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"Le Monde": Belege für Geldtransfer Holzer-Pfahls in Leuna-Affäre

In der Affäre um den Verkauf der Leuna-Raffinerie an den französischen Elf-Konzern gibt es nach Angaben der französischen Zeitung "Le Monde" neue Erkentnisse.

dpa PARIS. Dokumente aus den Archiven der Luxemburger DSL Bank belegen demnach, dass ein Teil der von Elf gezahlten Beraterhonorare an den damaligen Staatssekretär im Verteidigungsministerium, den damaligen CSU-Politiker Ludwig-Holger Pfahls, weitergeleitet wurden.

Die entsprechenden Gutschriftanzeigen seien dem Schweizer Untersuchungsrichter Paul Perraudin von den luxemburgischen Behörden in diesem Sommer übergeben worden. Sie könnten erstmals belegen, dass Elf-Gelder an Politiker geflossen sind, schreibt das Blatt, das sich in seiner Mittwochausgabe über die schleppenden Ermittlungen in Deutschland wundert.

Auf die DSL Bank waren der Firma eines der beiden Vermittler bei der Privatisierung der ostdeutschen Raffinerie, dem Geschäftsmann Dieter Holzer, am 3. Februar 1993 insgesamt 161 Mill. Franc (48 Mill. DM) überwiesen worden. Wenig später seien dann in zwei Tranchen Millionenbeträge überwiesen worden: 3,6 Mill. DM gingen am 18. März an die panamaische Firma Sildon Enterprises, 1,5 Mill. DM am 19. März an die ebenfalls in Panama ansässige Folden Properties. Beides seien Scheinfirmen Pfahls gewesen, der seit Juli 1999 untergetaucht ist. Holzer habe außerdem Richter Parraudin erklärt, Pfahls habe sich auf eigenen Wunsch in Paris mit dem damaligen Elf-Chef Loik le Floch Prigent getroffen.

"Wenn die Entdeckung dieser Geldbewegungen auch nicht belegt, dass diese Mittel von Elf für Bestechungszwecke überwiesen wurden, so machen Pfahls Profil und Karriere unbestritten den Verdacht einer französisch-deutschen politischen Finanzoperation glaubwürdig", schreibt "Le Monde". In Luxemburger Bankregistern habe Pfahls mitunter auch die Adresse Holzers in Monaco als Wohnort angegeben. Außerdem sei die wiederholt auf Dokumenten von Holzers Firma genannte Fax-Nummer identisch mit der von Pfahls gewesen.

Die "Beraterhonorare" von Elf sind Gegenstand von Ermittlungen in Frankreich und der Schweiz. Der vor kurzem aus der CSU ausgeschlossene frühere Verteidigungsstaatssekretär Holger Pfahls wird seit 1999 mit Haftbefehl international gesucht. Er soll als Staatssekretär auch für die Vermittlung eines Panzergeschäfts mit Saudi-Arabien 3,8 Mill. DM von dem jetzt in Kanada lebenden Waffenhändler Karlheinz Schreiber angenommen haben.

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