LBS – Im Spannungsfeld von Personalisierung, Privatsphäre und echtem Kundennutzen
Location Based Services

Location Based Services (LBS), oder mit anderen Worten Zusatzdienste, die das Wissen um den Ort des mobilen Endgerätes zusammen mit anderen Diensten, Informationen und Applikationen nutzen, um beim Kunden Mehrwert zu schaffen, sind spätestens seit dem Mobilfunkboom der letzten Jahren in aller Ohren. Medien, Operator, Contentanbieter und Hardwarehersteller schwärmen gleichermaßen von DER "Killer Applikation", welche die mobile Welt im Handstreich verbessern und eine neue sprudelnde Umsatzquelle wird. Aber inwieweit werden Location Based Services dem Endkunden tatsächlich echten Nutzen stiften und ihn dazu veranlassen, diese auch zu nutzen? Mehr zur mobilen Zukunft im Mobile Special

Die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung ist stark geprägt von einer steigenden Mobilität der Bevölkerung, was zu einer wachsenden Häufigkeit aber auch Komplexität von mobilen Zeiten in ständig wechselnden Umgebungen führt. Daraus resultieren neue Bedürfnisse, insbesondere nach persönlichen, zeitgerechten und ortsspezifischen Diensten.

Zur CeBIT im März dieses Jahres wurden die ersten Dienste von deutschen Operator vorgestellt und angeboten. Dabei handelt es sich größtenteils um Informationsdienste wie z.B. die Nummer vom nächstgelegenen Taxiservice, die nächste Tankstelle oder ein Restaurantführer mit integriertem Routenplaner. Die Position des Benutzers, oder genauer gesagt seines Endgerätes wird dabei automatisch erfasst (mehr oder weniger genau).

Wir stehen damit am Anfang der ortsspezischen Dienste, die noch hauptsächlich auf das Anbieten von Informationen ausgerichtet sind. Bald wird dem das Transaktionselement hinzugefügt, z.B. die Suche nach dem nächsten Kino und laufenden Filmen mit anschließender Ticketbestellung, -bezahlung und Speicherung eines elektronischen Tickets. Während dieser Entwicklung wird die Interaktion zwischen Anbietern und Nachfragern steigen - bessere und geeignete Dienstangebote, für jeden Kunden individuell angepasst und ausgerichtet, sollen die Folge sein. Der Nutzenwert der Dienste wird dann dramatisch steigen, da sie ein Tool sein werden, um die Komplexität des Lebens in mobilen Umgebungen zu vereinfachen. So lautet die grobe Vorstellung der meisten Anbieter und Entwickler von Location Based Services. Aber welche Herausforderungen und Barrieren stehen dieser Idealvorstellung noch im Wege?

Neben technologischen Herausforderungen, wie Verbesserung der Lokalisierungstechnologien (zur Zeit wird mit Zellenorientierten Ortungsverfahren eine "Genauigkeit" von 200 - 30 000 m erreicht) und Lösung der Anlaufprobleme von GPRS werden zwei weitere Themen für den Erfolg von Location Based Services entscheidend sein: Personalisierung und Privacy.

Personalisierung ist dabei der Schlüssel für die Entwicklung von LBS. Ein Profil des Benutzers mit seinen Präferenzen in Verbindung mit der Historie bereits getätigter Käufe, Verhaltensmuster etc. ist nötig, um ein auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnittenes Angebot zu erhalten. Dies ist entscheidend, wenn man berücksichtigt, wann mobile Endgeräte und Location Based Services hauptsächlich genutzt werden, nämlich in mobilen Situationen. Dabei kommt es darauf an, Bedürfnisse und Wünsche zu einem bestimmten Zeitpunkt und Ort zu erfüllen. Die Personalisierung reduziert im Vorfeld und während der Entscheidung das komplexe Gesamtangebot und reduziert es auf das, was für den Benutzer wirklich wichtig ist. Durch LBS in Kombination mit der Personalisierung erhält der Benutzer dann sein "ideales" Angebot.

Aber inwieweit wird dann die Privatsphäre des Einzelnen gewahrt? Denn das Sammeln von ortsspezifischen Daten des Benutzers in Verbindung mit gespeicherten Verhaltenmustern und Transaktionsdaten macht die Sorge von dem gläsernen Menschen sehr nachvollziehbar. Es muss daher immer die Möglichkeit bestehen, die Identität und persönlichen Daten zu verbergen oder nur bei Bedarf preiszugeben. Fraglich bleibt aber trotzdem, ob der einzelne Benutzer überprüfen kann (oder er es überhaupt weiß?), wer seine Daten sammelt und zu welchem Zeitpunkt und Zweck darauf zugreift.

Was ist also das Fazit? Mobile Endgeräte sind private Geräte, die für persönliche Dinge gebraucht werden: Sprach- oder Datenkommunikation oder als Speicher für persönliche Daten. Der Benutzer ist zu einem Gewissen Grad bereit, einen Teil seiner Privatsphäre aufzugeben - im Austausch für bessere und individuellere Dienste, wenn er sie am meisten benötigt. Der Grat auf dem sich die Anbieter bewegen - zwischen einem persönlichen Angebot und einem ungewollten und insbesondere unerwünschten Eindringen in die Privatsphäre - ist jedoch ziemlich schmal. Wie dieses Problem in der Zukunft gelöst wird, entscheidet maßgeblich über den Erfolg oder Misserfolg von Location Based Services.

Schreiben Sie dem Autor: sung.ha@diebold.de

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