeugenberichten ein Riss unterhalb des 3 340 Meter hohen Gipfels in einen neuen Krater verwandelt, aus dem große Mengen Lava flossen. Unterdessen warf ein führender Vulkanologe Italiens der Zivilschutzbehörde vor, die Lage am Ätna zu verharmlosen.

Die Lava habe Stützen der Seilbahn und eine kleinere Materialhütte in Mitleidenschaft gezogen, teilte der Zivilschutz mit. Der Strom aus geschmolzenem Gestein sei nur noch wenige hundert Meter von Gebäuden entfernt. Bagger arbeiteten jedoch mit Hochdruck an der Errichtung von Schutzdämmen. Ein örtlicher Radiosender meldete, ein Wettlauf gegen die Zeit habe begonnen.

Magma-Herd hat "unübliche Dimensionen"

Der große Lavastrom, der sich in den vergangenen Tagen der Ortschaft Nicolosi bis auf rund vier Kilometer genähert hatte, hat sich nach offiziellen Angaben kaum weiterbewegt. "Es besteht überhaupt keine Gefahr für die Bevölkerung", sagte der Bürgermeister von Nicolosi, Salvatore Moschetto. Ein Sprecher der Zivilschutzbehörde erklärte, die einzige Gefahr bestehe darin, dass heiße Lava unter den bereits erkalteten Lavaschichten durchfließen und in tieferen Lagen an die Oberfläche gelangen könnte. In der Vergangenheit sei dieses Phänomen oft erst Wochen nach einem Ausbruch von Europas aktivstem Vulkan aufgetreten. Der Notstand in der Region Catania bleibe deshalb weiter in Kraft.

Nach Berechnungen des Nationalen Instituts für Vulkanologie könnte der Ätna noch heftiger toben, sagte Institutsleiter Enzo Boschi am Donnerstag in einem Interview mit der Tageszeitung "Sicilia". Der Magma-Herd im Innern des Vulkans habe im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten "unübliche Dimensionen". Der Leiter der Nationalen Zivilschutzbehörde, Franco Barberi, habe die Warnungen des Instituts nicht ernst genommen. Barberi, selbst Vulkanologe, hatte zuletzt am Mittwoch erklärt, es gebe klare Anzeichen für eine Beruhigung des Ätna. Daraufhin war er in seine Zentrale nach Rom zurückgeflogen.

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