LCD und Plasma lösen die Bildröhre ab
Fernseher mit Flachbildschirmen sind der IFA-Blickfang

Flache Fernseher gibt es inzwischen in allen Größen: von kleinen Minigeräte bis hin zu metergroßen TV-Geräten in Flachdisplays. Die Hersteller kämpfen mit verschiedenen Technologien um die Kunden.

BERLIN. Fernseher mit flachen Bildschirmen sind auch auf der diesjährigen Funkausstellung in Berlin ein Symbol für High Tech in der Unterhaltung. Mit edlen TV-Geräten, die Kinoatmosphäre ins Wohnzimmer bringen sollen, zielen Firmen wie Sharp, Samsung, Loewe, LG Electronics, Metz oder Grundig auf kaufkräftige Kunden. Mit Preisen zwischen 4 000 und 6 000 DM kosten LCD-Fernseher ein Vielfaches dessen, was man für gleich große PC-Monitore bezahlen muss. Das liegt jedoch nur zum geringsten Teil am zusätzlichen TV-Empfangsteil.

LCD sind inzwischen in mobilen Computern und Organizern unverzichtbar. Dabei arbeiten die größeren LCD-Schirme alle nach dem TFT-Prinzip (Thin Film Transistor), bei dem je ein Transistor einen Bildpunkt (Pixel) steuert. So lassen sich Bilder mit höherem Kontrast erzielen als mit einfacheren Flüssigkristall-Technologien. Die Anforderungen an die TV-Wiedergabe sind jedoch wesentlich höher als für Computer-Grafik. Wenn der Mauszeiger bei schnellen Bewegungen einen Schweif bekommt, stört das kaum - bei einem Fussball- oder gar Eishockey-Spiel dagegen sehr. Grund für solche Nachzieher sind die langsamen Reaktionszeiten der Flüssigkristalle. Nur bei besonders hochwertigen Schirmen sind diese schnell genug.

Ein zweiter wesentlicher Faktor ist der Betrachtungswinkel: Ein PC-Monitor wird meistens nur von einer Person genutzt, ein TV-Schirm dagegen von mehreren gleichzeitig betrachtet. Da muss das Display aus allen Winkeln gut aussehen, was bei billigen LCD nicht der Fall ist. Dritter kritischer Punkt ist die Farbwiedergabe: Auf PC-Monitoren sollen Farben knallig sein, doch wenn die Gesichter von Nachrichtensprechern ins Grünliche abkippen, entlarven sich einfache Bildschirme als untauglich. Daher haben große LCD-Produzenten wie Sharp, Samsung oder LG-Philips eigene Serien für TV-Anwendungen aufgelegt, die auf eine höhere Wiedergabequalität zielen. Nicht zuletzt können sich die Firmen damit dem Preisdruck entziehen, der von den aggressiven Taiwan-Herstellern ausgeht.

Einige Prototypen kosten mehr als 20 000 Mark

Von der Größe her liegen die LCD- Bildschirme zurzeit noch unter 20 Zoll. Flache Fernseher mit größerer Diagonale (52 cm) werden zum Jahresende auf den Markt kommen und zwischen 8 000 und 10 000 Mark kosten. Der Deutschen liebstes TV-Format, der klassische 70-cm-Schirm (28 oder 29 Zoll) wird jedoch erst ab Mitte nächsten Jahres zu haben sein. Verschiedene Hersteller zeigen zwar Prototypen auf der Funkausstellung, doch angesichts von Preisen um die 20 000 DM werden diese Geräte wohl nur wenige Abnehmer finden - auch wenn ein Modell wie der RN-29 LZ 10 von LG mit nur 6,5 Zentimetern Tiefe und rund 30 Kilogramm Gewicht ausgesprochen attraktiv ist.

Da wäre es schon preisgünstiger - aber nicht wirklich billig -, zu den Plasma-Schirmen zu greifen, die zur Funkausstellung ebenfalls in neue Dimensionen vorstoßen. Sie werden jedoch nicht größer, sondern kleiner. Bisher war der Standard dieser Gasentladungs-Schirme 40 Zoll, also rund ein Meter. Jetzt sind sie auch als 32- oder 36-Zoll-Monitore zu haben. Das Philips-Modell 32PF9964 wird knapp 16 000 DM kosten. Ähnliche Geräte planen Revox und Hitachi auf den Markt zu bringen.

Damit macht die Plasma-Technologie erstmals den Bildröhren direkte Konkurrenz, die nun ebenfalls bis in die 40-Zoll-Kategorie vorstoßen: Der Aconda 93102 ZW von Loewe ist der größte klassische Fernseher Europas - auch wenn er mit einer amerikanischen Thomson-Bildröhre gebaut wird. Immerhin wiegt ein solcher Röhren-Riese rund 80 Kilogramm, während ein sogar etwas größerer Plasma-Schirm nur das halbe Gewicht mitbringt. Und im Preis ist der Loewe mit rund 10 000 DM nicht mehr weit entfernt von einem entsprechenden Flachbildschirm, der rund 15 000 DM kostet.

In Richtung Kinoleinwand gehen die größten Plasma-Panels, deren Produktion jetzt bei LG und NEC begonnen hat: Sie messen 60 beziehungsweise 61 Zoll in der Diagonale, also mehr als 1,5 Meter. Samsung wird mit einem 63-Zoll-Schirm nachziehen. Da es durchaus einen Markt für Geräte dieser Größenordnung gibt, erleben auch Rückprojektions-Fernseher eine Wiederauferstehung. Das von hinten auf die Bildwand geworfene Licht stammt häufig von klassischen Braunschen Röhren, immer öfter auch von LCD.

Doch weitere Technologien erobern diesen Sektor: so die Liquid-Chrystal-on-Silicon-Modelle, die Philips und JVC vorbereiten. Hier handelt es sich um extrem feine, spiegelnde Flüssigkristallschirme für die Projektion. Und auch die von Texas Instruments entwickelte DLP-Technik mit winzigen Kippspiegeln drängt in den TV-Markt. Das Ziel sind qualitativ bessere, aber wesentlich billigere Großbildfernseher, als sie mit Plasma möglich sind.

Das Special zur Funkausstellung in Berlin von Handelsblatt.com

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%