Lebensmitteländler stellt den Betrieb ein
Eine Milliarde Dollar bei Webvan in den Sand gesetzt

Im Internet sind in den vergangenen Wochen viele Firmen gescheitert. Webvan war nicht irgendeine Firma, sondern ein Aushängeschild. Etwa eine Milliarde Dollar hatten Investoren in den Geschäftsaufbau investiert. Am Montag beantragte Webvan Gläubigerschutz. Auch Anbietern in Deutschland tun sich schwer. Anfang Juni gab Leshop das Deutschlandgeschäft auf; das Versandhaus Otto will den Lebensmittelhandel über das Internet dagegen forcieren.

p>rtr FOSTER CITY/HAMBURG. Der finanziell angeschlagene US-Online-Lebensmittelmarkt Webvan hat seine Geschäftstätigkeit eingestellt. Die Firma im kalifornischen Foster City beantragte am Montag Gläubigerschutz. Bei dem an der Nasdaq notierten Unternehmen konnten Kunden bisher online Nahrungsmittel bestellen, die dann nach Hause geliefert wurden. Die rund 2 000 Angestellten werden nach Firmenangaben entlassen. Der deutsche Versandhändler Otto zeigte sich am Montag dagegen zufrieden mit der Entwicklung seines Internet-Supermarktes. Otto-Supermarkt.de war im Frühjahr 2000 in Hamburg gestartet und ist seit Herbst bundesweit vertreten.

Webvan hat nach eigenen Angaben keine Pläne, das Geschäft wieder aufzunehmen. Alle Aktivitäten sollten abgewickelt werden, teilte das Unternehmen mit. Webvan solle aus der Börsennotierung gestrichen werden. Die Börse Nasdaq teilte unterdessen aber mit, sie erwarte von Webvan detailliertere Informationen. Bis dahin werde die Aktie vom Handel ausgesetzt. Webvan war im November 1999 an die Börse gegangen. Der Aktienkurs hatte einen Höchststand von 34 $ erreicht. Am Freitag kosteten die Papiere noch sechs US-Cents.

Das Auftragsvolumen ging zurück

Das vor zwei Jahren gegründete Unternehmen gehörte zu den am besten finanzierten "dot-com"-Firmen, die sich im Internet betätigen. Etwa eine Milliarde US-Dollar (2,3 Mrd. DM) hatten Investoren und Aktionäre Webvan zur Verfügung gestellt. Mit der Ernüchterung in der Internet-Branche war es aber auch für den Online-Lebensmittelmarkt immer schwerer geworden, Kapitalgeber zu finden. "In einem anderen Umfeld hätte sich unser Geschäftsmodell als erfolgreich erwiesen", sagte Webvan-Chef Robert Swan.

Die Betriebskosten bei Webvan hatten sich höher als erwartet erwiesen und im zweiten Quartal war auch das Auftragsvolumen zurückgegangen. Zuletzt hatte die vor allem an der US-Westküste tätige Firma ihre Kunden aufgefordert, größere Bestellungen aufzugeben. Seit Sonntagabend sind die Service-Einrichtungen von Webvan nicht mehr zu erreichen.

Der deutsche Versandhändler Otto zeigte sich am Montag dagegen sehr zufrieden mit der Entwicklung seines bundesweiten Online-Supermarktes. "Das Geschäft entwickelt sich so, wie wir uns das vorgestellt haben", sagte Otto-Sprecherin Christina Ziegfeld. Zahlen zu Kunden, Umsatz und Ergebnis nannte sie nicht. Otto plane den weiteren Ausbau des Web-Supermarktes. Nach Hamburg sollten künftig auch in anderen Ballungszentren frische Artikel wie Milchprodukte, Fleisch oder Fisch angeboten werden. Bisher bietet Otto außerhalb Hamburgs nur die Online-Bestellung von Produkten an, die nicht gekühlt werden müssen.

Bei der Spar AG, die den Internet-Supermarkt einkauf24.de betreibt, war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Das seit Oktober 2000 auf dem deutschen Markt vertretene Schweizer Unternehmen Le Shop hatte sein Angebot für Deutschland am 1. Juni wieder eingestellt.

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