Archiv
Lebenslange Haft für Mörder von Jessica

Der Mörder der sechsjährigen Jessica ist am Freitag vom Landgericht Meiningen zu einer lebenslangen Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden.

dpa MEININGEN. Der Mörder der sechsjährigen Jessica ist am Freitag vom Landgericht Meiningen zu einer lebenslangen Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden.

Der 39-jährige vorbestrafte Sexualtäter sei "eine Gefahr für die Allgemeinheit" und müsse bis an sein Lebensende hinter Gitter, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Feld-Gerdes. Mit seiner "verabscheuenswürdigen Tat" habe er unendliches Leid über Jessicas Familie gebracht. Der geständige Täter nahm das Urteil ohne erkennbare Regung hin.

Es gebe kein Zweifel daran, dass der 39-Jährige das Nachbarskind am 22. Juni gezielt im südthüringischen Metzels in einen Wald gelockt, sexuell missbraucht und mit einem Schraubenzieher erstochen habe, sagte Feld-Gerdes. 18 Stiche zählte die Polizei später. Der 39- Jährige hatte die Tat gestanden. Es müsse, so regte Feld-Gerdes an, eine Möglichkeit geben, vor solchen "tickenden Zeitbomben" zu warnen. "Jessica wusste nicht, dass sie zu einem vorbestraften Sexualtäter ins Auto steigt."

Der Pflichtverteidiger des Angeklagten setzte sich bis zuletzt dafür ein, dass sein Mandant in einer psychiatrischen Klink eingewiesen wird. Reiner Größchen berief sich dabei auf ein nervenärztliches Gutachten, dass die verminderte Steuerungsfähigkeit des Mannes nicht ausschloss. Der Verteidiger kündigte an, dass er Revision einlegen werde, da dieses Gutachten nicht ausreichend gewichtet worden sei. Der Gutachter kam allerdings auch zu dem Schluss, dass bei dem 39-Jährigen ein "sehr hohes einschlägiges Rückfallrisiko" bestehe. Bei Tests seien bei dem Verurteilten erhebliche Persönlichkeitsstörungen und schwere seelische Abartigkeiten festgestellt worden.

Der Angeklagte habe kalt, brutal, zielgerichtet und bewusst gehandelt, sagte Staatsanwältin Renate Schinke in ihrem Plädoyer. Zweifel an der Schuldfähigkeit des Mannes schloss sie aus: "So handelt man nicht, wenn man weggetreten ist." Auch Richter Feld- Gerdes kam zum Schluss, dass der Angeklagte voll schuldfähig gewesen sei. Der Lebenslauf des mehrfach einschlägig vorbestrafen Mannes zeige zudem die hohe Rückfallgefahr. Der 39-Jährige war bereits 1986 wegen Vergewaltigung einer 16-Jährigen und zehn Jahre später wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu Haftstrafen verurteilt worden. Zuletzt saß er wegen schweren Diebstahls - am 22. Juni stand er noch unter Bewährung.

"Diese Gesellschaft will Sie nicht mehr. Sie sollten ein für alle Mal aus unserem Leben verschwinden", sagte Hans-Joachim Artmeyer, der Anwalt von Jessicas Vater. "Ich bin froh, dass er das keinem anderen Kind mehr antuen kann", sagte Jessicas Mutter, Ramona Popp, unter Tränen. Der Angeklagte äußerte sich nicht, regungslos nahm er das Urteil hin. Das Böse in ihm habe gesiegt, hatte er zum Prozessauftakt Anfang November erklärt.

Sicherungsverwahrung ist der massivste Freiheitsentzug, den das Strafgesetzbuch vorsieht. Auch nach Verbüßung seiner Haftstrafe kommt der Verurteilte nur nach eingängiger Prüfung mehrerer Gutachter wieder auf freien Fuß. Gefährliche Rückfalltäter sollen so von weiteren Verbrechen abgehalten werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%